Es ist schon ein Weilchen her, dass der FC Salzburg zuletzt im Estadio Ramón Sánchez Pizjuan des FC Sevilla ein Fußballspiel bestritt. 12 Jahre, 11 Monate und 27 Tage, um genau zu sein. Die wenigsten werden sich mit Freude an das letzte Gastspiel in Andalusien erinnern. In der Premierensaison der neu-konzipierten Europa-League 2008/09 verlor man beide Spiele der Vorrunde gegen Sevilla mit 0:2 und schied verdient aus dem Bewerb aus. Zu sagen, es hätte sich seither viel getan in Salzburg, wäre eine leichte Untertreibung. Rund 13 Jahre, 11 Meistertitel, 8 ÖFB-Cup-Erfolge und ein Europa-League-Halbfinale später ist der FC Salzburg vor allem eines: jünger. Setzte man im Jahr 2008 noch auf einen Mannschaftskern aus Alt-Stars wie Niko Kovac oder Alexander Zickler, sind es im Jahr 2021 Jungspunde wie Karim Adeyemi, die das Gesicht der Truppe prägen.

Spezielles Spiel für Wöber

Maximilian Wöber ist mit seinen 23 Jahren einer der erfahreneren Salzburg-Profis. Das Spiel gegen Sevilla heute Abend wird für den Wiener ein ganz besonderes. 2019 schnürte er die Fußballschuhe für den Rekordsieger der Europa-League, brachte es aber nur auf acht Einsätze für die Blanquirrojos. Für Wöber ist Sevilla "der Gruppenfavorit", er erwartet einen "schweren Start". Ob die Weiß-Roten tatsächlich der stärkste Gegner in der von Wolfsburg und Lille komplettierten Gruppe G sein werden, wird sich noch weisen. Der FC Sevilla verfügt jedoch in jedem Fall über den klingendsten Namen in einer Auslosung, die für den österreichischen Meister deutlich attraktivere, aber auch schwierigere Gegner bereithalten hätte können.

Sevilla gewann in der 131-jährigen Vereinsgeschichte einmal die spanische Meisterschaft, fünfmal die Copa del Rey und sechsmal die Europa-League, beziehungsweise deren Vorgänger, den Uefa-Pokal. In die aktuelle Saison startete die Mannschaft von Trainer Julen Lopetegui mit zwei Siegen gegen Rayo Vallecano und Getafe sowie einem Unentschieden bei Elche. Am Samstag hätte es eigentlich zum Kräftemessen mit dem FC Barcelona kommen sollen. Terminschwierigkeiten mit Begegnungen der südamerikanischen WM-Qualifikation sorgten jedoch für eine Verschiebung auf unbestimmte Zeit. Die Andalusier haben somit seit 28. August kein Pflichtspiel mehr absolviert.

Salzburg konnte sich am Wochenende indes mit einem 3:1 bei der WSG Tirol für den Champions-League-Auftakt warmschießen. Der zehnte Sieg im zehnten Pflichtspiel unter Neo-Trainer Matthias Jaissle - im übrigen Einstands-Rekord bei Red Bull - konnte aber erst in den Schlussminuten durch Joker-Tore von Benjamin Sesko und Noah Okafur in trockene Tücher gebracht werden. In die Partie heute Abend geht man dennoch mit dem nötigen Selbstvertrauen. Die Siege gegen die spanischen Topklubs Atlético und Barcelona (1:0 und 2:1) in der Vorbereitung sorgen für zusätzlichen Aufwind.

Jüngstes Team des Bewerbs

Die Blanquirrojos verfügen durchaus über bekannte Namen im Kader. Neben dem ehemaligen Barcelona-Star Ivan Rakitic und Rekordspieler Jesus Navas stechen vor allem die Neuzugänge Thomas Delaney (Borussia Dortmund) und Eric Lamela (Tottenham) hervor. Über mangelnde Erfahrung in der Champions League können sich die Sevillistas also nicht beklagen. Selbiges gilt für Salzburg nicht unbedingt. Der heimische Meister geht mit dem jüngsten Kader aller Champions-League-Teams in die Gruppenphase - Durchschnittsalter 22,1. Einzig Alexander Walke (38), Zlatko Junuzovic (35) und Andreas Ulmer (33) tanzen aus der Reihe. Zudem ist Matthias Jaissle (33) der jüngste Cheftrainer der aktuellen Königsklasse. Die Favoritenrolle liegt heute dementsprechend bei den Spaniern. Eine Überraschung ist den "jungen Wilden" aus Wals-Siezenheim aber allemal zuzutrauen.

Zum unumstrittenen Topspiel am Dienstag kommt es im Camp Nou. Der FC Barcelona trifft im ersten Champions-League-Spiel ohne Lionel Messi ausgerechnet auf den FC Bayern. Die Münchner hatten den Katalanen im letzten Aufeinandertreffen 2020 auf dem Weg zum Champions-League-Triumph eine empfindliche 2:8-Niederlage zugefügt. Auch Titelverteidiger Chelsea steigt heute in den Bewerb ein, die Blues mit Neuzugang Romelu Lukaku treffen zuhause auf den russischen Meister Zenit St. Petersburg.