Einen idealen Zeitpunkt für einen Lockdown? Nein, den gibt es nicht. Auch nicht im Fußball. Genau genommen ist die Maßnahme für heimische Bundesliga-Klubs, wo die überwältigende Mehrheit der Kicker und Funktionäre ja durchgeimpft ist, sogar eine Zumutung. Zu den Vereinen, welche die Folgen dieser Entwicklung nicht nur sportlich, sondern vor allem auch finanziell zusetzt, zählt unter anderem Rekordmeister Rapid Wien. Tatsächlich hätte der aktuelle Lockdown die Grün-Weißen zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt erwischen können.

Ausgerechnet das einträglichste Heimspiel des Jahres, jenes am Donnerstag gegen Europa-League- Gruppengegner West Ham (18.45 Uhr/ServusTV) wird als Geisterspiel, also ohne Zuschauer, ausgetragen. Und auch alle Hoffnungen auf ein volles Haus beim Stadtderby gegen Austria Wien am 5. Dezember sind dahin. Im Klub rechnet man mit einem Erlös-Entgang im hohen sechsstelligen Euro-Bereich. Noch schwerer fällt die Zuschauer-Aussperrung gegen West Ham ins Gewicht. Die Partie wäre mit 23.500 Besuchern sehr wahrscheinlich ausverkauft und damit die ertragreichste seit dem Europa-League-Sechzehntelfinale 2020 gegen Inter Mailand gewesen. Warum, ist leicht erklärt: Da dieses Europacup-Spiel nicht im Saison-Abo inkludiert ist, hätte es höhere Zusatzeinnahmen als ein gut besuchtes Liga-Spiel gebracht. Dank des Lockdowns geht aber Rapid so ein geschätzter Umsatz von einer Million Euro durch die Lappen.

Ans Geld wollte aber im Team am Tag vor dem großen Spiel niemand denken. Zuletzt erlitt Grün-Weiß mit 1:3 bei Dinamo Zagreb einen herben Rückschlag und fiel ans Tabellenende zurück. Für den Aufstieg sind aus den letzten beiden Spielen gegen West Ham und Genk mindestens vier Punkte zu holen, um die Chance zu wahren. "Wir wollen dieses Spiel gewinnen und werden alles tun, um als Sieger vom Platz zu gehen", sagte Interimstrainer Steffen Hofmann optimistisch. Anders als Rapid hat West Ham nämlich seine Generalprobe verpatzt und zuletzt 1:0 gegen Wolverhampton verloren.

Sturm, LASK jagen Punkte

Nach dem jüngsten Kraftakt gegen den LASK in der Liga wittert wiederum Sturm Graz in der Europa League bei PSV Eindhoven Chancen. Das 3:3 nach 0:3-Rückstand hallte auch vor dem Abflug in die Niederlande noch nach. Am Donnerstagabend (21 Uhr/ORF1) gastiert Sturm laut Trainer Christian Ilzer allerdings als "krasser Außenseiter" in Eindhoven. Um in der Conference League doch noch überwintern zu können, ist eines klar: Die Grazer müssen im vorletzten Spiel dieser Gruppenphase anschreiben. Um in die Zwischenrunde umzusteigen, muss den Grazern der Sprung auf den dritten Platz gelingen. Dieser ist aber nur möglich, wenn Sturm Graz alle Zähler aus Eindhoven entführt. Den ersten Punkt hatten die Steirer zuletzt in San Sebastian erobert. PSV hält bei fünf, Real Sociedad bei sechs und Monaco bei sieben Zählern. Auch für die Niederländer geht es um viel, wollen sie doch im Frühjahr in der Europa League mit dabei sein. "Es ist ein Schlüsselspiel für beide", sagte Ilzer. Gespielt wird aber auch hier vor leeren Tribünen, nachdem im Polderstaat die Zuschauer aufgrund von Corona-Maßnahmen wie in Österreich wieder ausgeschlossen sind.

Auf einen Hexenkessel mit bis zu 30.000 gegnerischen Fans gefasst machen muss sich hingegen der Linzer ASK. Dennoch peilt der Klub am Donnerstag (21 Uhr/ Sky) in Conference-League-Duell bei Maccabi Tel Aviv den ersten Gruppenplatz an, der ihnen zwei Spiele in der K.o.-Runde ersparen würde. "Unser Anspruch ist, nach Israel zu fliegen, um dort auch zu gewinnen", sagte Trainer Andreas Wieland vorm Abflug. (rel/apa)