United-Fans älteren Semesters werden sich vielleicht noch an jenen 16. August 2003 erinnern, als im Saisonauftaktspiel ihres Vereins gegen die Bolton Wanderers nach etwa einer Stunde (und beim Stand von 1:0) von Teamchef Alex Ferguson ein 18-jähriger Debütant aus Portugal auf die rechte Mittelfeldposition eingewechselt wurde, der durch sein trickreiches Flügelspiel nicht nur wesentlich zum 4:0-Endstand beitrug, sondern auch umgehend die Herzen der Zuschauer auf der Tribüne gewann: Cristiano Ronaldo. Vier Tage zuvor war der Fußballer, den auch gern Arsenal, Liverpool, Barcelona oder Juventus auf der Payroll gehabt hätten, für 17,5 Millionen Euro von Sporting Lissabon nach Old Trafford geholt worden. Zwölf Jahre später feiert der vielfache Champions-League-Gewinner nun beim Ex-Klub wohl sein Comeback.

Für Ronaldo waren es gute und lehrreiche Jahre gewesen, und die Fußstapfen, in die er stieg, gewiss nicht klein. In Wirklichkeit hatte er zunächst ein Problem damit gehabt, den Dress mit der Nummer 7 des großen David Beckham anziehen zu müssen - die 28, die er bei Sporting getragen hatte, wäre ihm lieber gewesen -, aber mit jedem Spiel und jedem Tor wich der anfängliche Respekt. Zwar dauerte es eine Weile, bis sich Ronaldo mit der englischen Spielweise an- und von seiner eigenen egozentrischen entfreundete, dafür ging es dann aber Schlag auf Schlag. Einige Doppelpacks in der Premier sowie in der Champions League, etwa beim 7:1 gegen die AS Roma, brachten dem Topscorer 2006/07 (mit 17 Toren und 13 Torvorlagen) zunächst den Titel "Englands Fußballer des Jahres" ein, im Jänner 2008 erzielte er gegen Newcastle den ersten Hattrick und holte sich im Mai im Finalkrimi gegen Chelsea - auch wenn er im Elfmeterschießen vergab - auch noch die Königsklassen-Trophäe.

2009 wechselte Ronaldo für die Rekordsumme von 94 Millionen Euro zu Real Madrid . . . - © AFP
2009 wechselte Ronaldo für die Rekordsumme von 94 Millionen Euro zu Real Madrid . . . - © AFP

In dieser Manier ging es auch 2008 und 2009 weiter. Die Saisonen bescherten ihm nicht nur Triumphe bei Klub-WM und Meisterschaft, sondern zudem den Ballon d’Or sowie erstmals den prestigeträchtigen Titel "Weltfußballer des Jahres". Das Publikum unterhielt er indes mit sehenswerten Toren, wie dem 35-Meter-Goal im Champions-League-Viertelfinale gegen Porto, für das ihm am Jahresende 2009 der Puskas-Preis verliehen wurde. Lediglich aus dem zweiten Champions-League-Sieg (0:2 gegen Barca) wurde es nichts. Mit Ronaldos Wechsel nach Real Madrid wenige Tage später hatte diese Niederlage kaum etwas zu tun. Es war vielmehr das Geld, das lockte - exakt 94 Millionen Euro.

"Bin hier nicht auf Urlaub"

. . . und fuhr nun nach zwölf Saisonen (mit Zwischenstopp in Turin) wieder bei United vor. - © AFP
. . . und fuhr nun nach zwölf Saisonen (mit Zwischenstopp in Turin) wieder bei United vor. - © AFP

Im Vergleich dazu war der Comeback-Deal mit Juventus (15 Millionen ohne Bonuszahlung), wo CR7 zuletzt drei Saisonen gespielt hat, ein Schnäppchen. Andererseits ist auch Ronaldo mit seinen 36 Lenzen nicht mehr der Jüngste. Dennoch werden ihm am Samstag in Old Trafford die Red Devils eine fröhliche "Welcome-Home-Party" bieten. Schließlich hat man nicht vergessen, wer dem Klub dereinst zu acht Trophäen (binnen sechs Saisonen) verholfen und nicht weniger als 118 Mal getroffen hatte. "Die Begeisterung wird glühend heiß sein", prophezeite auch United-Trainer Ole Gunnar Solskjaer. "Alle sind glücklich, dass er zurück ist, jeder weiß, was er der Mannschaft geben kann. Wir wissen, dass wir mit ihm näher dran an dem Gewinn von Titeln sind", sagte der Norweger.

"Ich bin nicht hier auf Urlaub. Was früher war, war gut, wir haben wichtige Titel gewonnen und ich habe für viele Jahre den United-Dress getragen, jetzt bin ich da, um wieder Titel zu gewinnen", erklärte auch Ronaldo. Das Potenzial dazu sei vorhanden. "Ich bin bereit, es ist eine gute Chance für mich, die Fans, den Verein einen Schritt nach vorne zu machen."

Sollte Ronaldo spielen, wäre es sein erster Auftritt in der Premier League nach exakt 12 Jahren und 118 Tagen (Mai 2009 gegen Arsenal). Kein anderer Spieler war bisher nach so einer langen Pause in Englands Oberhaus wieder zum Einsatz gekommen. Vieles spricht für einen Heimsieg (16 Uhr/Sky), Manchester United hat nur eines der jüngsten 36 Heimspiele gegen Newcastle verloren, bei 26 Erfolgen und neun Unentschieden. In der Tabelle sind Ronaldo und Co. aktuell Dritter, punktegleich vor Liverpool und Chelsea.