Während Österreichs Aushängeschilder wie Red Bull Salzburg, das am Dienstag mit 0:1 in Lille verlor, im Europacup mit dem nationalen Lockdown hadern und akzeptieren müssen, die kommenden Heimspiele ohne Fans zu absolvieren, dürfen sich die übrigen Champions-League-Vereine (noch) über halbwegs volle Stadien freuen. Am Mittwoch (21 Uhr/ServusTV) treffen Manchester City und Paris Saint-Germain einander zum großen Schlager in der Königsklasse. Mit einem Triumph würde jedes der beiden Schwergewichte den Achtelfinal-Einzug fixieren. Auch ein Remis oder eine Niederlage würden reichen, wenn FC Brügge das Parallelspiel gegen Leipzig nicht gewinnt.

Trotz aller Vorfreude von Spielern und Anhängern herrscht in Paris vor dem Showdown Unruhe. Mauricio Pochettino soll in Frankreichs Hauptstadt nicht glücklich sein und mit einer Übernahme des freien Postens bei Manchester United liebäugeln. Auch einen Favoriten auf die Nachfolge bei den Parisern gibt es bereits: Zinedine Zidane. Der frühere Weltfußballer soll ManUnited abgesagt haben. Er wäre ob seines guten Verhältnisses zu den katarischen PSG-Eigentümern die erste Wahl, berichtete unter anderem die Tageszeitung "Le Parisien". Zunächst gastiert Pochettino aber als Gästetrainer bei Uniteds Stadtrivalen Manchester City. Dazu hat der Argentinier erstmals Sergio Ramos in den Kader berufen. Der Spanier könnte nach sechs Monaten Pause wegen einer Wadenverletzung sein Pflichtspieldebüt für PSG geben. Der Innenverteidiger war im Sommer ablösefrei von Real Madrid nach Paris gewechselt.

Bei einer Niederlage wären zumindest die Hoffnungen der Pariser auf den Gruppensieg dahin. Manchester City liegt zwei Runden vor Schluss einen Zähler voran. Dabei hatte PSG das erste Duell der beiden Titel-Mitfavoriten Ende September daheim mit 2:0 für sich entschieden. Lionel Messi gelang dabei sein erstes Tor für die Franzosen, und seinem neuem Verein die Revanche für das Aus im Champions-League-Halbfinale der vergangenen Saison. Der FC Brügge wiederum könnte mit einem Heimsieg in der Gruppe A doch noch in den Aufstiegskampf eingreifen. Allein für Leipzig ist das Achtelfinale nach nur einem Punkt aus vier Spielen bereits außer Reichweite. Das Team von ÖFB-Mittelfeldmotor Konrad Laimer will aber zumindest den Umstieg in die Europa League. Gelingt dieser nicht, würde die Situation für Trainer Jesse Marsch ungemütlich werden. Der US-Amerikaner steht nach einem katastrophalen 0:2 in Hoffenheim und Ligarang sieben in der Kritik.

Dortmund gegen Sporting, Real "fordert" Tiraspol

Keine Lockdown- oder Jobsorgen hat indes Marsch’ Vorgänger bei Salzburg, Marco Rose. Er will am Mittwoch mit Borussia Dortmund im Direktduell bei Sporting in Lissabon bestehen. Ein Sieg bei den punktegleichen Portugiesen würde den Achtelfinal-Einzug bedeuten. Die Dortmunder müssen allerdings ohne drei Stars auskommen: Abwehrroutinier Mats Hummels fehlt gesperrt, Offensivmann Thorgan Hazard nach einem positiven Corona-Test und Goalgetter Erling Haaland seit Wochen mit einer Muskelverletzung. Tatsächlich steht viel auf dem Spiel. Die Partie bei Portugals Meister habe "herausragende Bedeutung", sagte Sportchef Michael Zorc. "Es ist fast wie ein K.o.-Spiel", ergänzte Kapitän Marco Reus. "Wir haben es in der eigenen Hand." Bei einem Unentschieden müsste Dortmund für den Aufstieg in der letzten Runde noch gegen Besiktas Istanbul gewinnen. Mit einem Sieg wäre hingegen der portugiesische Meister so gut wie durch.

