Es war mehr als ein Sturm im Wasserglas, als europäische Fußball-Großklubs im April in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihre Pläne von einer Superliga verkündeten. Soviel war schon bald klar, auch wenn sich die ersten Wogen der Entrüstung nach dem ebenso schnellen Rückzieher der meisten Klubs dann kurzfristig gelegt haben. Doch nun blasen die Befürworter - allen voran Real Madrid, der FC Barcelona und Juventus - erneut zum Angriff. Es ist ein Angriff auf die neben dem Internationalen Olympischen Komitee letzten Monpolistenbastionen des internationalen Sports, die Uefa und die Fifa.

Denn der Europäische Gerichtshof soll nun klären, inwieweit diese Monopolstellung mit geltendem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Erst kürzlich musste der Europa-Verband seine Sanktionsdrohung gegen abspaltungswillige Klubs auf juristischen Druck aus Spanien hin offiziell aufgeben. Man werde aber weiterhin alle Vorstöße in Richtung einer neuen Eliteliga, die nicht unter ihrem Dach ausgetragen werden soll, bekämpfen, hieß es damals. Die bisherigen und künftigen Reformen der Champions League, die die Topklubs begünstigt (auch wenn zum Ausgleich auch mehr Bewerbe für kleinere Nationen geschaffen wurden), durften als Zugeständnisse gewertet werden, um die Klubs zu befrieden. Aktuell vergibt man die Vermarktungsrechte für den Zyklus ab 2024 neu, in dem dann mehr Spiele und damit noch höhere Einnahmen als bisher garantiert sind.


Links

Entwicklungen und Hintergründe zu den Superliga-Plänen finden Sie hier.

wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Geschlossene Liga abgesagt?

Doch den Betreibern der Super League reicht das nicht. Als nächsten Schritt haben sie EU-Abgeordneten und der -Kommission nun ein Konzeptpapier vorgelegt, in dem sie ihrerseits einige der ursprünglichen Kritikpunkte abzuschwächen versuchen - gleichzeitig aber ihre Kritik am bisherigen System verschärfen. Man verpflichte sich dazu, "dass das Format der vorgeschlagenen europäischen Super League das Konzept der ständigen Mitglieder abschafft und den europäischen Vereinen offen steht", hieß es in dem Schriftstück, aus dem die "Wirtschaftswoche" am Freitag zitierte.

Zuckerl für Fans

Denkbar wären demzufolge eine Super League mit 20 Teams sowie eine zweite Liga mit weiteren 20 Teams. Damit sollte das Schreckgespenst einer "geschlossenen Liga" nun vorerst vertrieben und die Uefa unter Zugzwang sein, will sie nicht einen langen juristischen Streit mit ungewissem Ausgang riskieren. Dazu kommt, dass die Super-League-Proponenten versuchen, die zunächst aufgebrachten Fans auf ihre Seite zu ziehen. So sollen Zuschauer Zuschüsse für Auswärtsreisen bekommen. Beim Finale sollen 70 Prozent der Sitze für die Fans der Finalisten reserviert und die Ticketpreise gedeckelt sein.

Die aktuelle Champions League erachtet man jedenfalls als nicht zukunftsfähig. "Es fehlt an Spielen von höchster Qualität, die beliebtesten Teams und Spieler stehen sich nicht regelmäßig genug gegenüber, die besten Spiele finden erst spät in der Saison statt", heißt es in dem Schreiben, hinter dem - angeblich - auch einige Vereine stehen, die sich noch nicht öffentlich deklariert haben "Wir sehen Interesse von Klubs, mit uns zusammenzuarbeiten, so wie der EuGH die Rechtsgrundlage geklärt hat." Hoffnung machen den Befürwortern Entscheidungen des EuGH in ähnlich gelagerten Fällen. Nur an der Bastion Uefa wurde bisher noch nicht gerüttelt. Durch den nunmehrigen Sturm könnte sich das aber durchaus ändern.