Eigentlich geht es für die Dänen nicht mehr um wahnsinnig viel: Bei sieben Punkten Vorsprung auf Rang zwei und einem Torverhältnis von 26:0 sollte drei Spiele vor Schluss nichts mehr anbrennen und die WM-Fahrkarte nach Katar in trockenen Tüchern sein. Eine Finalpartie um den Gruppensieg, wie einmal von rot-weiß-roter Seite geglaubt, ist das Gastspiel am Dienstagabend (20.45 Uhr/ORF 1) in Kopenhagen gewiss nicht (mehr). Und doch wird der EM-Semifinalist die Partie weder gemütlich angehen, noch hat er etwas zu verschenken. Denn mit dem achten Sieg im achten Spiel ist die WM für die Dänen endgültig fixiert - Partystimmung im Parken inklusive. Zumal man nach WM-Gastgeber Katar und Deutschland die erst zweite qualifizierte Nation weltweit wäre. Eine gefährliche Konstellation also für die ÖFB-Truppe und ihrem Teamchef Franco Foda, für den eine Schlappe wie im Hinspiel (0:4) den sicheren Schlusspfiff bedeuten würde. Sein 44. Ländermatch könnte - trotz EM-Achtelfinaleinzug - schon das letzte werden.

Doch der Deutsche ist gewillt, den Dänen die vorbereitete WM-Party zu versauen - gelingen soll die Mitnahme von Zählbarem mit einem "mutigen und entschlossenen" Auftritt. Das (glanzlose) 2:0 am Samstag auf den Färöern soll entsprechend Vertrauen geschaffen haben.

Im Vorfeld der Partie verglich Foda die Situation mit 2019, als die Österreicher in der EM-Qualifikation drei Tage nach einem Pflichtsieg gegen Lettland (6:0) bei Fast-Gruppensieger Polen antraten und dort durchaus überraschend ein 0:0 holen konnten. "Eines unserer besten Spiele", meinte der Teamchef. Die Partie in Warschau ist das bisher einzige Pflichtspiel unter Foda gegen eine in der Weltrangliste vor Österreich klassierte Mannschaft, das nicht verloren ging. Die Dänen liegen als Zehnter im Fifa-Ranking klar vor Österreich (29.). "Jede Mannschaft hat irgendwo die eine oder andere Schwachstelle - auch Dänemark. Die Schwächen wollen wir ausnutzen", sagte Foda. "In einem Spiel ist immer alles möglich. Wir werden alles versuchen, um das Spiel zu gewinnen, das ist immer die Intention. Wir werden alles tun, um trotz der vielen Ausfälle eine gute Leistung zu bringen."

Siegeslauf nach Schock

Tatsächlich fehlten Foda bereits auf den Färöern elf Spieler, darunter einige Stammkräfte wie Marko Arnautovic, Christoph Baumgartner, Xaver Schlager, Stefan Lainer und Aleksandar Dragovic. "Es macht keinen Sinn zu jammern, wer bei uns aller fehlt", betonte Foda. "Die Mannschaft, die hier ist, hat unser Vertrauen." Dänemark ist in diesem Jahr bisher von einem Erfolg zum anderen geeilt. Selbst den Ausfall von Spielmacher Christian Eriksen haben die Skandinavier nach anfänglichem Schock gut weggesteckt. Der dramatische Vorfall mit dessen Zusammenbruch im EM-Spiel gegen Finnland habe sie vielleicht sogar noch mehr zusammengeschweißt, meinte Foda. "Aber auch wir haben einen guten Teamgeist."

Foda hob die defensive Kompaktheit der Dänen gekoppelt mit starkem Umschaltspiel hervor. "Sie spielen sehr klar und einfach strukturiert." Mitunter müsse sich das ÖFB-Team auch auf lange Bälle einstellen. "Sie versuchen relativ zügig ins letzte Drittel zu kommen und haben auch starke Individualisten, das ist alles sehr harmonisch."

"Mache mir keine Sorgen"

So wie gegen die robusten Färinger dürfte neuerlich Ercan Kara als Sturmtank beginnen. Der eigentlich nur auf Abruf nominierte Rapidler hatte bei seinem Startelf-Debüt überzeugt. Auch andere Akteure könnten sich laut Foda aufgrund der Ausfälle "in den Blickpunkt" spielen. "Jeder hat jetzt die Chance, sich zu zeigen." Um im Rennen um den zweiten Gruppenplatz zu bleiben, wird bei vier Punkten Rückstand auf Schottland (bei deutlich schlechterem Torverhältnis) aber wohl ein Sieg notwendig sein. Der Weg ins 12er-Play-off-Feld für drei Restplätze ist aber durch den Nations-League-Gruppensieg de facto schon geschafft.

Dennoch braucht es dringend Erfolge: "Es geht darum, dass wir gemeinsam versuchen, aus der Situation rauszukommen", so Foda. "Alles andere kann ich eh nicht entscheiden." Die Diskussion um seine Person blende er weiterhin aus - auch wenn Nummer 44 am Ende seine letzte Partie im Amt sein sollte. "Aber ich mache mir keine Sorgen, im Gegenteil", schloss der Teamchef.(may)