Ist der Nations-League-Titel etwas nur für EM- und WM-Sieger? Der Verdacht drängt sich auf, hat doch Europameister Portugal die erste Ausgabe des Turnierformats 2019 gewonnen - und am Sonntag nun Weltmeister Frankreich Finalgegner Spanien ein umstrittenes 2:1 abgerungen und damit auch die Nations-League-Krone erobert. Einer war besonders feierwütig: Karim Benzema, der zwischendurch mehr als fünf Jahre von der Nationalmannschaft weg war und jetzt mit den Bleus seinen ersten Titel-Triumph feiern konnte.

Tatsächlich war der Sturm-Profi von Real Madrid an diesem Sieg nicht unbeteiligt, zumal er die Finalpartie im Hexenkessel des San Siro in Mailand mit einem herrlichen Schlenzer ausgeglichen hatte. Und Benzema hat klar Lust auf mehr: "Ich bin überglücklich und sehr stolz. Wir werden es genießen, uns gut auf die WM vorbereiten und versuchen, sie zu gewinnen", sagte er am späten Sonntagabend. Dickes Lob kam von Coach Didier Deschamps: "Karim ist ein unentbehrlicher Spieler, das hat er in den letzten beiden Spielen bewiesen." Seit der zwischenzeitlich ausgemusterte Stürmer zurück ist, erzielte er alle 127 Minute ein Tor - mit seinen sechs Treffern seit Beginn der Vorbereitung auf die letztlich enttäuschend verlaufende EM in diesem Sommer kann nur Antoine Griezmann mithalten, der in diesem Zeitraum ebenfalls sechsmal getroffen hat.

Groß ist der Jubel freilich auch um Benzemas Stürmerkollege Kylian Mbappe, der in der 80. Minute den Siegestreffer für die Equipe Tricolore erzielt hatte. Glücklich postete der Matchwinner - bei der EM noch tragischer Held - auf Social Media in Großbuchstaben die Worte: "Die Geschichte wird weitergeschrieben." Es ist dies allerdings eine Geschichte, die in Spanien vollkommen anders gesehen wird. Tatsächlich war der Siegtreffer umstritten. Mbappe wurde in Abseitsposition bedient, profitierte aber davon, dass Spaniens Eric Garcia den Ball im Rutschen noch leicht berührte und so eine neue Spielsituation schuf. Die Entscheidung des Referee-Teams ist regeltechnisch gedeckt, änderte aber nichts an der Entrüstung. Die Zeitung "Marca" etwa polterte: "Sie machen den Fußball kaputt. Eine unverständliche Interpretation einer neuen und lächerlichen Abseitsregel seitens des Video-Assistenten ruiniert Spanien."

Österreichs WM-Chancen

Der EM-Sieger von 2012 muss also weiter auf seine nächste Trophäe warten. Dafür eröffnet sich mit der kommenden Weltmeisterschaft 2022 in Katar die nächste Chance. Während die Spanier als Führende der Gruppe B in der WM-Qualifikation alle Trümpfe auf ein Direkt-Ticket in der Hand haben, müssen einige, darunter auch Österreich, noch um die Teilnahme bangen. Für europäische Teams sind nur 13 Plätze reserviert, wobei 10 davon direkt an die Gruppensieger aus der WM-Qualifikation vergeben werden. Um die drei verbleibenden Plätze spielen die zehn Gruppenzweiten gemeinsam mit den beiden besten noch nicht qualifizierten Nations-League-Gruppensiegern in Play-offs.

Für Österreich heißt das, dass die Chance, über die Nations Lea-gue noch ein WM-Ticket zu ergattern, intakt ist. Dazu muss die Elf von Teamchef Franco Foda, sofern er bis dahin noch Trainer ist, im Play-off, das in drei Gruppen zu jeweils vier Teams eingeteilt sein wird und im Halbfinal- und Finalmodus entschieden wird, alles gewinnen. Eine Niederlage und man ist raus. Die Play-offs für die WM in Katar werden vom 24. bis zum 29. März 2022 gespielt. Anpfiff in dem Wüstenemirat ist am 21. November 2022, das Endspiel steigt kurz vor Weihnachten am 18. Dezember. Die Auslosung findet im April 2022 statt.(rel/apa)