Der letzte Auftritt einer Sturm-Mannschaft im Fürstentum Monaco ist schon ein paar Jährchen her. Und auch wenn die Schwarzen beim letzten Gastspiel im Stade Louis II mit 5-0 untergingen, werden sich Sturm-Fans mit einem Lächeln an die damalige Zeit erinnern. In der Champions-League-Saison 2000/2001 konnten sich die Grazer in einer verrückten Gruppenphase gegen Galatasaray Istanbul, die Glasgow Rangers und Monaco als Gruppensieger durchsetzen. Am Donnerstag kommt es zum Wiedersehen in der Europa League. 21 Jahre später können beide Vereine von der Königsklasse nur träumen. Während man in der Steiermark jedoch froh ist, nach Jahren der europäischen Absenz endlich wieder eine internationale Gruppenphase erreicht zu haben, hadern die Monegassen noch immer mit dem bitteren Ausscheiden im Champions-League-Play-off gegen Schachtjor Donezk. Die Elf von Niko Kovac musste sich im Rückspiel erst in der Verlängerung geschlagen geben - das 2:1 hätte mit der in diesem Jahr abgeschafften Auswärtstorregel zum Aufstieg gereicht.

Starensemble in der Krise

Es passt zum verkorksten Saisonstart der Rot-Weißen. Drei Niederlagen bei je einem Unentschieden und Sieg entsprechen nicht unbedingt den fürstlichen Erwartungen. Der 389 Millionen schwere Kader ist der zweitteuerste der Ligue 1. In den Reihen der Monegassen findet sich eine Vielzahl an prominenten Namen: Cesc Fabregas beispielsweise, Teil des spanischen Wunderteams, das zwischen 2008 und 2012 zwei EM- und einen WM-Titel holte. Mit Djibril Sidibe steht auch ein amtierender Weltmeister im Kader. Allein die beiden Mittelstürmer Wissem Ben-Yeder und Kevin Volland besitzen einen mehr als doppelt so hohen Marktwert wie die gesamte Mannschaft des SK Sturm. An der Seitenlinie steht mit Niko Kovac ein ehemaliger Trainer des FC Bayern. Auch wenn die Rouges et Blancs in der Krise stecken, die Grazer sind im Fürstentum glasklarer Underdog.

Dennoch gehen die Schwarzen mit breiter Brust in das erste Gruppenspiel seit zehn Jahren. Die Leistungen in der bisherigen Bundesligasaison waren ordentlich, mit vierzehn Punkten hat sich das Team von Christian Ilzer als erster Verfolger von Red Bull Salzburg in Stellung gebracht. Die beiden Offensiv-Neuzugänge Kelvin Yeboah und Manprit Sakaria präsentieren sich bis dato in Torlaune und halten bei aktuell je sieben Treffern. Sportchef Andreas Schicker gab sich vor dem Abflug ins Fürstentum selbstbewusst: "Wir wollen morgen etwas mitnehmen und uns so teuer wie möglich verkaufen." Ein Punkt könnte in dieser Hinsicht für die Grazer sprechen: Erst kürzlich hob die Uefa das Verbot von Auswärtsfahrern bei Europapokalpartien wieder auf. Rund 600 Sturm-Anhänger werden erwartet. Das monegassische Publikum ist nicht für großartige Stimmung bekannt. Gut möglich also, dass die Grazer Schlachtenbummler im wohl nicht ausverkauften Stade Luois II für ein akustisches Heimspiel sorgen werden.

Rapid muss liefern

Auf die Fans setzt man auch in Wien Hütteldorf. Mit dem KRC Genk gastiert am Donnerstag ein alter Bekannter im Weststadion. Bereits 2013 und 2016 traf man in der Gruppenphase der Europa League aufeinander. Die Bilanz ist ausgeglichen: Zwei Unentschieden stehen je ein Sieg von Rapid und Genk gegenüber. Die Belgier reisen dennoch als Favoriten in die Bundeshauptstadt. In den vergangenen Jahren profitierten die Blau-Weißen von kluger Transferpolitik, gewachsener Infrastruktur und lukrativen TV-Geschäften. Der Ex-Verein von Größen wie Kevin De Bruyne, Thibaut Cortuois und Christian Benteke spielt finanziell in einer Liga mit Red Bull Salzburg. Allein das Offensiv-Trio Onuacho, Ito und Bogonda hat einen höheren Marktwert als der gesamte grün-weiße Kader. In der Champions-League-Qualifikation schied man wie auch Monaco gegen Donezk aus. Rapid setzt indes auf den Heimvorteil und die Unterstützung von den Rängen. Das Stadion wird erwartungsgemäß gut gefüllt sein. Klar ist aber: Die Hütteldorfer sind trotz der Ausgangslage auf ein Erfolgserlebnis angewiesen. In der Liga hinkt man den Erwartungen hinterher, zuletzt setzte es eine bittere 1-2-Niederlage bei der Admira. Ein Sieg am Donnerstag könnte die grün-weißen Gemüter etwas besänftigen, eine Niederlage für Krisenstimmung sorgen. Sky überträgt beide Spiele der österreichischen Vertreter ab 18 Uhr live.