Red Bull Salzburg tritt in der Fußball-Bundesliga so dominant wie nie zuvor auf. 34 Punkte nach zwölf Runden hat in der Liga bisher noch niemand geschafft. Im Duell mit dem härtesten Verfolger Sturm Graz gab es am Sonntag statt einer Zitterpartie eine Machtdemonstration des Serienmeisters samt 4:1-Erfolg zu sehen. Zum Meistertitel gratulieren lassen will man sich im Lager des elf Punkte enteilten Spitzenreiters aber 20 Runden vor Schluss noch nicht.

"Ich schaue schon auf die Tabelle, kann sie auch lesen, aber Richtung Meisterschaft werdet ihr nichts anderes von mir hören, dafür ist die Saison zu jung", betonte Salzburg-Trainer Matthias Jaissle. Zudem sei die Punkteteilung nach 22 Runden nicht außer Acht zu lassen. "Es geht so schnell im Fußball. Wir marschieren zwar vorne weg, und bei vielen anderen Mannschaften läuft es derzeit nicht so rund, aber mit Sturm ist ein Team da, das stark dagegenhält, das haben sie auch heute gezeigt", analysierte der 33-Jährige.

Seine Bilanz ist beeindruckend, in 19 Pflichtspielen gab es nur bei den 1:1 in der Champions League beim FC Sevilla sowie zuletzt in der Liga in Altach (1:1) keinen Sieg. Der im Sommer noch für seine Trainerentscheidung hinterfragte Christoph Freund hat bei der Nachfolgesuche für Jesse Marsch wieder den richtigen Riecher gehabt. "Er ist ein extrem interessanter Trainer, von dem wir in den nächsten Jahren noch sehr viel hören werden im internationalen Fußball", war sich Salzburgs Sportchef im Sky-Interview sicher.

Freunds Kampfansage

Bei ihm schwingt auch Genugtuung mit. "Viele haben gesagt, dass der Anfang mit der jungen Mannschaft und Trainer schwierig wird. Jetzt starten wir so rein wie noch nie, deswegen ist das eine coole Geschichte." Der Unterschied zu vergangenen Saisonen liege darin, dass man wenig Gegentore kassiere, aktuell sind es in der Meisterschaft erst sieben. Für die Konkurrenz hat Freund keine rosigen Aussichten. "Wir wissen, wie jung die Mannschaft ist. Ich bin überzeugt, dass wir noch besser werden."

Dazu zählt Karim Adeyemi, der seine Ausbeute mit seinem Doppelpack auf 14 Treffer in 18 Pflichtspielen erhöhte. Zehnmal war er in der Liga erfolgreich, womit er da die Nummer eins ist. "Mit dem Spiel und dem Ergebnis können wir zufrieden sein, wir haben als Team super agiert und die Leistung vom Mittwoch bestätigt", sagte der 19-Jährige. Am Mittwoch hatte man mit dem VfL Wolfsburg auch einen internationalen Topgegner in der Königsklasse auf die Abschussliste gesetzt. Von einem Leistungsabfall war vier Tage später im "Tagesgeschäft" nichts zu sehen. "Wie man sieht, wollen wir immer mehr", betonte Adeyemi.

Das sorgt auch international für Aufsehen und weckt Begehrlichkeiten. Wild wird spekuliert, bei welchem Topverein der Neo-DFB-Teamstürmer landen könnte. Einen Abgang schon im Winter schloss Freund aber fast aus: "Ich kann mir nicht vorstellen, welches Szenario eintreten sollte, dass er die Saison nicht bei uns fertig spielt."

Besonders gut harmoniert Adeyemi momentan mit Noah Okafor, der endlich aufgeblüht ist. "Noah ist in einer super Form, wir verstehen uns hervorragend", so Adeyemi. Der Schweizer hält nach seinen zwei Assists bei acht Toren und fünf Vorlagen in 17 Pflichtspielen. "Ich hatte es hier nicht immer einfach, habe mich aber nie runterziehen lassen. Jetzt fühle ich mich topfit und der ganze Verein steht hinter mir. So kann es weitergehen", gab Okafor zu Protokoll. Die nächste Chance zu glänzen bietet sich am Mittwoch im Cup-Achtelfinale bei Zweitligist St. Pölten. "Wir sind extrem gut drauf und wollen diese Leistung auch weiterhin konstant abrufen", sagte Jaissle.

