Ferdinand Feldhofer hat sich bei seiner Präsentation als neuer Trainer von Vizemeister Rapid am Montag im Allianz-Stadion voller Tatendrang präsentiert. Als kurzfristiges Ziel nannte der Steirer das Erreichen eines Top-sechs-Platzes und damit die Teilnahme an der Bundesliga-Meisterrunde, zudem will Feldhofer im Europacup überwintern. Mittelfristig soll bei den Hütteldorfern eine gemeinsame Spielphilosophie umgesetzt werden.

Der 42-Jährige tritt die Nachfolge des vor knapp drei Wochen freigestellten Dietmar Kühbauer an. In der Zwischenzeit sprang Steffen Hofmann interimistisch ein, der einstige Mitspieler von Feldhofer bei Rapid zieht sich nun wieder zur zweiten Mannschaft der Grün-Weißen zurück. Die Profis liegen in der Liga sechs Runden vor dem Ende des Grunddurchgangs auf Rang acht. Im abschließenden Europa-League-Match in Genk benötigt Rapid einen Sieg, um noch Gruppendritter zu werden und ins Sechzehntelfinale der Conference League umzusteigen.

Feldhofer leitete am Montagvormittag seine erste Einheit mit den Kickern, sein Vertrag läuft bis Sommer 2023 plus Option auf ein weiteres Jahr. Die Einigung mit dem früheren WAC-Betreuer erfolgte bereits am Samstag, mit der Bekanntgabe ließ man sich allerdings bis nach dem Auswärtsmatch gegen Ried (2:2) Zeit. Der neue Rapid-Coach sah sich diese Partie nicht im Stadion an. "Aus Respekt vor den handelnden Personen", sagte Feldhofer.

Schwieriges Start-Programm

Stattdessen flog der Ex-ÖFB-Internationale nach Belgien, wo er am Sonntag Genk beim Heim-2:3 gegen Club Brügge beobachtete. Dort steigt am 9. Dezember das abschließende Europa-League-Match, vier Tage nach Feldhofers Rapid-Premiere im Heim-Geisterderby gegen die Austria. Das Auftaktprogramm bietet also Chancen, aber auch Risiken - dennoch wollte Feldhofer unbedingt schon jetzt und nicht erst nach der Winterpause beginnen. "Das bringt uns längerfristig mehr, als wenn ich erst später gekommen wäre. Mein Energielevel ist voll", erklärte Feldhofer. Er sei von der Qualität der Spieler überzeugt und fordere von ihnen eine "Winner-Mentalität". Langfristig will Feldhofer den Hütteldorfern eine neue Spielphilosophie einimpfen: "Wir wollen mit aktivem Fußball in beide Richtungen die Fans begeistern und gewinnen, denn darum geht es schlussendlich." Nachsatz: "Wir wollen Dominanz ausstrahlen, brauchen Lösungen in allen Phasen des Spiels und müssen als Schwarm auftreten."

Es solle einen "roten Faden" geben, einen einheitlichen Spielstil, der von den jüngsten Nachwuchsteams bis hinauf zur Kampfmannschaft praktiziert werde. "Es geht um eine Signatur. Das wird dauern, aber wir sind uns alle einig, dass wir das angehen", betonte er.

Der dreifache Familienvater begann seine Trainerlaufbahn vor sechs Jahren beim damaligen Regionalligisten Lafnitz, den er in die 2. Liga führte. Vor knapp zwei Jahren wurde er WAC-Coach - mit den Wolfsbergern stieß Feldhofer 2021 bis ins Sechzehntelfinale der Europa League vor. Wenige Wochen später war das Engagement im Lavanttal beendet, ein wesentlicher Grund dafür waren Dissonanzen mit Kapitän Michael Liendl. Als ein Trainer-Vorbild für Feldhofer dient Ivan Osim - beide arbeiteten einst bei Sturm Graz erfolgreich zusammen.

Ehrgeiz oder Größenwahn?

Apropos Trainer-Kapazunder: Für den Ex-Rapidler, der Teil der Meisterelf 2005 war, ist Hütteldorf keinesfalls Traumziel oder Endstation, wie er gleich zu Beginn unumwunden zugab. Vielmehr räsonierte er über kommende Aufgaben im Ausland samt Ablösesummen für ihn: "Vielleicht bin ich seit langer Zeit der erste Trainer, wo Rapid einmal wirtschaftlich profitiert." Wie diese zwischen Ehrgeiz und Größenwahn angesiedelten Worte beim nicht gerade einfachen Rapid-Anhang ankommen, wird sich vor allem in schwierigen Zeiten weisen. Vielleicht hilft da der Rapid-Bonus aus früheren Zeiten? Wiewohl dieser für Sportchef Zoran Barisic diesmal angeblich kein Auswahlkriterium war: "Eigentlich wollten wir einen, der keinen Stallgeruch hat."(may/apa)