Wenn es stimmt, dass verpatzte Generalproben bei der Aufführung meist das Gegenteil zur Folge haben, weiß man nicht so recht, wie man die Auftritte der österreichischen Europacupstarter an diesem Wochenende zu bewerten hat. Denn während Salzburg, am Dienstag in der Champions League zu Gast beim FC Sevilla, mit dem 3:1-Auswärtssieg auch den siebenten Streich, sprich den siebenten Sieg im siebenten Spiel schaffte, und es auch für Sturm Graz, in der Europa League am Donnerstag bei AS Monaco im Einsatz, drei Punkte zu bejubeln gab, musste sich der zweite Vertreter im zweithöchsten europäischen Bewerb, Rapid, 1:2 gegen die Admira geschlagen geben.

Und ganz schlecht läuft es derzeit für den Linzer ASK, der in der Conference League nicht nur gegen Helsinki, sondern auch gegen die Krise ankämpft. Nach dem 0:2 gegen die Austria, die damit zu ihrem ersten Sieg in der Bundesliga kam, kam zudem noch für Dominik Thalhammer das frühe Aus.

Der Trainer wurde am Montag mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden und freigestellt. Als Cheftrainer fungiert bis zur Winterpause der bisherige Co-Trainer Andreas Wieland, hieß es in einer Aussendung der Linzer.

"Man kann Dominik nicht absprechen, dass er für den LASK alles gegeben und auch einiges erreicht hat", sagte LASK-Präsident Siegmund Gruber. Der Ex-Teamchef der ÖFB-Frauen sei unbestritten ein Fachmann. "Aber uns fehlt die Überzeugung, dass er es unter dem derzeitigen Druck - ausgelöst durch die zuletzt schlechten Ergebnisse und Leistungen - schaffen wird, unsere Mannschaft wieder in die Form zu bringen, die wir brauchen, um unsere Saisonziele zu erreichen."

"Der Trainer ist die ärmste Sau"

Seit sechs Spielen sind die Oberösterreicher, die dabei nur fünf Tore erzielt haben - so wenige wie keine andere Mannschaft - nun sieglos. "Kritik ist verständlich, weil man den LASK in anderen Tabellenregionen sehen will. Mit solchen Reaktionen muss man leben", hatte Thalhammer schon nach den Ablöseforderungen durch die Fans unmittelbar nach dem Spiel gesagt. Zur Art und Weise der Kritik meinte er aber: "Da fallen schon Worte, wo ich mir denke, ich werde meine Kinder nicht mehr ins Stadion mitnehmen." Rückendeckung erhielt der Coach zu diesem Zeitpunkt noch von Peter Michorl. "Der Trainer ist da die ärmste Sau, wenn die Mannschaft in den ersten zehn Minuten so auftritt", sagte der Mittelfeldspieler auf Sky.

Goalie Alexander Schlager hatte gefordert: "Wir müssen noch enger zusammenrücken und noch mehr Gas geben im Training." Außerdem will er altbekannte Tugenden sehen. "Wir müssen mit kratzen, beißen, kämpfen ins Spiel finden. Die Qualität ist da, daran müssen alle glauben." Auf keinen Fall dürfe man in eine allzu negative Stimmung verfallen. "Was sollen wir machen? Sollen wir uns aufhängen und sagen, alles ist so blöd?"

Schon das Finnland-Gastspiel biete die Chance, in einen "Flow" zu kommen, betonte Schlager. Bis dahin könnte sich auch die Personalsituation leicht entspannen. Gegen die Austria hatte der LASK gleich acht verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen.

Sturm vor "Riesenaufgabe"

Sturm Graz kann die Reise zum Europa-League-Spiel gegen die Topmannschaft AS Monaco dagegen mit dem vierten Liga-Saisonsieg und damit viel Selbstvertrauen antreten. Beim 2:1-Heimerfolg gegen Aufsteiger Austria Klagenfurt am Sonntag hoben sich die Hausherren den Siegtreffer bis zur 94. Minute auf. Umso größer war die Freude am Ende. "Der späte Sieg ist wichtig für die Moral und das Selbstvertrauen", betonte Sturm-Trainer Christian Ilzer.

