Es ist das Duell Erster gegen Zweiter, das Spiel zwischen Gejagtem und Jäger. Doch die Ausgangslage so klar wie selten in solchen Fällen. Zum einen, weil Meister Red Bull Salzburg ohnehin seit Jahren österreichweit in einer eigenen Liga spielt und drauf und dran ist, sich auch international in der (erweiterten) Spitze breitzumachen; zum anderen, weil dem Jäger langsam die Munition auszugehen droht.

Vor dem Gastspiel in Wals-Siezenheim zum Abschluss der zwölften Runde in der heimischen Admiral-Bundesliga am Sonntag (17 Uhr) stecken Sturm Graz die physischen und mentalen Strapazen der vergangenen Wochen - zuletzt jene der unglücklichen, aber nicht unverdienten 0:1-Heimniederlage gegen den spanischen Tabellenführer Real Sociedad in der Europa League - bereits spürbar in den Knochen. "Wir haben in dieses Spiel extrem viel investiert und stehen jetzt mit leeren Händen da", meinte Trainer Christian Ilzer, dem ein Geburtstagsgeschenk in Folge des ersten Punktes in der Europa League verwehrt blieb.

Dabei hat nicht viel gefehlt, und Sturm wäre dies gelungen, genau gesagt einige Millimeter. Denn dass das Gegentor durch Topstürmer Alexander Isak ausgerechnet nach einem Fehler des ansonsten stets sicheren Rückhalts Jörg Siebenhandls zustandekam, machte die Niederlage doppelt bitter, wie auch der Goalie bekannte. "Dass Fehler passieren, kommt vor, aber der tut doppelt und dreifach weh, weil wir so gut unterwegs waren."

Lange Zeit zu hadern bleibt den Grazern aber nicht. Will man nicht vollständig den Anschluss an den bereits mit acht Punkten Vorsprung enteilten Meister, der zudem nach dem Sieg gegen Wolfsburg in der Champions League auf der Euphoriewelle Richtung Königsklassen-Achtelfinale reitet, verlieren, bedarf es einer außergewöhnlichen Leistung - und das mit niedrigem Personalstand.

Am Donnerstag verletzten sich Alexander Prass und Jusuf Gazibegovic (beide Muskel), weshalb der noch nicht vollständig von einer Knieblessur genesene Stefan Hierländer rund 60 Spielminuten absolvieren musste. Unabhängig davon stehen Otar Kiteishvili und Sandro Ingolitsch nicht zur Verfügung. "Die Verletzungen nehmen uns die Möglichkeit, zu rotieren. Das kostet Substanz", sagte Ilzer.

Austria mit finanziellen Nöten

Sein Ex-Klub Austria Wien hat indessen vor dem Spiel am Samstag gegen Ried noch andere als die sportlichen Sorgen ob des achten Tabellenrangs. Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, konnte der Jahresabschluss nicht fristgerecht bei der Bundesliga eingereicht werden. Die Klubspitze betonte gleichzeitig, zuversichtlich zu sein, den dringend nötigen Investor zu finden.

Vorstand Gerhard Krisch berichtete von einem strukturierten Prozess zur Evaluierung von potenziellen Investoren. Dieser hätte "zwei sehr interessierte Investoren hervorgebracht, die im Rahmen der lizenzrechtlichen Möglichkeiten einsteigen wollen", erklärte der Vorstand in einer Aussendung. Die Ausgestaltung der Verträge stehe jedoch noch aus.

Ohne rechtliche verbindende Transaktionsdokumente sah sich der vom Klub beauftragte Wirtschaftsprüfer demnach nicht in der Lage, den Jahresabschluss abzusegnen. Damit fehlt der Austria auch eine positive Fortbestandsprognose. Klar ist geworden, dass die schwer verschuldete Austria zusätzliche Gelder benötigt, damit ihr Überleben über die kommenden Monate hinaus gesichert ist.

Ein Einstieg der Insignia-Gruppe entpuppte sich als Luftschloss, die vom Lifestyle-Unternehmen zugesagten sieben Millionen Euro über eine Marketing-Gesellschaft blieben aus. Bei der Bundesliga wartet man vorerst ab. Der Senat 5 wird den Fristverzug behandeln, dies werde aber erst im Rahmen des Hauptlizenzierungsverfahrens im Frühjahr 2022 passieren, hieß es auf Anfrage. Die laufende Saison sei grundlegend ausfinanziert - doch auch dafür hatte man die Lizenz erst im zweiten Anlauf bekommen. (art/apa)