Durch und im Achtelfinale sind auch Ajax Amsterdam (Gruppe C) oder Liverpool als Sieger in Gruppe B. Dort kämpfen der FC Porto (5 Punkte) als Gast in Liverpool und Atletico Madrid (4) und AC Milan (1) im direkten Duell noch um den Aufstieg. Gute Karten hat auch Real Madrid. Gelingt den Madrilenen bei Außenseiter Sheriff Tiraspol die Revanche für die sensationelle 1:2-Heimpleite Ende September, stehen David Alaba und Co. vor dem abschließenden Schlager gegen Inter Mailand fix im Achtelfinale. Der Tabellenzweite Inter ist davor (18.45 Uhr/Sky) bei Schlusslicht Schachtar Donezk gefordert, Real muss nachlegen. Die Königlichen reisten mit vier Pflichtspielsiegen in Serie, aber ohne die angeschlagenen Offensivstars Eden Hazard und Gareth Bale in die von Moldawien abtrünnige Region Transnistrien.

Für Alaba gab es indessen Lob von Ex-Weltfußballer Fabio Cannavaro. "Er war eine sichere Verpflichtung, mit ihm hat man eine Garantie eingekauft", meinte der Italiener im Gespräch mit der spanischen Zeitung "Marca". Cannavaro verteidigte einst in Reals Abwehrzentrum - dort, wo seit Sommer Alaba überzeugt. Ganz ohne Lockdown-Hader. 

United dank Ronaldo im Achtelfinale

Die Dienstagspartien brachten abgesehen von der Niederlage Salzburgs sowie eines 0:0 des FC Barcelona gegen Benfica Lissabon unter anderem den Aufstieg Manchester Uniteds - dank des Champions-League-Veterans Cristiano Ronaldo. Der Portugiese traf beim 2:0 (0:0) der wankenden Red Devils in Villarreal zur Führung. Für den 36-Jährigen war sein Tor in der 78. Minute der 140. in der Königsklasse, das sechste in der laufenden Gruppenphase. Jadon Sancho (90.) besorgte den Endstand.

Auf Cristiano Ronaldo ist immer noch Verlass. 
- © afp / Jose Jordan

Auf Cristiano Ronaldo ist immer noch Verlass.

- © afp / Jose Jordan

Im Achtelfinale steht auch Titelverteidiger Chelsea. 4:0 (1:0) siegte der formstarke Premier-League-Leader an der Stamford Bridge gegen Juventus Turin und verdrängte die ebenfalls schon in der K.o.-Runde stehenden Italiener damit von der Tabellenspitze.

Im Schneetreiben von Kiew schrieb ein ersatzgeschwächter FC Bayern seinen fünften Erfolg in der Gruppe an. 2:1 (2:0) siegten die weiter makellosen Münchner. Robert Lewandowski per Fallrückzieher (14.) und Kingsley Coman (42.) trafen für den deutschen Meister, Marcel Sabitzer fehlte bei den Bayern verletzt.

Im zweiten Spiel der Gruppe musste sich der FC Barcelona mit Yusuf Demir gegen Benfica Lissabon mit einem 0:0 begnügen. Die Katalanen bleiben Zweiter, müssen zum Abschluss aber in München bestehen. In der Salzburg-Gruppe holte der FC Sevilla mit einem 2:0 gegen Wolfsburg den lange anvisierten ersten Sieg. Pavao Pervan hütete das Tor der Deutschen, nachdem Kapitän Koen Casteels am Vortag positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Joan Jordan bezwang den Österreicher nach einem guten Start der Hausherren aber schon in der 13. Minute per Kopf. Die Entscheidung fiel erst spät durch Rafa Mir in der siebenten Minute der Nachspielzeit.

