Franco Foda hat tatsächlich recht behalten. Nach der Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen, die seiner Truppe Dänemark, Schottland, Israel, Färöer und Moldawien beschert hatte, meinte der Teamchef: "In der Gruppe ist alles möglich." Gemeint war aber vielmehr: Für Österreich ist endlich auch wieder Platz eins und damit das Direktticket für Katar 2022 möglich. Gekommen ist es bekanntlich ganz anders, nach der 0:1-Niederlage am Dienstag in Kopenhagen sind nicht nur der Gruppensieg und das Minimalziel Rang zwei perdu, sondern es droht vielmehr am Ende der vierte Tabellenplatz. Ein Desaster. Normalerweise überlebt derlei kein Teamchef der Welt - dennoch sitzt der 55-jährige Deutsche sogar fester im Sattel als vor der Dänemark-Pleite.

Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich nämlich rasch auflösen: Der Vertrag von Foda läuft so lange, solange sich Österreich im WM-Rennen befindet. Nach Ende der Gruppenphase (am 12. November gastiert Israel, am 15. November Moldawien in Klagenfurt) folgt Ende März 2022 das Play-off um drei Restplätze für Katar, wo am 21. November dann das Wüsten-Turnier angepfiffen wird. Ob die ÖFB-Elf nun an diesem Play-off partizipieren darf, entscheidet sich womöglich schon am nächsten Spieltag.

Teilnehmer dieses Zwölfer-Feldes sind die zehn Gruppenzweiten der Qualifikationsphase (das hat Österreich ja verpasst) und die zwei besten Nations-League-Gruppensieger aus dem Vorjahr. In dieser Gesamttabelle rangiert die ÖFB-Auswahl an sechster Stelle hinter Belgien, Italien, Spanien, Frankreich und Wales. Wenn vier dieser fünf in ihren Gruppen Erster oder Zweiter werden, ist Österreich im Play-off mit dabei - und dafür sieht es recht gut aus.

Belgien und Europameister Italien haben das schon jetzt geschafft, Weltmeister Frankreich dank der klar besseren Tordifferenz de facto auch schon. Hängt also alles an Nations-League-Finalist Spanien: Die Iberer müssten schon in Griechenland und anschließend daheim gegen Schweden verlieren, um den Play-off-Jokerplatz ziehen zu müssen. Denn auf Wales sollten sich Foda und Co. besser nicht verlassen, rangieren doch die Drachen aktuell - punktegleich mit Tschechien - nur auf Rang drei und empfangen am Ende noch die Belgier.

Auswärtspartie im Play-off

So oder so wird der Weg für David Alaba und Co. nach Katar noch hart: Denn im Play-off-Halbfinale (24. März) wartet ein gesetztes Team (die sechs besten Zweiten der Qualifikationsphase) und jedenfalls ein Auswärtsmatch; wird diese Hürde genommen, wird das Heimrecht in den drei Finalpartien (29. März) gelost. Immerhin werden dort die ganz großen Kaliber nicht warten, weil sich diese die Direkttickets sichern dürften. Mannschaften wie Schweiz, Serbien, Norwegen, Tschechien, Rumänien, Ukraine sind an guten Tagen schlagbar. Oder wie Foda unmittelbar nach dem Dänemark-Match meinte: "Nächstes Jahr im März sieht die Situation dann viel, viel besser aus, da haben wir alle Mann an Bord. Und dann bin ich überzeugt, dass wir uns auch für die WM qualifizieren." Im Falle einer erfolgreichen Qualifikation verlängert sich Fodas Vertrag übrigens bis nach der Endrunde.

Tatsächlich hat der am Sonntag inthronisierte neue ÖFB-Präsident Gerhard Milletich wenig Grund, Foda jetzt abzuschießen. Einzig eine hohe Niederlage in Kopenhagen, bei der das Team eine Art Arbeitsverweigerung an den Tag gelegt hätte, würde ein Eingreifen rechtfertigen. Den Teamchef, der bisher alle seine Ziele erreicht hat (Nations-League-Gruppensieg, EM-Qualifikation, Achtelfinaleinzug), ohne Not abzusägen, würde auch Milletich schwer schaden - wenn nämlich ein Nachfolger dann die WM verpassen würde. Noch dazu müsste erst ein allseits anerkannter neuer Teamchef gefunden werden, idealerweise noch vor dem Israel-Match.

Zwar ist der ersehnte Befreiungsschlag gegen die weiterhin makel- und gegentorlosen Dänen nicht gelungen, zumindest defensiv war die Darbietung im Hexenkessel des Parken-Stadions ein Quantensprung im Vergleich zum 2:5-Debakel in Israel. Dass die Offensive in der ersten Hälfte wenig, in der zweiten Hälfte dann gar nichts mehr zusammenbrachte, ist zu einem Gutteil auch der angespannten Personalsituation zu verdanken. Zwar hat es Foda in seiner Ära geschafft, den Kader quanti- und qualitativ zu verstärken, wenn aber zwei Drittel des Stammpersonals fehlen, darf sich niemand wundern, wenn offensiv gegen den EM-Semifinalisten, der zudem auf Wolke sieben schwebt, so gar nichts geht. "Da ist es ganz klar, dass nicht alles perfekt funktioniert", resümierte Foda. Zudem machte der Gegner nach dem Goldtor durch Joakim Maehle (53.) hinten die Reihen dicht, um das WM-Ticket endgültig unter Dach und Fach zu bringen.

"Team in Spur bringen"

Foda, der laut eigenem Bekunden mit Milletich schon "ein gutes Gespräch" hatte, bereitet sich bereits auf das Israel-Match vor, wo mit einem hohen Sieg noch Rang drei erobert werden könnte. "Ich werde bis zum letzten Tag hier alles geben, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen", verkündete er. Nachsatz: "Für alles andere bin ich, denke ich, der falsche Ansprechpartner." Letztlich entscheiden also andere das Schicksal des Mainzers auf dem rot-weiß-roten Trainersessel - weniger die eigenen Spieler, als vielmehr jene Spaniens oder Wales’. Denn ohne Play-off-Teilnahme endet Fodas Vertrag automatisch nach dem Moldawien-Match. Und der neue ÖFB-Boss kann in Ruhe einen Neuanfang einleiten.