Nur Rang vier in der überschaubar schweren Qualifikationsgruppe F, satte elf Punkte vom erklärten Gruppensieg und der direkten WM-Teilnahme entfernt - und dennoch gibt es in Österreich keine Teamchef-Diskussion (mehr), ja Franco Foda sitzt sogar fester im Sattel denn noch vor kurzem. So verrückt, so unglaublich kann eben Fußball sein! Oder eben auch nur simpel. Denn dass Neo-ÖFB-Präsident Gerhard Milletich das von ihm selbst aufgehängte Damoklesschwert über Foda wieder demontierte und diesen jedenfalls bis zum WM-Play-off im März bestätigte, ist einerseits den erfrischenden Abschlussmatches in Klagenfurt zu verdanken (4:1 über Moldawien/4:2 über Israel), andererseits dem nüchternen Hausverstand aller Entscheidungsträger. Welcher neue Trainer sollte denn die ÖFB-Auswahl bei maximal drei Tagen Vorbereitungszeit besser auf den Play-off-Halbfinalgegner einstellen als der seit vier Jahren amtierende? Zumal Foda bisher alle gesteckten Ziele - EM-Qualifikation, Nations-League-Aufstieg, EM-Achtelfinale - auch geschafft hat. Warum also nicht auch noch die WM?

Der Weg nach Katar wird freilich sehr steinig, weil in den zwei K.o.-Duellen (Auslosung dafür am 26. November) veritable Kaliber warten können: Europameister Italien, Ex-Europameister Portugal, Schweden. Aber selbst dann ist nicht gesagt, dass David Alaba und Co. chancenlos sind, wie noch jeder angesichts des Achtelfinalthrillers gegen die Azzurri weiß. Apropos: Dass das rot-weiß-rote Länderspieljahr heuer nur hauchdünn positiv ist (7 Siege, 7 Niederlagen, 2 Remis, Torverhältnis: 24:23) liegt auch an jenem 1:2 nach Verlängerung, das nach 90 Minuten ja ein Remis war. Aber mit (positiver) Vergangenheitsstatistik kommt man ohnedies nicht weiter, schon gar nicht zur WM-Endrunde. Vergessen, vorbei die Blamage in Israel (2:5), die anschließende Schockstarre im Prater gegen die Schotten (0:1), der zweimalige Klasseunterschied gegen Gruppensieger Dänemark (0:4/0:1).

Viel wichtiger ist der Blick in die Zukunft - zumal es beim nächsten Zusammentreffen vor dem ersten Play-off-Duell (ohne vorherige Testgelegenheit!) gilt, die Erfolgstugenden von früher wieder am Punkt abrufen zu können: eine geschlossene, schnörkellose Defensive; ein kontrolliertes, dem Gegner angepasstes Offensivpressing; schnelles, variables Spiel nach vorne mit kaltschnäuziger Chancenverwertung. Sowohl gegen Israel, als auch am Montag gegen Moldawien waren diese Tugenden - wiewohl gegen limitierte Gegner - wieder deutlich(er) zu erkennen. Insbesondere die Offensivaktionen hatten, im Gegensatz zu den statischen Spielen gegen Färöer und Moldawien sowie dem Schottland-Heimspiel Hand, Fuß und Tempo. Wenn es gelingt, diesen Schwung ins Frühjahr mitzunehmen und den Verletzungsteufel abzuschütteln, braucht sich die ÖFB-Auswahl auch vor möglichen Hammer-Losen nicht zu schrecken. Wenn man Schweizer und Serben nicht fürchten hätte müssen, muss man dies auch nicht bei deren Opfern - Italien und Portugal - tun. Mit der erhofften Rückkehr von Stefan Lainer, Xaver Schlager und Sasa Kalajdzic sollte Foda auch mehr Qualität und Optionen zurückbekommen.

Und genauso sieht es auch der 55-jährige Deutsche: Mit topfitten ÖFB-Stützen im Spielrhythmus "sind wir absolut in der Lage, uns noch für die WM zu qualifizieren". Komme, wer wolle. Denn: "In den Play-off-Spielen gibt es keine leichten Gegner mehr, da sind alle irgendwo auf Augenhöhe." Ab 26. November beginnt die Arbeit für Fodas Stab jedenfalls neu, denn statt sonst üblichem nettem Jahresausklang wartet das Studium der Play-off-Gegner. Auch die möglichen zweiten Hürden kennt man schon an diesem Abend. "Es ist sicher kein Nachteil, weil man über den nächsten Gegner wirklich sehr ins Detail gehen kann, wo Stärken und Schwächen liegen", sagte Foda.

Nur Hunger macht erfolgreich

Zuvor gilt es allerdings, Rechenschaft über die verkorkste Gruppenphase der Qualifikation abzulegen: "Natürlich hatten wir Probleme. Wir hatten viele verletzte Spieler, mussten immer wieder umstellen, improvisieren, neue Wege suchen." Nachsatz: "Trotz allem wäre es möglich gewesen, zumindest den zweiten Platz zu belegen. Das müssen wir schon noch einmal Revue passieren lassen, warum das nicht der Fall war." Zudem nutzte Foda das letzte Treffen des Jahres gleich dazu, die Spieler heiß aufs Play-off zu machen. So habe er allen gesagt, es sei wichtig, dass man hungrig bleibe. "Das sind die erfolgreichen Spieler und auch die erfolgreichen Menschen. Wenn man den Hunger verliert, wird man irgendwann auf der Strecke bleiben." Daher sei es wichtig, gegen jeden Gegner 100 Prozent abzurufen. Vielleicht wird im März sogar mehr nötig sein.