Villarreal war gegen Manchester lange die engagiertere Elf. Bei den Gästen setzte Interimscoach Michael Carrick unter anderem Spielgestalter Bruno Fernandes auf die Bank. Ronaldo blieb vorerst unauffällig - im Gegensatz zu seinem Keeper David de Gea. Der Spanier im Gehäuse der Engländer verwehrte Villarreal bei guten Möglichkeiten die Führung. United war in erster Linie bedacht, das Remis zu halten und auf einen Patzer des Gegners zu warten. Der kam auch. Torhüter Geronimo Rulli spielte schlecht heraus, Mitspieler Etienne Capoue verlor in Bedrängnis den Ball und Ronaldo lupfte diesen ins Tor. Villarreal kämpft damit in der letzten Runde gegen Atalanta Bergamo um das zweite Achtelfinal-Ticket der Gruppe. Die Italiener und die Young Boys trennten sich in Bern nach einer turbulenten Partie mit 3:3.

Für Chelsea legte Trevoh Chalobah (25.) nach einem Eckball vor, in der zweiten Halbzeit besorgte ein Doppelschlag von Reece James (56.) und Callum Hudson-Odoi (58.) die Entscheidung. Jürgen Werner besiegelte in der Nachspielzeit die herbe Pleite für Juve. Die Italiener hatten in der ersten Halbzeit eine große Chance auf den Ausgleich. Alvaro Morata überwand Edouard Mendy, Thiago Silva rettete in extremis aber noch vor der Linie für seinen geschlagenen Keeper. Malmö und Zenit St. Petersburg trennten sich mit 1:1.

Bayern mit Rumpfteam

Die Bayern wurden im Kiewer Olympiastadion von Schneeschauern empfangen. Sabitzer fehlte aufgrund von muskulären Problemen in der linken Wade, eine ganze Riege um Joshua Kimmich und Serge Gnabry war aufgrund von Quarantäne-Bestimmungen zu Hause geblieben. So saßen nur vier Feldspieler im Rumpfteam von Julian Nagelsmann auf der Bank.
Einmal hatten die Bayern auch Glück. Nach der frühen Führung schlug Manuel Neuer nach einer halben Stunde ein Luftloch, der Ball kullerte von der Stange wieder aufs Spielfeld zurück. Seinen Patzer besserte der Schlussmann zu Beginn der zweiten Halbzeit wieder aus, als er Kiew mit zwei Paraden den Anschlusstreffer verwehrte. Der Favorit spielte in der zweiten Halbzeit dann verhaltener. Denys Harmasch (70.) erzielte postwendend Dynamos erstes Tor in der Gruppenphase. Ansonsten hatten die Bayern die Partie aber im Griff.

Demirs gelungenes Startelf-Debüt

Barcelona-Trainer Xavi wartete im Camp Nou mit einer Überraschung auf. ÖFB-Legionär Yusuf Demir stand erstmals in der Champions League in der Startelf der Blaugrana. Der rechts außen eingesetzte 18-jährige Wiener erhielt den Vorzug vor Philippe Coutinho oder den noch nicht voll fitten Serginho Dest und Ousmane Dembele. Demir war es auch, der bei strömendem Regen die erste Torchance der Partie vorfand. Seinen Schuss aufs lange Eck wehrte Benfica-Tormann Vlachodimos mit den Fingerspitzen ab (7.).
Bei den Gästen aus Lissabon saß Valentino Lazaro auf der Bank. Benfica kam nach der ersten Viertelstunde besser in die Partie. Nicolas Otamendi jubelte schon, sein Tor wurde aber nicht gegeben, da der Ball die Linie beim Eckball davor überquert hatte. Roman Jaremtschuks Kopfball ging davor zentral auf Marc-Andre ter Stegen im Barca-Tor. Kurz vor der Pause schrammte Demir noch einmal an einem Treffer vorbei: Sein schöner Abschluss klatschte nur an die Latte (43.).

Yusuf Demir vergab zwei Chancen für den FC Barcelona. 
- © afp / Lluis Gene

Yusuf Demir vergab zwei Chancen für den FC Barcelona.

- © afp / Lluis Gene

Nach Seitenwechsel verflachte die Partie. Demir musste für Dembele vom Feld, Lazaro kam und hatte mit dem Franzosen alle Hände voll zu tun. In der Endphase ging es noch einmal zur Sache. Ronald Araujo traf vermeintlich zum Barca-Siegtor, stand jedoch knapp im Abseits. Benficas Haris Seferovic legte den Ball im Konter dann alleine vor Ter Stegen am Tor vorbei (94.). (apa/rel/red)