"Hainer-raus"-Rufe, Tumulte, ein Ehrenpräsident, der wortlos das Rednerpult verließ und danach von der "schlimmsten Veranstaltung, die ich je erlebt habe" sprach - die Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München endete in der Nacht auf Freitag unter Protesten und chaotischen Umständen.

Der Aufruhr gegen die Bayern-Bosse mit Präsident Herbert Hainer als zentraler Reizfigur war rund um das Streitthema Katar-Sponsoring eskaliert.

Nach fünf Stunden stoppte Hainer im Audi Dome die Wortbeiträge abrupt und erklärte die Versammlung für beendet. Ein ausgebremstes Mitglied stellte sich auf einen Sessel und hielt seine Rede ohne Mikrofon. "Wir sind Bayern - und ihr nicht", riefen die empörten Mitglieder - und auch: "Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt." Der fassungslose Ehrenpräsident Uli Hoeneß sagte dem "kicker" bei seinem Abgang: "Darüber muss ich erst einmal schlafen. Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe."

Kahn wirbt für Dialog

Lange lief es davor wie gewohnt. Oliver Kahn hielt seine erste Rede als Vorstandschef und Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge. Er warnte vor "unbegrenzten" Investoren-Geldern bei einigen Klubs in Europa und sprach von dem "fundamentalsten Wandel", den der Fußball gerade erlebe.

Beim Tagesordnungspunkt Anträge kochte die Stimmung hoch. Ein Spontanantrag eines Mitglieds, über die Beendigung der Partnerschaft mit Qatar Airways nach Vertragsende 2023 abzustimmen, wurde abgeschmettert. Auch der Antrag, dass der Verein weiter 75 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG halten soll und nicht noch fünf Prozent veräußern könnte, verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit.

Wegen der verschärften Corona-Regeln waren nur knapp 800 Mitglieder anwesend, darunter augenscheinlich viele Hardliner. Das Plenum repräsentierte vermutlich nicht die mehr als 290.000 Mitglieder. Es gebe noch keine Entscheidung zur Zukunft des Katar-Sponsorings, sagte Hainer. "Wir werden den Vertrag erfüllen", sagte er zur laufenden Geschäftsbeziehung mit Katars Fluglinie. Kahn warb bei der Menschenrechtsfrage im Gastgeberland der Fußball-WM 2022 für den Dialog. Das sei besser als ausgrenzen und ausschließen. (red/apa/dpa)