Noch sind die Fußstapfen groß, vielleicht oder sogar sehr wahrscheinlich bleiben sie das für immer. Denn "für immer", diese Assoziation hat man unweigerlich, wenn man den Namen Maldini in Verbindung mit dem AC Milan hört.

Doch es ist Paolo Maldini, der bei den Lombarden als "der Ewige" gilt. Von 1984 bis 2009 hat er das Trikot der Rossoneri getragen, nie das eines anderen Vereins, hat knapp 650 Spiele mit ihnen bestritten, siebenmal den Scudetto und fünfmal die Champions League respektive den Europapokal der Landesmeister gewonnen.

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Heute ist der 53-Jährige, den man nicht einmal Senior nennen darf, weil schon sein Vater Cesare ein bekannter Name im italienischen Fußball im Generellen und in jenem Mailands im Speziellen war, Sportdirektor des Vereins. Als solcher durfte er sich am Wochenende beim 2:1-Sieg gegen Spezia über die Torpremiere seines Sohnes Daniel Maldini für Milan freuen, am Dienstag könnte dieser auch in der Champions League gegen Atletico zum Einsatz kommen, wenn auch wahrscheinlich nicht von Beginn an.

...sein Vater Paolo hat eine vielbeachtete hinter sich. 
- © afp / Isabella Bonotto

...sein Vater Paolo hat eine vielbeachtete hinter sich.

- © afp / Isabella Bonotto

Beim Auftakt-2:3 gegen Liverpool, das die Mailänder schon vor dem zweiten Spiel gegen Atletico (21 Uhr) in Gruppe B unter Druck bringt - die Spanier trennten sich am ersten Spieltag mit 0:0 vom FC Porto -, durfte er gerade einmal sieben Minuten mitwirken.

Auch in der Liga kam Maldini, der 2019 aus der vereinsinternen Nachwuchsschmiede in die Kampfmannschaft gehievt wurde, bis zu seinem Startelf-Debüt am Samstag meist noch nicht über Kurzeinsätze hinaus.

Doch Schritt für Schritt will der Junior - den man mit seinen 19 Jahren wirklich Junior nennen darf, weil er vor seinem Bruder, dem Drittliga-Kicker Christian, der jüngste Spross des ballesternden Maldini-Clans ist - seine eigenen Spuren in den italienischen Fußball setzen. In den Nachwuchsauswahlen der Azzurri hat er bereits gespielt, der Weg in den A-Kader ist weit - auch weil die Offensive des Europameisters nicht am dringendsten einer Verjüngungskur bedarf -, aber nicht unmöglich zu gehen.

Beispiele berühmter Väter Söhne, die ebenfalls für ihr Land spielen durften, gibt es mehr, als man vielleicht denken mag. Das Branchenportal transfermarkt.de listet international knapp 400 Duos auf, bei denen der Filius schließlich wie der Vater eine Nationalteam-Karriere eingeschlagen hat.

Der Name Maldini ist mit Paolo und dem 2016 verstorbenen Cesare, von 1996 bis 1998 auch Teamchef, natürlich vertreten, ebenso wie das rumänische Duo Gheorghe/Ianis Hagi (der 22-jährige Sohn des "Karpaten-Maradona" spielt bei den Glasgow Rangers), das französische Vater-Sohn-Gespann Liliam/Marcus Thuram (der 24-jährige Nachkomme des früheren Welt- und Europameisters ist bei Mönchengladbach engagiert) sowie Peter/Kasper Schmeichel.

Peter Schmeichel hält das Tor der Dänen in zweiter Generation rein. - © afp / Glyn Kirk
Peter Schmeichel hält das Tor der Dänen in zweiter Generation rein. - © afp / Glyn Kirk

Ersterer trug sich als Torhüter bei Dänemarks vom EM-Titel 1992 gekrönten Fußballmärchen unauslöschlich in die Sportannalen Skandinaviens ein, Zweiterer sorgte unter anderem bei den Titelkämpfen in diesem Jahr für Furore.

Gemeinsam haben sie exakt 200 Teamspiele auf dem Buckel - und sind damit in der ewigen Vater-Sohn-Bestenliste auf Platz zwei hinter den Südkoreanern Bum-kun Cha und Du-ri Cha (204) zu finden.

"Papa gibt mit immer viele Ratschläge."

Daniel Maldini über ein ganz normales Familienleben

Mit weitaus weniger Spielen, aber ebenfalls einer Besonderheit warten die Klinsmanns auf: Während es Papa Jürgen auf 108 internationale Einsätze als Spieler sowie auf den Teamchefposten Deutschlands gebracht hat, stand der 24-jährige Jonathan, aufgewachsen zwischen München, Italien und den USA, schon im Kader des Stars-and-Stripes-Teams. Zu einem Einsatz hat er es aber noch nicht geschafft.

In Österreichs aktueller Nationalmannschaft scheinen indessen zwei Namen auf, die schon von früher bekannt sind: Leo Lainer, Vater des derzeit verletzten Stefan, trug in den Achtziger-/Neunzigerjahren 28 Mal das ÖFB-Trikot; Herfried Sabitzer brachte es von 1992 bis 1997 auf sechs Einsätze. Sein Sohn Marcel, Legionär beim FC Bayern, hat ihn mit 54 Spielen in Rot-Weiß-Rot freilich schon längst überflügelt.

ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer hat Papa Herfried längst überflügelt. - © afp / Ronny Hartmann
ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer hat Papa Herfried längst überflügelt. - © afp / Ronny Hartmann

An solche Zahlen, geschweige denn an jene seiner schrecklich erfolgreichen Familien-Vorbilder, kann und darf Maldini, der Jüngere, noch nicht denken, will er sich nicht neben dem unvermeidlichen Erwartungsdruck zusätzliche Ablenkungen aufbürden. Regelmäßig in der Liga, wo Milan als Tabellenzweiter hinter dem SSC Napoli mit dem ersten Scudetto seit 2011 liebäugelt, in weiterer Folge in der Champions League anzuschreiben, sind die nächsten Ziele.

Unterstützung ist ihm jedenfalls gewiss. Er danke seinen Teamkollegen und Trainer Stefano Pioli, sagte er nach seinem Premierentor. Und der Papa? "Er gibt mir immer viele Ratschläge."

Wenngleich sich Paolo Maldini, der Sportdirektor, nicht allzu sehr ins Tagesgeschäft einmischen will - zumindest das wird wohl auch bei Maldini, "dem Ewigen", immer so bleiben.