Ein 0:1 in der 92. Minute, das tut weh - und lässt sich in der Regel auch nicht so einfach wegstecken. Aber Rapid Wien, für den der Europacup-Auftakt am Donnerstag gegen Genk nicht glückloser hätte verlaufen können, bleibt keine andere Wahl, als mental die Reset-Taste zu drücken, wartet doch im Bundesliga-Schlager des Wochenendes am Sonntag (17 Uhr) niemand Geringerer als Serienmeister Red Bull Salzburg. Und hier spricht so gut wie alles für den Titelverteidiger.

Die Zahlen verdeutlichen das: Nicht nur spielen die Salzburger daheim, auch haben sie gegen die Hütteldorfer in den jüngsten 24 Duellen nur eine einzige Niederlage kassiert und führen die Tabelle mit dem Maximum von 21 Punkten an. Außerdem haben sie nach ihrem Europacup-Einsatz gegen Sevilla (1:1) zwei Tage länger Pause als die Wiener, die in der Liga erst bei acht Zählern halten. Dennoch war Salzburg-Coach Matthias Jaissle bemüht, keine allzu große Übermütigkeit aufkommen zu lassen. "Wir machen sicher nicht den Fehler, uns auf die Tabelle zu konzentrieren. Wir wissen um die Stärke von Rapid Wien. Das ist eine Mannschaft, die uns herausfordern wird", betonte der Coach.

Laut Jaissle waren die jüngsten Aufeinandertreffen beider Vereine "immer von harten Fights geprägt" gewesen. Auch gegen Genk bestachen die Grün-Weißen durch Engagement, so Jaissle. "Sie konnten lange Zeit richtig gut mithalten. Es war eine tolle Partie." Seine Truppe müsse unbedingt 100 Prozent abliefern. "Sonst kann es eine böse Überraschung für uns geben", sagte der 33-Jährige, fügte aber optimistisch hinzu: "Wenn wir unser Leistungsvermögen abrufen, spricht wenig dagegen, dass wir die drei Punkte zu Hause lassen."

Bis Freitag waren für das Spiel etwa 15.500 der insgesamt 17.000 aufgelegten Karten verkauft. Das Kräftemessen mit Grün-Weiß liegt den Salzburg-Fans besonders am Herzen, wie Jaissle bereits erfahren hat. "Ich weiß aus Gesprächen mit Fans um die Bedeutung dieser Partie." Mit einem Sieg würden die Salzburger die Wiener bereits um 16 Punkte hinter sich lassen.

Rapid unter Druck

Allerdings muss Jaissle am Sonntag auf den erkrankten Ex-Rapidler Maximilian Wöber und auf die verletzten Zlatko Junuzovic, Bernardo, Sekou Koita sowie Albert Vallci verzichten. Auch Rapid hat Personalsorgen: So steht etwa Torhüter Richard Strebinger wegen Schulterproblemen nicht zur Verfügung, auch Robert Ljubicic ist fraglich.

Nicht nur aus diesem Grund hob Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer die Außenseiterrolle seiner Truppe hervor. "Klar spricht vieles gegen uns. Nur eine Top-Leistung kann da zu Punkten führen. Wir brauchen eine ausgesprochen gute Leistung, denn Salzburg ist das Nonplusultra in Österreich. Sie haben eine Top-Mannschaft."

Rapid holte aus den jüngsten drei Bewerbspartien lediglich einen Punkt und kassierte zuletzt Heimniederlagen gegen die Admira und nun Genk. Salzburg reiste aufgrund von zwei vergebenen Elfmetern mit gemischten Gefühlen vom 1:1 bei Sevilla retour, hatte aber eine um zwei Tage längere Regenerationszeit. "Abgesehen davon, dass sie ausgeruht sind, man hat am Dienstag wieder ihre Klasse gesehen. Da haben sie ein unglaublich gutes Spiel gemacht", sagte Kühbauer.