Nächster Versuch, nächste Niederlage. Der FC Barcelona hat auch das zweite Gruppenspiel der laufenden Fußball-Champions-League klar verloren. Die Katalanen unterlagen am Mittwoch bei Benfica in Lissabon 0:3. Bei den Siegern musste Valentino Lazaro kurz vor der Pause mit einer Muskelverletzung vom Platz, womit er für die kommenden ÖFB-Länderspiele fraglich ist; auf der Gegenseite sah Yusuf Demir die Niederlage von der Bank aus.

Schon zum Auftakt hatte der chronisch verschuldete Großklub 0:3 gegen den FC Bayern verloren. Während die Münchner dem Auftaktsieg am Mittwoch ein 5:0 gegen Dynamo Kiew folgen ließen und die Tabelle der Gruppe E klar anführen, steht der frühere Champions-League-Sieger - zuletzt 2015 - schon vor dem Aus in der Vorrunde.

Trainer Ronald Koeman ist mehr als angeschlagen. Auch wenn der Niederländer immer wieder Geduld einmahnt und auf die prekäre finanzielle Situation hinweist, die sich unmittelbar auf die personelle und damit die sportliche auswirke - das drohende Ausscheiden aus der Königsklasse sowie Platz sechs in der Liga sind definitiv zu wenig für die Ansprüche einer Mannschaft, die vor nicht allzu langer Zeit noch die Richtung im europäischen Fußball vorgegeben hatte.

Und dass es nicht zwingend immer nur das Geld ist, das die Tore schießt, haben Mannschaften wie Sheriff Tiraspol, das nach zwei Siegen die Gruppe D anführt und zuletzt auch Real Madrid düpiert hat, in dieser noch jungen Champions-League-Saison bereits bewiesen.

Nur Siebenter beim Budget

Das Aufatmen Barcelonas nach dem jüngsten Erfolg gegen Levante war nur von kurzer Dauer, schon am Samstag wartet mit dem Gang zu Atletico Madrid die nächste schwere Aufgabe auf die Katalanen. Präsident Joan Laporta, der sich zuletzt zwar öffentlich hinter Koeman und das Team stellte, wird wohl genau zusehen - und seine Schlüsse ziehen. Vor kurzem war in spanischen Medien die Rede davon, dass Koeman nur noch eine kurze Galgenfrist bekomme, um das Ruder vielleicht doch noch herumzureißen.

Doch die Vorzeichen stehen schlecht. Denn wie drastisch Barcelona abgebaut hat, zeigt sich nicht nur daran, dass man in der Transferperiode sein Tafelsilber in Form von Lionel Messi und einigen anderen hergeben musste, sondern auch in am Dienstag von der Liga veröffentlichten Zahlen. Demnach hat Barcelona nur noch das siebenthöchste Spielerbudget aller spanischen Vereine.

Insgesamt kann Real Madrid in der laufenden Saison 2021/22 fast achtmal so viel Geld für seine Mannschaft ausgeben wie der Erzrivale FC Barcelona. Bei den Madrilenen beläuft sich die Summe, die für Neuverpflichtungen, Gehälter, Trainerteam und Akademien zur Verfügung steht, auf 740 Millionen Euro. Bei Barcelona sind es nach 347 Millionen im Vorjahr aufgrund einer dramatischen finanziellen Schieflage nur noch knapp 98 Millionen.

Ronaldo erlöst United

La Liga schreibt eigene finanzielle Richtlinien vor, die strenge Finanzkontrolle gilt seit 2013. Die Gesamtsumme, die für Investitionen in die Mannschaft zur Verfügung steht, orientiert sich an Einnahmen und Ausgaben des jeweiligen Klubs.

Barcelona war zwar in den jüngsten Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsagentur Deloitte noch immer der umsatzstärkste Fußball-Klub der Welt, doch die Schieflage infolge jahrelanger Misswirtschaft ist nicht nur zu übersehen. In diesem Jahr hatte der Mitgliederverein einen Verlust von 481 Millionen Euro bekanntgegeben, insgesamt belaufen die Verbindlichkeiten - viele davon kurzfristig - auf mehr als eine Milliarde Euro.

Zumindest sportlich lebt die Hoffnung weiter. Auch in Manchester war die Stimmung nach dem blamablen 1:2 Uniteds zum Gruppe-F-Auftakt gegen die Young Boys Bern im Keller, ehe die Red Devils am Mittwoch ein 2:1 gegen Villarreal folgen ließen. Allerdings dauerte es bis zur 95. Minute, bis die Engländer die drei Punkte in der Tasche hatten. Der Mann, der mit seinem Siegtreffer dafür sorgte, ist ein auch in Spanien alter Bekannter: Cristiano Ronaldo.

So einen Mann hat Barcelona derzeit nicht. Lionel Messi verdient sein Geld bekanntlich mittlerweile in Paris. Barcelona hat ja keines mehr.