Vor nicht einmal einem Jahr, im November 2020, schlitterte der viermalige Weltmeister in Spanien in ein 0:6-Debakel. Doch damit war der Tiefpunkt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der zu Ende gehende Ära von Joachim Löw noch lange nicht erreicht. Es folgte eine historische und womöglich weit blamablere Heimschlappe gegen Nordmazedonien in der WM-Qualifikation (1:2), gefolgt von einer mehr als holprigen und weitgehenden glanzlosen (Heim-) EM, die mit dem Achtelfinal-Aus gegen England sehr früh, aber auch sehr verdient zu Ende ging.

Doch wie schnell sich in Deutschland die Dinge ändern können, zeigte schon der darauffolgende Fußball-Herbst, der das Sprichwort von den neuen Besen, die bekanntlich besser kehren können, bewahrheitete. Neo-Bundestrainer Hansi Flick brachte frischen Wind in die verstaubte Truppe und damit den schlingernden deutschen Dampfer rascher als erwartet wieder auf Kurs. Und seit Montag ist die DFB-Auswahl auch das erste qualifizierte Team für die WM-Endrunde in Katar - dank eines 4:0-Revanche-Erfolges in Skopje.

Auch wenn die überalterte und im Finish müde wirkenden Elf von Österreichs EM-Gruppengegner (3:1) kein wirklicher Gradmesser dafür war, wo die Flick-Truppe wirklich schon steht, so überwog in Nordmazedonien doch der Stolz über die Premierenfahrkarte zur WM-Endrunde. Und dort soll der Weltmeister von 2014 nach sieben mageren Jahren wieder um den Titel mitspielen (können). "Von der Qualität unserer Spieler, wenn man mal anschaut, wo sie spielen, muss man einfach sagen, haben sie auch die Qualität, gegen Italien, Spanien, Frankreich, Belgien zu bestehen. Ich bin da sehr zuversichtlich", stellte Flick unmittelbar nach dem Match fest.

Zugleich weiß der Weltrekordverdächtige Titelsammler mit dem FC Bayern (7 Trophäen in 18 Monaten), dass seine maßvoll verjüngte und im taktischen Bereich geschickt adaptierte Elf noch einiges an Entwicklungsarbeit nötig hat, nachdem die Aufbauarbeit nach den eingangs erwähnten Misserfolgen nun offenkundig als abgeschlossen betrachtet werden kann. "Wir müssen uns entwickeln bis zur WM. Wie weit wir dann sind, weiß ich nicht. Aber ich weiß auf jeden Fall, mit dieser Mentalität ist einiges machbar", meinte der Löw-Nachfolger, dessen Debüt nach fünf Siegen und einem Torverhältnis von 18:1 als bravourös gelungen bezeichnet werden darf.

Allerdings rief DFB-Direktor Oliver Bierhoff zu einer realistischen Einordnung des Geleisteten auf. "Das Ergebnis braucht man in der Gruppe auch nicht überzubewerten", sagte er angesichts der international nicht wirklich erstklassigen Gegner in Pool J. Beim 2:1 gegen Rumänien hatte sich Deutschland zuletzt zudem geplagt, auch das 2:0 gegen Liechtenstein zum Flick-Start war alles andere denn eine Glanznummer.

Dass bei der WM-Endrunde im Wüstenemirat (21. November bis 18. Dezember 2022) schon in der Vorrunde ein Kaliber wartet, dürfte fast fix sein. Da die Fifa als wesentliches Kriterium die Weltrangliste bei der Topfeinteilung heranziehen dürfte, bliebe für die DFB-Elf wohl nur ein Platz in Topf zwei. Gesetzt wären aktuell Belgien, Brasilien, England, Frankreich, Italien, Argentinien und Portugal - und Gastgeber Katar.

Oranje auf WM-Kurs

Auf Kurs Richtung Wüste befinden sich auch die Niederländer in Gruppe G: Nach dem 6:0 über Gibraltar führt der WM-Dritte von 2014 den Pool mit zwei Zählern und dem deutlich besseren Torverhältnis vor den Norwegern an. Gewinnen die Oranje auch die nächste Partie in Montenegro, benötigen die Norsker - am Montag ohne Erling Haaland 2:0-Sieger gegen die Montenegriner - am letzten Spieltag schon einen Auswärtserfolg in Rotterdam, um das Direkt-Ticket lösen zu können; für die Türken geht es indes wohl nur noch um Rang zwei und einen Platz im März-Play-off.