Der neue Präsident des österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) heißt entweder Gerhard Milletich oder Roland Schmid. Der 65-jährige Chef des Burgenländischen Landesverbandes und der 45-jährige Unternehmer wurden am Montag vom ÖFB-Wahlausschuss einstimmig als Kandidaten für die Nachfolge von Leo Windtner nominiert. Beide müssen sich nun in der nächsten Wahlausschusssitzung am Samstagnachmittag in Salzburg einem Hearing stellen, unmittelbar danach fällt bereits die Entscheidung. Dabei geht es um nichts Geringeres als darum, quasi Chef von mehr als einer halben Million rot-weiß-roter Kicker zu werden - wenn auch nur ehrenamtlich. Der ÖFB ist jedenfalls Österreichs mit Abstand größter Sportverband.

Offiziell inthronisiert wird der neue Präsident am 17. Oktober im Rahmen der Ordentlichen Hauptversammlung. Windtner hatte bereits vor Wochen angekündigt, nicht mehr zur Wahl anzutreten. Das Auswahlprozedere sorgt in der Fachwelt freilich für geharnischte Kritik, weil internationale Kapazunder wie Heinz Palme und Georg Pangl oder Ex-Rapid-Boss Michael Krammer vom Wahlausschuss nicht einmal auf die Kandidatenliste gesetzt wurden.

Roland Schmid. - © apa / Pfarrhofer
Roland Schmid. - © apa / Pfarrhofer

Wahlausschuss-Vorsitzender Wolfgang Bartosch erklärte gegenüber der APA, andere Kandidaten als Milletich und Schmid hätten schlicht keine Aussicht auf eine Mehrheit gehabt. "Wir haben Alternativen diskutiert. Aber wenn wir jemanden zu einem Hearing einladen, muss er eine realistische Chance haben, zu gewinnen. Wenn eine Mehrheit im Vorhinein auszuschließen ist, brauchen wir ihn nicht einzuladen."

Womit wir wieder im (schlechten) alten Funktionärs-Treiben der Republik angekommen wären, wo Parteipolitik und Postenschacher mehr zählen als Fachkenntnis und Zukunftsvisionen. Und angesichts der beiden Kandidaten muss man klar feststellen, dass der darniederliegenden Sozialdemokratie insofern ein Coup gelungen ist, als nach dem Ende der Langzeitära Windtner (seit 2009), der eindeutig der schwarzen Reichshälfte zuordenbar ist, nun wieder einer das Sagen hat, der den Doppelpass mit der roten Reichshälfte besser beherrscht. Nachdem zuletzt in Langzeitpräsident Beppo Mauhart (1984 bis 2002) ein lupenreiner Sozialdemokrat am Ruder war.

Milletich logischer Favorit

Milletich fungiert seit 2012 als Verbandschef des Burgenlands und ist mit dem Fußball-affinen SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil auf Du und Du - kein Nachteil, wenn "das Burgenland" seit Jahren einer der wichtigsten Nationalteam-Sponsoren ist. Als Mit-Inhaber und Geschäftsführer des Bohmann-Verlages pflegt Milletich aber auch die allerbesten Kontakte zur Stadt Wien, dem eigentlichen Machtzentrum der SPÖ. Die Bohmann-Druckerpressen sind die Drehscheiben für die bunten Werbepostillen der Stadt Wien, die immer wieder für Kritik sorgen wegen Schönfärberei und Steuergeldverschwendung. Da Milletich aus dem ÖFB kommt und quasi für Kontinuität bürgt, ist er auch der logische Favorit auf die Windtner-Nachfolge - andernfalls hätten die Herrn Pangl und Palme ja auch eingeladen werden können.

Eher undurchsichtig sind die Pläne von Schmid, der sich mit seiner Rapid-Kandidatur schon viele Feinde eingehandelt hat. Dass jemand, der bei Rapid unterliegt, dann beim ÖFB siegt, ist eher unvorstellbar - aber in Fußball-Österreich auch nicht gänzlich unmöglich. Der zuletzt von der "Krone" gehypte Selfmade-Millionär ist mit seiner Firma "RS Digital" schon stark mit dem heimischen Fußball verwoben und unterstützt aktuell Ostligist Vienna; nachdem er trotz vorheriger Zusagen seine Rapid-Zuwendungen abrupt beendet hatte. In seinem Rapid-Team waren übrigens auch AK-Präsidentin Renate Anderl und Robert Grüneis, Manager im Stadt-Wien-Imperium. Womit es schon allein um die Stimme des roten Wien eine besondere Wahlschlacht zwischen beiden Kandidaten geben könnte.

Auf den neuen ÖFB-Präsidenten warten jedenfalls einige Herausforderungen, sowohl im infrastrukturellen als auch sportlichen Bereich: neues Trainingszentrum, neue ÖFB-Zentrale, vielleicht doch ein neues Nationalstadion? Und möglicherweise braucht es bald auch wieder einen neuen Teamchef.(may)