Krisenklub, das war gestern. Zumindest auf sportlicher Ebene läuft es für die Wiener Austria wieder, wiewohl die stark verschuldeten Favoritner mit der Sponsorsuche wieder von Neuem begonnen haben. Die Violetten entwicklen nach einem (wohl auch für sie selber) überraschend starken Herbst sogar schon Frühlingsgefühle und spekulieren mit einem Platz im Meister-Play-off respektive einer Überraschung gegen Dauermeister Salzburg, der am Samstag (17 Uhr) in der Generali-Arena gastiert. Man darf durchaus sagen, zum Spitzenspiel der Runde, zumal der Fünfte den Ersten fordert. "Wir sind zu Hause ungeschlagen und hoffen, dass wir das auch am Samstag noch bleiben", formulierte es Coach Manfred Schmid, der zudem festhält: "Wir sind in dieser Verlosung um die ersten sechs Plätze dabei."

Für die Salzburger ist es das vierte Auswärtsspiel in Serie - das erste nach der ersten Saisonniederlage am Dienstag in der Champions League. Zudem darf Trainer Matthias Jaissle nach einem positiven Corona-Test nicht mit nach Wien.

Dass die Doppelbelastung respektive die erste Pleite die Bullen-Truppe schwächen könnte, glaubt Schmid freilich nicht: "Ich rechne keinesfalls mit einem angeschlagenen Gegner. Der Kader ist riesig, sie können auf jeder Position wechseln, ohne dass ein Leistungsabfall vorhanden ist", betonte er. Und er macht seine Elf heiß: "Ich erhoffe mir ein Topspiel meiner Mannschaft. Ich glaube, es ist für unsere Truppe eine wunderbare Aufgabe, gegen eine Champions-League-Mannschaft zu spielen. Jeder kann sich gegen die Besten in der Liga zeigen."

Bei der Austria ist man insgesamt zufrieden, dass nach dem Abgang etlicher Leistungsträger der Umbruch so gut vollzogen werden konnte. "Die Mischung aus Jung und Alt funktioniert bei uns sehr, sehr gut. Punktemäßig sind wir, denke ich, ganz okay dabei. Es kann gern so bleiben, soll auch übers Wochenende hinaus so bleiben", erklärte Sportdirektor Manuel Ortlechner. Allerdings täuscht die Tabelle etwas: Denn vom Tabellenletzten LASK trennen die Austrianer nur sechs Punkte. Auch auf die Statistik soll man besser nicht schauen: Salzburg ist seit neun Bundesliga-Partien gegen die Austria ungeschlagen, nur ein einziges der vergangenen 24 Duelle ging verloren. Dennoch erwartet der Salzburger Brenden Aaronson eine enge Partie - wie beim 1:0 im Hinspiel: "Dass es gegen sie schwierig ist, haben wir ja schon in der ersten Begegnung in Salzburg gesehen."

Für die anderen international agierenden Klubs warten am Sonntag teils unangenehme Aufgaben: Rapid, 1:3-Verlierer in Zagreb, muss zum WAC, der momentan in Hochform spielt; auf Sturm, das gegen Real Sociedad ein heroisches 1:1 erkämpft hat, wartet im Ländle Altach; und der LASK, der nach dem 2:0 über Alashkert in der Conference League schon den Aufstieg geschafft hat, möchte mit einem Heimsieg über WSG Tirol die rote Laterne vor der Länderspielpause abgeben.

Foda bringt frischen Wind

Apropos: ÖFB-Teamchef Franco Foda berief für die beiden abschließenden WM-Qualifikationsmatches zwei Salzburg-Youngsters ein: Mittelfeldmann Nicolas Seiwald und Stürmer Junior Adamu stehen im 25-Mann-Kader für die Spiele gegen Israel (12. November) und Moldawien (15. November). Während Florian Kainz und Michael Gregoritsch diesmal zuschauen müssen, ist Bologna-Legionär Marko Arnautovic wieder mit dabei.