"Keine leichte Phase" für Sturm

Sturm hat demgegenüber schon bessere Zeiten gesehen und kämpft auch mit personellen Problemen. Die Situation wurde am Sonntag noch schlechter, da bei Kapitän Stefan Hierländer beim Aufwärmen der Meniskus zwickte, was einen Einsatz unmöglich machte. "Salzburg spielt noch geradliniger und noch viel schneller in die Spitze als letzte Saison. Unsere Mannschaftsleistung war ganz einfach nicht geschlossen genug, und wir haben viel zu viele Fehler gemacht", sagte Trainer Christian Ilzer.

Einer dieser Fehler unterlief Goalie Jörg Siebenhandl, der schon beim 0:1 in der Europa League gegen Real Sociedad am Donnerstag gepatzt hatte, und sich diesmal das 1:3 quasi selbst machte. "Jörg hat uns schon so viel gerettet. Im Fußball gibt es immer wieder solche Phasen, er als Person ist gefestigt, als Mannschaft sind wir für ihn zu 100 Prozent da", betonte Ilzer.

Nicht leugnen kann er den Abwärtstrend seiner Truppe, die vier der jüngsten fünf Pflichtspiele - darunter zweimal in der Europa League - verlor. "Es ist insgesamt für uns keine einfache Phase, aber wir werden gestärkt da rauskommen", war sich Ilzer sicher. Schon am Mittwoch wartet im Cup-Achtelfinale daheim Liga-Konkurrent Ried, der erst in Runde elf mit 1:0 bezwungen wurde.

Kühbauer "schön langsam müde"

Ein interessantes Bild bietet die Tabelle auch am anderen Ende: der LASK als Schlusslicht, Rapid nur auf Platz zehn. Die Linzer kassierten am Sonntag gegen Altach ein Heim-0:1 und haderten zum wiederholten Mal mit offensiver Ineffizienz. Rapid verschenkte beim 1:1 in Hartberg zum zweiten Mal hintereinander den Sieg in der Schlussphase. Beiden Teams aber fehlt in der extrem engen Tabelle nicht viel auf das vordere Drittel: Rapid liegt zwei, der LASK fünf Punkte hinter Platz vier.

"Wir stehen nicht dort, wo wir stehen können", ächzte LASK-Coach Andreas Wieland nach einer eigentlich dominanten Vorstellung seiner Elf, die ihre Chancen aber nicht nutzte. "Wir hätten in Führung gehen müssen", befand auch Rene Renner, der diesmal in einer - für den LASK ungewohnten - Vierkette auflief. Wieland argumentierte den Wechsel von 3-4-3 auf 4-2-3-1 mit einer gewissen "Konteranfälligkeit" und der darauf abstellenden Taktik des Gegners. Wir haben in den ersten 60 Minuten bewiesen, dass wir mehr Konterabsicherung hatten", befand Wieland und verwies darauf, dass das 0:1 aus einem Outeinwurf resultierte.

Nicht viel besser als dem LASK ergeht es Rapid. Drei Tage nach dem Europa-League-Erfolg gegen Dinamo Zagreb kassierten die Hütteldorfer in Hartberg in der 97. Minute den Ausgleich zum 1:1. Bereits eine Woche zuvor wurde bei Austria Klagenfurt in der Schlussphase eine Führung verspielt, weshalb man in dieser Meisterschaftssaison weiterhin auf den ersten Auswärtssieg warten muss.

Trainer Dietmar Kühbauer trauerte im Sky-Interview wieder einmal zwei verlorenen Punkten nach. "Schön langsam werde ich müde. Wir hätten die Partie in der ersten Hälfte vorzeitig entscheiden müssen mit einem zweiten Tor." Dann folgte jedoch ein Rückfall und schließlich der bittere Gegentreffer. "Wir haben zum Schluss leider wieder nicht gut verteidigt, da müssen wir schon cleverer sein." (apa/red)