Schadensbegrenzung hätte das Motto des ÖFB-Heimspiels gegen Schottland am Dienstagabend sein sollen. Drei Tage nach der blamablen 5:2-Schlappe in Haifa setzte es allerdings den nächsten Dämpfer für die rot-weiß-rote Auswahl. Gegen eine clever agierende schottische Mannschaft musste man sich mit 0:1 geschlagen geben.

Österreich startete ambitioniert in die Partie und war in einer turbulenten Anfangsphase gewillt, schon früh Druck auf die schottische Hintermannschaft auszuüben. Erste Abschlüsse von Arnautovic (6. Minute) und Baumgartner (15.) verfehlten das Tor. Die vielversprechendste Möglichkeit der ersten Minuten verzeichneten dennoch die Schotten. Nach einem Ballverlust von David Alaba kam Dykes vor Teamtorhüter Bachmann zum Kopfball (9.), der jedoch parieren konnte. Mit Fortdauer des Spiels ging der Schwung der ersten Viertelstunde etwas verloren. Beide Teams waren bemüht, über die Flügel Möglichkeiten zu kreieren, Großchancen blieben aber aus. Die Intensität in den Zweikämpfen erhöhte sich hingegen. Nach einer ruppigen Luft-Attacke an Baumann und einem Gelbfoul von Adams an Grillitsch holte sich auch Geburtstagskind Martin Hinteregger in Holzhacker-Manier eine Verwarnung ab. Der Frankfurt-Legionär sollte nur wenige Minuten später erneut im Mittelpunkt stehen.

Hinteregger arbeitete im Strafraum äußerst ungestüm mit seinen Händen gegen Gegenspieler Che Adams. Der bulgarische Unparteiische Georgi Kabakov ließ zunächst weiterspielen, entschied nach Kontakt mit dem Videoschiedsrichter und Überprüfung der Bilder aber doch auf Strafstoß. Dykes verwertete den Elfmeter in Minute 29 zur Führung und hatte dabei Glück, dass der flach und zentral getretene Schuss unter Torhüter Bachmann durchglitt. Schottland stellte im Zuge des Tores auf eine defensivere Taktik um, Österreichs Bemühungen in der Offensive blieben weitestgehend ungefährlich. Kurz vor Pausenpfiff kam erneut der Video-Referee zum Einsatz - diesmal auf der anderen Seite. Stephen O’Donnells Arm verirrte sich im Gesicht von Christoph Baumgartner. Der darauffolgende VAR-Check resultierte in keinem Elfmeter für das ÖFB-Team. Auch nach der Pause blieb der Video-Unparteiische im Fokus. Hanley brachte nach einer Ecke Hinteregger im Strafraum zu Fall, ein neuerlicher VAR-Check blieb ebenfalls ohne Konsequenzen.

Altbekannte Probleme

In weiterer Folge dominierte die Foda-Elf das Spiel, blieb im Angriff jedoch zahnlos. Schottland mauerte gekonnt und kam durch einen Konter von O’Donnell fast zur Vorentscheidung (68.). Dem ÖFB-Team mangelte es an Ideen, um den schottischen Abwehrriegel zu knacken. Immer wieder probierte man es mit hohen Bällen in die gefährliche Zone, die sich jedoch nicht als probates Mittel gegen defensiv kompakte Schotten erwiesen. Einzig Kopfbälle von Baumgartner (79.) und Gregoritsch (81.) und ein Alaba-Freistoß in den Schlusssekunden sorgten für Gefährlichkeit vorm gegnerischen Tor.

Ein gravierendes Problem, das die Nationalelf schon geraume Zeit verfolgt, kristallisierte sich auch am Dienstag heraus: Österreich hat Schwierigkeiten, gegen tiefstehende Gegner offensiv Lösungen zu finden. Der ÖFB-Auswahl gelang es trotz 66 Prozent Ballbesitz in kaum einer Phase des Spiels, im Angriff für Bedrohung zu sorgen. Weite Strecken der Partie trat man in der gegnerischen Hälfte plan- und hilflos auf. Davon zeugten auch die Interviews nach Spielende. Marko Arnautovic zeigte sich konsterniert und sprach von Ratlosigkeit. Christoph Baumgartner nannten den Team-Lehrgang insgesamt eine "pure Enttäuschung".

Die Hoffnung auf Platz eins in Gruppe F hatte sich bereits nach dem Israel-Spiel verflüchtigt. Nach der Heimniederlage von Dienstag haben sich auch die Chancen auf Platz zwei deutlich verschlechtert. Auf die drittplatzierten Schotten fehlen drei, auf den Zweiten Israel vier Punkte. Hinzu kommt, dass Österreich das schwere Auswärtsspiel beim unangefochtenen Spitzenreiter Dänemark noch bevorsteht. Immerhin: Zwölf Punkte sind in den kommenden Spielen gegen die Dänen, Färöer, Moldawien und Israel noch zu sammeln. Die Möglichkeit, an der WM 2022 in Katar teilnehmen zu dürfen, besteht jedoch auch, wenn es Österreich misslingt, Gruppenplatz zwei zu holen. Dank des ersten Platzes in Nations League Gruppe 1 der Division B im vergangenen Jahr hat man gute Chancen, eine Wild-Card für das Play-off der Qualifikations-Gruppenzweiten zu ergattern. Da alle Nations-League-Gruppenersten aus Divison A auf Kurs Richtung Platz eins oder zwei in ihren Qualifikationsgruppen sind, können nach derzeitigem Stand Wales und Österreich auf einen Zusatzplatz im Play-off zählen. Zwar hat Franco Foda immer wieder betont, sich nicht auf den Bonus durch die Nations League verlassen zu wollen, die Ergebnisse der vergangenen Tage haben den Umweg über die Wild-Card jedoch sicher nicht unwahrscheinlicher gemacht.

Foda-Zukunft ungewiss

Ob Foda bei einer möglichen Play-off-Teilnahme noch auf Östereichs Trainerbank sitzen wird, ist indes mehr als ungewiss. Im Happel-Oval mischten sich immer wieder "Foda-raus"-Rufe in das gellende Pfeifkonzert. ÖFB-Präsident Leo Windtner stellte sich nach dem Match demonstrativ hinter den Teamchef. Die Länderspiele gegen und die Färöer und Dänemark am 9. und 12. Oktober werden also noch unter Regie des Mainzers stattfinden. Angesichts der Tatsache, dass Windtner sein Amt mit 17. Oktober abgibt, wiegt dieses Treuebekenntnis aber nicht allzu schwer.