Die Foda-raus-Rufe waren unüberhörbar. Wer nach dem 2:5 gegen Israel am Samstag an einen einmaligen Ausrutscher geglaubt hatte, wurde beim 0:1 gegen Schottland, das die bei der EM noch überzeugenden Österreicher in der WM-Qualifikation in eine schier aussichtslose Situation bringt, eines Besseren belehrt. Vielmehr hatte die ÖFB-Elf zwar mehr vom Spiel, letztlich aber keine Lösungen gegen die Schotten parat. Der durchaus harte Elfmeter war noch das Tüpfelchen auf dem i, Teamchef Franco Foda für viele der Sündenbock.

Noch-Verbandspräsident Leo Windtner erteilte tags darauf den Spekulationen um Fodas Zukunft allerdings eine Abfuhr: "Ich halte nichts von Schnellschüssen. Wir müssen die Dinge sachlich, seriös und konsequent aufarbeiten", sagte der Oberösterreicher, der am 17. Oktober aus dem Amt scheidet.

Kurz davor steigen am 9. Oktober auf den Färöern und am 12. Oktober in Kopenhagen gegen den überlegenen Gruppen-Spitzenreiter Dänemark die nächsten Spiele der Nationalmannschaft. Vor allem ein Sieg gegen Dänemark scheint aus heutiger Sicht eher schwierig zu erreichen: Der EM-Halbfinalist hat auch das sechste Spiel in der Gruppe mit 5:0 gegen Israel souverän gewonnen.

"Wir waren bis 20 Meter vor dem Tor gut, haben dann oft nicht die richtige Entscheidung getroffen."

Franco Foda

Aufgrund der jüngsten Leistungen übten sich die Teamspieler in Selbstkritik. "Ein Leiberl und ein Autogramm wollten sie sicher nicht", sagte Marko Arnautovic über die Erregung der Fans. "Sie waren natürlich sauer, zu recht, muss ich ehrlich sagen. Die Leute haben bei der Euro eine Mannschaft auf höchstem Niveau gesehen und jetzt die letzten drei Spiele nicht das Level erreicht hat." Ähnlich äußerte sich auch Kapitän David Alaba, nachdem sich nicht nur Pfiffe und Sprechchöre im Stadion, sondern auch Spott und Häme auch in der Erbarmungslosigkeit des Internet über die Mannschaft ergossen hatten.

Doch bei aller Kritik gab es solche auch an der Art und Weise, wie sie vorgebracht wurde. Der langjährige ÖFB-Stürmer Marc Janko schrieb auf Twitter: "Vor allen Dingen weil ich in meiner Karriere auch solche Spiele gehabt habe kann ich euch eins sagen: kein schönes Gefühl wenn auf einmal die einfachsten Dinge nicht mehr funktionieren. Mir taten die da unten am Feld leid. "Foda raus -Rufe" waren auch entbehrlich."

Foda selbst hatte es unmittelbar nach dem Spiel noch vermieden, über seine Zukunft zu sprechen. "Ich kann das nicht sagen, das müssen andere entscheiden. Ich bin schon einige Zeit und gerne Trainer des Nationalteams", sagte der 55-Jährige, der dafür plädierte, "in den nächsten Tagen ohne Emotionen, ohne Populismus an die Sache heranzugehen."

Zum Spiel selbst meinte er: "Wir haben eigentlich gut angefangen, waren 25 Minuten gut im Spiel, haben Druck ausgeübt und hatten Torschussmöglichkeiten. Nach dem 0:1 haben wir aber etwas die Kontrolle über das Spiel verloren. Wir wollten nach der Halbzeit weitermachen wie in den ersten 30 Minuten. Aber wir haben zu wenig über die Flügel gespielt, haben uns zu wenig durchgesetzt im Eins-gegen-Eins. Wir waren bis 20 Meter vor dem Tor gut, haben dann oft nicht die richtige Entscheidung getroffen. Aber die Mannschaft hat alles versucht, das Spiel zu drehen. Wir hatten noch die Riesenmöglichkeit von Baumgartner, da hat etwas Glück gefehlt. Vielleicht wäre das der Öffner gewesen, um das Spiel komplett zu drehen." (art/apa)