Es klingt paradox: Österreichs Fußball-Nationalmannschaft kann am Donnerstagabend ein wesentliches Ziel schaffen - nämlich die Teilnahme am WM-Play-off um drei europäische Restplätze für Katar 2022 - und dennoch werden weder Sektkorken knallen, noch Freudensprünge getan werden. Schließlich würde dieses Etappenziel nicht auf unmittelbar eigener Leistung fußen, sondern auf Schützenhilfe anderer; zudem ist seit dem EM-Achtelfinale in London jedem einzelnen Akteur mittlerweile die Feierlaune vergangen, und es droht bei der nächsten Misere nicht nur das nächste mediale Donnerwetter, sondern auch das Ende der Teamchef-Ära Franco Foda. Am Freitag (20.45 Uhr/ORF1) muss in Klagenfurt gegen Israel ein Sieg her, sonst wird wer anderer die ÖFB-Auswahl zur finalen WM-Chance führen - daran hat zumindest Neo-ÖFB-Präsident Gerhard Milletich zuletzt keinen Zweifel gelassen.

Im Fokus der am Wörthersee einkasernierten ÖFB-Teamkicker steht dabei die Gruppe-B-Partie zwischen Griechenland und Spanien: Bei einem Punktgewinn der Iberer in Athen sind die ersten beiden Gruppenplätze fix an Schweden und Spanien vergeben, womit dann Österreich den Play-off-Platz als Nations-League-Gruppensieger des Vorjahres ziehen darf.

Teilnehmer dieses Zwölfer-Feldes im März im K.o.-Modus sind die zehn Gruppenzweiten der Qualifikationsphase (das hat Österreich ja verpasst) und die zwei besten Nations-League-Gruppensieger aus dem Vorjahr. In dieser Gesamttabelle rangiert die ÖFB-Auswahl an sechster Stelle hinter Belgien, Italien, Spanien, Frankreich und Wales. Wenn vier dieser fünf in ihren Gruppen Erster oder Zweiter werden, ist Österreich im Play-off mit dabei.

Belgien und Europameister Italien haben dies schon fix geschafft, Weltmeister Frankreich dank der klar besseren Tordifferenz de facto auch schon. Dass die Spanier den Österreichern den Platz wegnehmen, ist zwar unrealistisch, aber nicht unmöglich: Bei zwei Niederlagen (am letzten Spieltag warten daheim noch die Schweden) müsste der Weltmeister von 2010 wohl den Jokerplatz ziehen. Und auch Wales könnte der Foda-Elf diesen abspenstig machen, zumal die Waliser in Gruppe E aktuell nur Dritte sind - punktegleich mit Tschechien - und am Ende noch Weltranglisten-Primus Belgien empfangen.

Die Spanier wollen jedenfalls beim Europameister von 2004 nichts anbrennen lassen, zumal es für sie ja vorrangig um den Gruppensieg und damit das Direkt-Ticket geht. "Um ehrlich zu sein, spüre ich den Druck. Mehr noch als im Nations-League-Finalturnier. Es geht immerhin um die WM-Teilnahme", meint der sonst recht coole Teamchef Luis Enrique. Mit Dani Carvajal nominierte Enrique erstmals seit März wieder einen Profi von Real Madrid. Im ersten Duell mit den Griechen holten die Iberer nur ein 1:1.

Konkurrent Schweden möchte in Georgien ebenfalls drei Punkte einfahren, dann würde am Sonntag in Spanien ein Remis zum Gruppensieg reichen - übrigens wieder mit Altstar Zlatan Ibrahimovic. Der 40-Jährige zeigte sich selbstbewusst wie immer, stellte aber keine Ansprüche. "Jeder will spielen. Aber ich bin als Mitglied der Mannschaft hier."

Ein echtes Finale um die WM-Teilnahme gibt es bereits am Freitag in Gruppe C, wo der regierende Europameister im Stadio Olimpico von Rom die Schweiz zu Gast hat. Nach sechs Spielen halten beide Mannschaften bei 14 Zählern. In der laut Fifa-Regeln ausschlaggebenden Tordifferenz liegen die Italiener mit plus 11 knapp vor den Eidgenossen (plus 9). Bei einem Remis im direkten Duell könnte es in der letzten Runde deshalb um jeden Treffer gehen. Die Italiener gastieren dann in Nordirland, die Schweiz spielt in Luzern gegen Bulgarien. Bei der Nati stehen mit Torhüter Philipp Köhn, Bryan Okoh und Noah Okafor drei Salzburg-Profis im Kader.

Arnautovic verteidigt Foda

Zur Personalie Foda hat ÖFB-Starstürmer Marko Arnautovic am Mittwoch höchst gereizt reagiert: Für den Bologna-Legionär seien die beiden abschließenden Gruppenmatches (am Montag gastiert Moldawien) dazu da, "wieder Selbstvertrauen zu bekommen und wieder eine Mannschaft zu werden alle zusammen. Da ist es sinnlos, dass ich jetzt über den Trainer reden muss, über seine letzte Chance oder eine Deadline." Und auch gegenüber Milletich und dessen umstrittene Wortwahl zu Foda feuerte Arnautovic eine Spitze ab: "Vielleicht kommt unser neuer Präsident zu mir und sagt: ‚Hör zu, Marko, wenn du die nächsten zwei Spiele kein Tor machst, dann ist Deadline für dich.‘ Das kann auch sein." Letztlich gehe es darum, die beiden Matches als Test für das Play-off erfolgreich zu gestalten - und dann "reinzurutschen bei der WM", so Arnautovic.