Ein Remis im Wiener Fußball-Derby kommt selten alleine: Bereits zum fünften Mal in Folge gab es im Prestigeduell zwischen Rapid und Austria keinen Sieger. Nach dem 1:1 am Sonntag im Allianz-Stadion konnten sich trotzdem beide Teams und vor allem auch Rapids Neo-Trainer Ferdinand Feldhofer als kleine Gewinner fühlen. Die Hütteldorfer schafften in der 17. Runde den Sprung von Rang acht auf fünf, die Favoritner arbeiteten sich von Position sieben auf sechs nach vor.

Damit wäre aktuell eine Teilnahme an der Meistergruppe gesichert. Fünf Runden sind bis zur Ligateilung noch zu spielen, Rapid bekommt es zum Jahresabschluss am Sonntag auswärts mit der Admira zu tun, die Austria empfängt den LASK, der seinerseits mit vier Punkten Rückstand auf das Wiener Duo (nach dem Sieg im OÖ-Derby) noch mit einem Platz oben spekulieren darf. "Wir haben unsere Situation verbessert, das ist positiv", sagte Feldhofer nach seinem Debüt. Man befinde sich allerdings weiter in einer gefährlichen Lage. "Wir dürfen uns keinesfalls in Sicherheit wiegen, müssen Punkte sammeln und das schleunigst."

Erst am Montag hatte der Ex-Coach des WAC sein erstes Training als Nachfolger von Interimstrainer Steffen Hofmann geleitet. Dementsprechend hatte man auch beim ersten Auftritt unter seiner Regie keine Wunderdinge erwarten dürfen. "Auch wenn wir gewonnen hätten, wäre nur ein kleiner Anteil bei mir gewesen. In vier Einheiten kann ich nicht viel verändern", so Feldhofer. Mit dem Gesehenen konnte er gut leben. "Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Die Leistung war über weite Strecken gut, aber mit großem Entwicklungspotenzial", resümierte der 42-Jährige.

Aufzuarbeiten gilt es vor allem die Fehlstarts in beiden Halbzeiten. Den Gegentreffer kassierten die Hütteldorfer nach nicht einmal einer Minute, die Abwehr agierte viel zu passiv, zudem schien auch der Abschluss des im Strafraum vernachlässigten Matthias Braunöder nicht ganz unhaltbar. Von der Reaktion seines Teams war aber Feldhofer begeistert. "Top war dann die Moral, wie die Mannschaft Ruhe bewahrt und den Plan durchgezogen hat." Der Treffer war dennoch ein Geschenk der Austria: Eric Martel traf Robert Ljubicic unnötig im Strafraum am Fuß, Ercan Kara verwertete den Elfmeter (25.).

Die Austria nahm den Punkt gerne mit, auch da sie dadurch im Allianz-Stadion des Lokalrivalen weiter unbesiegt ist. "Das Wichtigste für mich ist, dass wir weiterhin ungeschlagen hier sind", betonte Tormann Patrick Pentz. Bei den Rapidlern hörte sich das nach einem Chancenplus von 8:3 anders an. "Es tut richtig, richtig weh", gab Tormann Paul Gartler zu. Er spielte dreimal gegen die Austria, dreimal gab es ein 1:1. "Das ist ein Wahnsinn." Aber: Auch die Austrianer konnten den Schwung nach einem laut Coach Manfred Schmid "unglaublichen Start" nicht mitnehmen. "Wir haben keinen Profit daraus geschlagen. Nach der Verletzung von El Sheiwi haben wir den Zugriff verloren, dann war Rapid überlegen. Zweite Hälfte waren wir aggressiver. Es war ein harterkämpfter Punkt, den wir gerne mitnehmen", bilanzierte der Wiener.

Auch bei den Spielern überwog die Freude über den Punktgewinn. "Es ist was Schönes, das erste Bundesligator gleich in einem Derby zu machen. Am Schluss ist es ein gerechtes Unentschieden", bilanzierte Braunöder. Steigerungsbedarf ortete Schmid vor allem im spielerischen Bereich: "Die Spieler waren gehemmt, haben nicht die erste Lösung gesucht, den Ball zu langsam laufen lassen."