"Be the best forever" - "Sei für immer der Beste". In großen, gelben Lettern prangen diese Worte auf dem Wappen des chinesischen Erstligisten Guangzhou FC. In den vergangenen Jahren war es mehr als nur ein bloßer Sinnspruch. Die Mannschaft aus der Industriemetropole Kanton dominierte die chinesische Super League praktisch nach Belieben. Seit dem ersten Meistertitel 2011 triumphierte man insgesamt acht Mal. Dazu gesellten sich 2013 und 2015 Erfolge beim asiatischen Pendant zur Champions League. Nun aber steht man vor großen finanziellen Schwierigkeiten. Schuld daran ist die drohende Insolvenz des Mutterunternehmens.

Denn der Aufstieg der Tiger, wie der Verein aufgrund seines Wappentiers genannt wird, war vor allem mit einem Namen verknüpft: Evergrande. Der zweitgrößte Immobilienkonzern der Volksrepublik China kaufte den 1954 gegründeten damaligen Zweitligisten 2010 für umgerechnet rund 13 Millionen Euro auf. Es war der Beginn einer einmaligen Erfolgsgeschichte im chinesischen Fußball. Guangzhou Evergrande verwandelte sich zu einem der besten Fußballklubs Asiens. Dieser Höhenflug gerät jedoch aktuell ins Wanken. Evergrande befindet sich in einer wirtschaftlichen Schieflage. Rund 260 Milliarden Euro Schulden hat das Unternehmen angesammelt - das entspricht in etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes Chinas. Wie es mit dem Immobilienriesen weitergeht, ist derzeit noch ungewiss.

Big Spender

Die finanziellen Nöte Evergrandes treiben auch den Guangzhou FC um. Der aktuelle Vizemeister ist hoch verschuldet. Das Geld saß bei den Südchinesen über Jahre hinweg eher locker. 2016 verpflichtete man Jackson Martínez von Atletico Madrid für 42 Millionen Euro, für eine ähnlich hohe Summe holte man 2017 Paulinho vom FC Barcelona zurück. Die Liste an prominenten Spielern, die ihre Fußballschuhe für Guangzhou schnürten, ist lang: Lucas Barrios, Robinho, Alberto Gilardino. Der argentinische Spielmacher Dario Conca soll nach seinem Wechsel 2011 der drittbestbezahlte Fußballer der Welt gewesen sein - einzig Messi und Ronaldo verdienten mehr. Mit Alan steht auch ein ehemaliger Torjäger des FC Red Bull Salzburg im aktuellen Kader der Chinesen. Auf der Trainerbank nahmen in den vergangenen Jahren jedoch noch klingendere Namen Platz. Marcelo Lippi, 2006 Weltmeister mit Italien, wurde 2012 verpflichtet. Er gab das Amt zwei Jahre später an den ehemaligen Weltfußballer Fabio Cannavaro weiter. Von 2015 bis 2017 schwang der vormalige Nationaltrainer Brasiliens Luis Felipe Scolari das Zepter. Cannavaro kehrte 2017 zurück. In dieser Woche löste er seinen Vertrag auf.

Als Prestigeprojekt des Klubs gilt der Bau des größten Fußballstadions der Welt. Die Fertigstellung des an eine Lotusblüte erinnernden Komplexes ist für 2022 geplant, 100.000 Fans werden darin Platz finden, die Kosten sollen sich auf umgerechnet 1,7 Milliarden Euro belaufen. Die Krise des Eigentümers könnte den Guangzhou FC, der nach einer Regeländerung des chinesischen Verbandes den Sponsorennamen vor Saisonbeginn ablegen musste, jedoch in den Abgrund stürzen. Dass ein namhafter Klub den Spielbetrieb einstellen muss, wäre kein Novum im chinesischen Fußball. Vorjahresmeister Jiangsu Suning wurde im Februar aufgelöst. Nachdem sich der Besitzer, die Suning Apliance Group, zurückzog und kein neuer Eigentümer gefunden werden konnte, war das Ende des Klubs aus Nanjing rund um Starspieler Alex Texeira besiegelt. Rund ein Dutzend weiterer Vereine aus den oberen drei Ligen sind in der vergangenen Saison ebenfalls pleitegegangen. Die ökonomischen Schwierigkeiten vieler Super-League-Teams hinterlassen tiefe Spuren im chinesischen Fußball.

Zukunft ungewiss

Eigentlich wollte man im Reich der Mitte zu einer Fußball-Großmacht aufsteigen. Präsident Xi Jinping gilt als glühender Fan des runden Leders, die Regierung in Peking steckte in den vergangenen Jahren Milliarden in Ausbildung und Infrastruktur. Doch der Weg an die Weltspitze erweist sich mehr als holprig. In der Fifa-Weltrangliste belegt man aktuell Rang 75 - hinter Teams wie Burkina Faso oder Mali. Der Traum von einer WM-Teilnahme 2022 ist in weite Ferne gerückt. In Qualifikationsgruppe B belegt man nach zwei Spieltagen ohne Sieg den letzten Rang. Die derzeitige Super-League-Saison ist aufgrund der WM-Qualifikation unterbrochen. Ob und wie der Guangzhou FC bei Wiederaufnahme des Ligabetriebs im Dezember vertreten sein wird, steht in den Sternen. Evergrande ist nicht der einzige prominente Geldgeber, rund 38 Prozent des Klubs gehören der Alibaba Group. Dass der Gürtel jedoch in jedem Fall enger gelegt werden muss, steht wohl außer Frage.