Innenverteidiger Gregory Wüthrich bewahrte sein Team vor dem dritten Remis in Folge nach einem 2:2 gegen die Austria und einem 1:1 gegen die Admira. "Es war natürlich eine Riesenerlösung und sehr wichtig für den Kopf. Es wäre bitter gewesen schon wieder Unentschieden zu spielen. Mental sind die drei Punkte super für uns", sagte der Siegtorschütze. Dadurch blieben die Grazer sieben Punkte hinter dem überlegenen Tabellenführer Salzburg erster Verfolger.

Es läuft also weiter nach Wunsch für den Ligadritten der vergangenen Saison. Den Umschwung brachten die zuletzt angeschlagenen und daher nicht in der Startformation aufgebotenen Joker Jon Gorenc Stankovic und Otar Kiteishvili. "Mit Jon haben wir an Stabilität gewonnen, und Otar hat Impulse gebracht", meinte Ilzer. Der Georgier war dank seiner Kreativität ein ständiger Gefahrenherd und leitete auch den entscheidenden Treffer mit ein. "Ich glaube, dass wir nach den letzten 20 Minuten der verdiente Sieger sind", sagte der Steirer. Auf die gesamte Spielzeit gesehen sei der Erfolg vielleicht glücklich gewesen. Sturm musste nach einem Blitztor von Christopher Cvetko (3.) früh einem Rückstand nachlaufen. "Wir haben uns durch das frühe Gegentor in eine schwierige Situation gebracht", sagte Ilzer.

Besonders ärgerte er sich darüber, dass es nach einem ruhenden Ball gefallen war - einem Gemicibasi-Corner. "Es war das sechste Gegentor nach einer Standardsituation, das stört mich extrem, da müssen wir konzentrierter verteidigen", forderte der Ex-Austria-Coach. Nach dem Schock sei sein Team "langsam, zerfahren und nervös" gewesen. "Das war einfach zu wenig von uns. Es war lange Zeit kein gutes Spiel von uns." Immerhin gelang Jakob Jantscher (31.) mit einem verwandelten Handelfmeter trotzdem recht bald der Ausgleich.

Jene Torgefahr, die sich Ilzer wünscht, strahlten die Gastgeber erst im Finish der Partie aus. Da lag das 2:1 richtiggehend in der Luft. Der erlösende Treffer fiel allerdings erst, als die Partie in der Nachspielzeit der Nachspielzeit war. Drei Minuten waren nur angezeigt gewesen. Deshalb war auch Ilzers Widerpart Peter Pacult angefressen. "In der letzten Minute haben wir die Sekunden runtergezählt und den Schlusspfiff erwartet, der Schiedsrichter hätte auch zeitgerecht abpfeifen können." Objektiv gesehen war die zusätzliche Minute aufgrund eines Wechsels in der Nachspielzeit plus Zeitspiel der Hausherren wohl gerechtfertigt. "Mit dem einen Punkt, den wir uns verdient hätten, wäre es Platz vier statt acht, das sieht optisch dann schon anders aus, aber der Schiedsrichter hatte was dagegen", meinte er Wiener.

Eine Niederlage mit so spätem Gegentor tue besonders weh, vor allem da man den Grazern gut Paroli habe bieten können. "Wir belohnen uns nicht für einen absoluten Kampf. Es ist traurig, dass wir hier nichts mitgenommen haben", gab Tormann Lennart Moser zu Protokoll.

Die Steirer hingegen können jetzt positiv in Richtung Monaco blicken. "Es wartet eine Riesenaufgabe auf uns, ich bin gespannt, wie wir diese Herausforderung annehmen", so Ilzer. (apa/red)

Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde nach der Beurlaubung Dominik Thalhammers aktualisiert.