Es war durchaus beachtlich, was Red Bull Salzburg zum Auftakt der Champions-League beim FC Sevilla abgeliefert hat. Und doch musste der Serienmeister am Dienstagabend nach dem 1:1 drei Punkten zumindest leise nachweinen. Eine 40-minütige Überzahl blieb ungenutzt, zwei Elfmeter wurden verschossen. "Vielleicht wäre ein Tick mehr drinnen gewesen", meinte Coach Matthias Jaissle, der sich aber vor allem aufs Positive konzentrierte: "Das war aller Ehren wert." Im Kampf um den Achtelfinal-Einzug ist jedenfalls alles drinnen, zumal Lille und Wolfsburg sich ebenfalls unentschieden (0:0) trennten. Am 29. September gastiert der französische Meister in Wals-Siezenheim. "Wir können gegen jeden überraschen, für mein Nervenkostüm muss es nicht zwingend so emotional sein", sagte Jaissle.

Jaissle, mit 33 Jahren selbst ein Trainer-Jungspund, sah das Resultat nicht zuletzt im Lichte des Altersvergleichs. Während er seine Truppe mit einem Durchschnittsalter von nur 22,1 Jahren aufs Feld schickte, wies Sevilla einen Schnitt von 29,3 auf. "Vor allem die Art und Weise, als junge Mannschaft, macht mich extrem stolz", sagte der Coach, der auch nach seinem elften Pflichtspiel noch ungeschlagen ist. Vor dem Spiel hätte er ein 1:1 ohnehin "unterschrieben", auch so aber dürfe man nach einer "reifen Leistung" mit "erhobenem Haupt" das Stadion des sechsfachen Europa-League-Gewinners und Gruppenfavoriten verlassen. Dessen Routine, die gerade in den Anfangsminuten sichtbar wurden, hebelte Salzburg mit einigen wenigen Umschaltmomenten und nicht zuletzt der Klasse des ständigen Gefahrenherds Karim Adeyemi aus. Der Neo-DFB-Teamkicker erstaunte mit drei herausgeholten Elfmetern, bei denen die Sevilla-Defensive freilich auch unkonzentriert wirkte. Dass erst Adeyemi selbst danebenschoss (13.) beziehungsweise Luka Sucic die Stange traf (37.), war für Spieler wie Zuschauer kaum zu fassen. Immerhin traf Sucic in seinem ersten Versuch (21.) und schwärmte danach über "ein wunderschönes Gefühl". Gut möglich freilich, dass der 19-jährige Slowene und der gleichaltrige Adeyemi auch noch das eine oder andere Mal von den vergebenen Strafstößen träumen. Denn statt 3:0 stand es noch vor der Pause wieder per Elfmeter und dank Sevilla-Kapitän Ivan Rakitic 1:1. Ausgerechnet der ehemalige Kurzzeit-Sevilla-Legionär Maximilian Wöber, der sich für seine Rückkehr ins Estadio Ramon Sanchez-Pizjuan einiges vorgenommen hatte, verursachte mit seiner Attacke an Stürmer Youssef En-Nesyri den vierten Elfer.

Der augenfällige Unterschied ab der 50. Minute, in der En-Nesyri nach einer Schwalbe Gelb-Rot sah: Die Gäste waren nun mit einem wesentlich tiefer stehenden Gegner konfrontiert und suchten zumeist erfolglos nach Lösungen. "Wir mussten gegen einen tiefen Block angreifen. Sevilla hat das richtig gut gemacht und war richtig gefährlich über Konter", analysierte Jaissle. In der zweiten Hälfte waren die Andalusier dem Siegtreffer dann auch näher als die Salzburger. Dennoch gab es von Sevilla-Coach Julen Lopetegui lobende Worte für die Gäste aus Österreich: "In der Champions League gibt es gute Teams mit guten Spielern. Wir haben heute gegen ein Team mit guten Spielern gespielt, die es zu großen Teams schaffen werden - alle von ihnen."

Dämpfer für Barca und United

Ein Österreicher, der kürzlich den Sprung aus der heimischen Liga zu einem international renommierten Klub geschafft hat, war am Dienstag übrigens auch das erste Mal im Champions-League-Einsatz. Dieser endete für Rapid-Leihgabe Yusuf Demir, der in der 59. Minute bei Barcelona eingewechselt wurde, allerdings eher unerfreulich. Die Katalanen, die einige Topspieler abgegeben haben, mussten sich im Gruppe-E-Schlager dem FC Bayern München mit 0:3 geschlagen geben, die Tore erzielten Thomas Müller und Robert Lewandowski mit einem Doppelpack. Einen Dämpfer setzte es auch für Manchester United: Die Red Devils verloren mit Heimkehrer Cristiano Ronaldo mit 1:2 gegen die Young Boys Bern.(apa/red)