Punktelos am Tabellenende: Selten zuvor sind die heimischen Vertreter derart schlecht in die Gruppenphase der Europa League gestartet wie Sturm und Rapid in diesem Herbst. Schaffen der aktuelle Bundesliga-Zweite und der Vizemeister der Vorsaison nicht bald den Umschwung, droht die Europacup-Saison vorzeitig zu Ende zu gehen - das, obwohl heuer erstmals auch der Europa-League-Gruppendritte überwintern darf. Für diesen geht es im Februar im Sechzehntelfinale der neuen Conference League weiter. Ausreichend Motivation also für beide Vereine, heute vor Heimpublikum endlich anzuschreiben.

  • Sturm vs. Sociedad: 0:1 in Monaco, 1:4 in Graz gegen PSV Eindhoven - die bisherigen Leistungen der Grazer, die national auf der Erfolgswelle surfen, lassen schwer zu wünschen übrig; auch wenn die Gruppe B Champions-League-würdige Konkurrenz beschert hat. Die vermeintlich stärkste Mannschaft kommt aber erst, denn mit Real Sociedad gastiert am Donnerstag (21 Uhr/Servus-TV) kein Geringerer als der aktuelle spanische Tabellenführer in der Merkur-Arena. "Wir sind krasser Außenseiter, es wird eine Megaaufgabe", meinte Sturm-Coach Christian Ilzer. Er hofft aber auf ein Geburtstagspräsent.

44 Jahre wird Ilzer nämlich am Donnerstag, für einen schön verpackten Punktgewinn bräuchte es aber einer Sonderleistung - auch wenn die Gäste aus dem baskischen San Sebastian Kapitän Mikel Oyarzabal, seines Zeichens 21-facher spanischen Teamstürmer, nach einem Faserriss im hinteren Oberschenkel vorgeben müssen. Aber auch den Steirern steht der Kopf der Mannschaft nicht zur Verfügung: Stefan Hierländer muss mit einer Knieblessur passen, wird am Wochenende im nächsten Schlager gegen Salzburg aber wohl wieder zur Verfügung stehen.

Immerhin kann Sturm wie schon beim 1:4 gegen Eindhoven im zweiten Gruppenspiel mit rund 15.000 Zuschauern rechnen, Ilzer hofft nicht zuletzt auf den Effekt von den Rängen. "Wir haben gegen PSV nach dem Anschlusstor erlebt, was Zuschauer bewirken können. Da hat nur der Ausgleichstreffer gefehlt, dann hätte das Spiel vielleicht einen anderen Verlauf genommen."

Ilzer verbucht die Teilnahme an der edel ausstaffierten Gruppe trotz einer gegen null tendierenden Europa-League-Aufstiegschance als Gewinn. "Im Rückblick waren die Partien in Monaco und gegen Eindhoven ein super Los. Das ist eine große Chance für uns, uns mit den Allerbesten zu messen."

Der La-Liga-Leader kommt mit prominenten Namen in die grüne Mark - wie Mittelfeldmann Mikel Merino, Schwedens Teamstürmer Alexander Isak, dem zumindest wieder für den Kader fitten Routinier David Silva oder Adnan Januzaj. "Sie haben eine sehr kompakte Mannschaft, die in der Liga sehr wenige Gegentore (7, Anm.) kassiert hat. Ich habe aber Ideen, wie man eine solche Mannschaft vor Probleme stellen kann", sagte Ilzer. "Wir müssen aber in allen Bereich an die Grenzen gehen und nicht nur 25 Minuten lang. Ein Spiel von uns auf höchstem Level ist gefragt." Die Basken schweben auf Wolke sieben, sind sie doch seit zehn Pflichtspielen en suite ungeschlagen.

  • Rapid vs. Zagreb: Die Hütteldorfer stehen vor dem dritten Gruppe-H-Spiel (18.45 Uhr/ORF 1) im Allianz-Stadion gegen Dinamo Zagreb schon mit dem Rücken zur Wand. Wollen die Grün-Weißen im Kampf um den Aufstieg oder Umstieg noch mitreden, muss als Außenseiter im Duell zweier Rekordmeister Zählbares her. "Wir können die Tabelle lesen. Wenn wir in der Gruppe dabeibleiben wollen, müssen wir einen Dreier einfahren", sagte Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer.

Beide Teams holten bei der Generalprobe in der Liga ein Unentschieden. Während jenes von Zagreb gegen Rijeka (3:3) aufgrund eines wettgemachten 0:3-Pausenrückstands als Erfolg einzuordnen ist, gaben die Wiener beim 1:1 bei Austria Klagenfurt trotz Überzahl spät noch eine Führung aus der Hand und verabsäumten es, erstmals in dieser Ligasaison zweimal in Folge zu gewinnen. "Ich kann mich gar nicht erinnern, was am Wochenende war, ich lebe nicht in der Vergangenheit, wir haben die Dinge aufgearbeitet", gab Kühbauer süffisant zu Protokoll.

Laut Mittelfeldspieler Robert Ljubicic seien alle Akteure nach der Partie "haß" gewesen und hätten nach Lösungen gesucht. "Jetzt ist das Spiel aber abgehakt", betonte der 22-Jährige. Er hat im Nachwuchs sowohl für das Nationalteam von Kroatien (U20) als auch Österreich (U21) Erfahrungen gesammelt. "Es ist sicher ein besonderes Spiel für mich", betonte der Mittelfeldakteur. Sein Respekt vor dem 22-fachen kroatischen Champion ist groß. "Sie haben viel Qualität und sind mental sehr stark."

Doch die in der Europa League auswärts sieben Partien unbesiegten Kroaten können nicht aus dem Vollen schöpfen: Kapitän Arijan Ademi fehlt wegen einer Knöchelverletzung. Zudem ist der Einsatz von Mislav Orsic und Top-Torschütze Bruno Petkovic fraglich. Dinamo-Trainer Damir Krznar hat dennoch drei Punkte im Visier: "Wir nehmen den Gegner sehr ernst. Es wartet ein harter Kampf auf uns."(may/apa)