Jahrelang mussten englische Fußballfans darauf warten, nun gab die Regierung in London grünes Licht: Ab 1. Jänner 2022 kehren die Stehplätze in Englands Stadien zurück - unter Auflagen. Die Vereine müssen sich bis 6. Oktober für das Pilotprojekt anmelden, danach dürfen aufklappbare Sitze mit Geländer in sogenannten "safe standing areas" installiert werden. Damit verschwindet das seit Mitte der 1990er geltende Stehverbot in den Arenen.

Eingeführt wurde es im Zuge der Hillsborough-Katastrophe 1989. Beim Halbfinale des FA-Cups zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest kam es zu einer Massenpanik, 96 Menschen starben. Als Auslöser galten lange Zeit Tumulte unter den Anhängern der Reds, heute geht man von einem Behördenversagen aus. Doch Hooliganismus und Gewalt prägten den englischen Fußball der 1980er und 1990er. Politik und FA sahen sich zum Handeln genötigt. Seither hat sich das Bild der englischen Liga grundlegend gewandelt. Spiele der Premier League sind nun ein sicheres Erlebnis - aber auch teuer, darunter leidet die Stimmung. Der klassische Arbeitersport Fußball verwandelte sich in England über Jahre hinweg zu einem Milliardengeschäft. Tickets ergattern überwiegend Besserverdiener.

Im Wahlkampf 2019 hatten bereits alle Parteien mit der Aufhebung des Verbotes geworben. Nun heben ausgerechnet die Tories das von Margaret Thatcher maßgeblich initiierte Stehplatzverbot auf.

Doch nicht nur auf die Wiederkehr der Stehplatztribünen dürfen sich die englischen Fans freuen. Auch das liebste Getränk aller Fußballliebhaber soll künftig ein Comeback im englischen Profifußball feiern. Nach 36 Jahren, in denen der Konsum von alkoholischen Getränken am Spielfeldrand verboten war, sollen Besucher künftig ihr Pint am Platz genießen dürfen. 1985 verbannte die britische Regierung das Bier aus Englands Stadien. Ganz abhalten ließen sich die englischen Fans jedoch ohnehin nie. Unklar definierte Regeln ermöglichten in manchen Arenen den Ausschank außerhalb der Sitzplatzbereiche, die Pubs in der Umgebung der Stadien erfreuten sich vor und nach den Spielen stets großer Beliebtheit. Die Aufhebung des "veralteten" Verbotes wurde von Fanorganisationen jahrelang gefordert.

Behörden nicht erfreut

Was die "Supporters" freuen wird, sehen andere eher kritisch. Die britische Polizei steht der Rückkehr des Alkohols eher skeptisch gegenüber. "Leider haben wir gesehen, dass Alkohol oft eine bedeutende Rolle bei gewalttätigem und ungeordnetem Verhalten beim Fußball spielt", gab Mark Roberts, Polizei-Chef für Fußball-Angelegenheiten, zu Protokoll. Für ihn sei der Vorstoß "unverantwortlich". Premier-League-Zuseher werden auf ihr kühles Blondes aber ohnehin noch warten müssen. Die Maßnahme soll zunächst in einem Pilotprojekt in der vierten und fünften Spielklasse getestet werden.