In den englischen Profiligen könnten Fußballfans nach 36 Jahren Pause bald wieder ihr Bier am Platz trinken dürfen. Zunächst solle die Maßnahme in einem Pilotprojekt in der vierten und fünften Liga getestet werden, sagte die frühere Sportstaatssekretärin und konservative Parlamentsabgeordnete Tracey Crouch der Zeitung "The Times". Skeptische Wortmeldungen folgten prompt. So bezeichnete der Polizei-Chef für Fußball-Angelegenheiten den Vorstoß als "unverantwortlich".

In den oberen fünf Ligen in England ist es Zuschauern seit 1985 verboten, am Spielfeld Alkohol zu trinken. Mit der Maßnahme wollten Regierung und Clubs damals das grassierende Hooligan-Problem in den Griff bekommen. In vielen Stadien gibt es allerdings an Ständen im Stadioninneren Bier, außerdem sitzen zahlreiche Fans bis kurz vor Anpfiff in nahe gelegenen Pubs. Fanorganisationen haben das Konsumverbot am Platz immer wieder als veraltet kritisiert.

"Unverantwortlich"

Mark Roberts, der Polizei-Chef für Fußball-Angelegenheiten, sagte: "Leider haben wir gesehen, dass Alkohol oft eine bedeutende Rolle bei gewalttätigem und ungeordnetem Verhalten beim Fußball spielt." Bereits jetzt sei das Level an Ordnungswidrigkeiten - Roberts nannte gegenüber dem "Guardian" Attacken auf Ordner und Hassverbrechen - besorgniserregend. "Es wäre unverantwortlich dies zu befeuern, indem man während der Spiele einen höheren Alkoholkonsum zulässt."

Crouch hingegen verwies beim Alkohol auf Vereine wie Dulwich Hamlet. Der Londoner Sechstligist mache viel Umsatz mit Getränken - dieser breche weg, falls der Verein in die fünfte Liga aufsteigt, wo Bierkonsum am Platz verboten ist. "Sie haben uns offen gesagt, dass sie es sich aufgrund der Alkoholregeln nicht leisten können, aufzusteigen", sagte Crouch. Zudem würden viele Fans wegen des Verbots in kurzer Zeit viel Alkohol trinken. "Daher ist meine Empfehlung, dies zu steuern, damit niemand in der Halbzeit sein Pint runterkippen muss", sagte Crouch.

Das zweite Mal in kurzer Zeit

Es wäre das zweite Mal in kurzer Zeit, dass im englischen Fußball jahrzehntealte Verbote außer Kraft gesetzt würden. Erst am Mittwoch hatte die für Sicherheit in Fußballstadien zuständige Sports Grounds Safety Authority bekanntgegeben, dass die Clubs der obersten beiden Ligen vom 1. Jänner 2022 an unter bestimmten Voraussetzungen eine begrenzte Anzahl von Stehplätzen anbieten können. (apa/dpa)