Ob David Alaba darum gebetet hat, zum achten Mal die Auszeichnung als Österreichs Fußballer des Jahres zu erhalten? An Gelegenheiten hätte es dem gläubigen Adventisten nicht gemangelt, gilt doch gerade Real Madrid als Tummelplatz für fromme Kicker, was sich beispielsweise darin zeigt, dass der Klub - so wie auch der FC Bayern München - über einen "Bibelkreis" verfügt. Gegründet hat die Gruppe vor gut 13 Jahren der 2019 von Madrid zu Paris Saint-Germain gewechselte Torhüter Keylor Navas aus Costa Rica. Und es hat ihm, der schon mehrfach auf nationaler und kontinentaler Ebene zum Fußballer des Jahres gewählt worden ist, immerhin nicht geschadet.

Ob nun die Auszeichnung beim "Worshippen", wie Alaba die Zwiesprache mit Gott nennt, ein Thema war oder nicht, für ihn ist es jedenfalls die achte Ehrung binnen elf Jahren - und seine erste im Dress der Königlichen. Als er 2011, kurz nach seiner Rückkehr von Hoffenheim nach Bayern, das erste Mal den Titel erhielt, war er bereits ein Star. Zumindest dachte das Fußball-Österreich, um dann wenige Monate später eines besseren (oder eher schlechteren) belehrt zu werden - durch den Landeshauptmann von Tirol, Günther Platter (ÖVP). Seine peinliche Begrüßung auf Englisch, mit der er Alaba im Rahmen einer Stippvisite im ÖFB-Trainingscamp im Mai 2012 sichtlich überraschte ("How do you do?"), gilt als legendär und ist bis heute Gegenstand zahlreicher Parodien und Schmählieder, wie etwa der Soul-Band "5/8erl in Ehr’n" aus Wien.

Alabas etwas genervter Konter, dass er Deutsch verstehe und Österreicher sei, kam übrigens nicht von ungefähr. Zum einen machte er damit den subtilen, wenn auch gewiss nicht beabsichtigten Rassismus hinter dieser Begrüßung deutlich, zum anderen hatten die Bayern kurz zuvor (und ohne den gesperrten Alaba) das Endspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea verloren - eine tiefe Scharte, die der Profi mit dem Finalsieg 2013 allerdings wieder erfolgreich auswetzen sollte. Seither hat Alaba alles gewonnen, was es im Klub-Fußball zu gewinnen gibt, darunter neun Meisterschaften, fünf beziehungsweise sechs Cup- und Supercup-Meisterschaften und einen Klub-WM-Titel. Der Meistertitel 2021 war seine 27. und letzte Trophäe, ehe er ablösefrei zu Real Madrid weiterzog.

"Es ist eine unglaublich schöne Auszeichnung"

Aber auch in der spanischen Kapitale läuft es für Alaba blendend. Von den ersten 23 Partien in dieser Saison versäumte er nur eine wegen Muskelproblemen, in allen anderen Matches stand Alaba in der Startformation und wurde nur zweimal ausgewechselt. Darüber hinaus gelangen ihm zwei Treffer, darunter der beim 2:1-Auswärtssieg im Clasico gegen Barcelona. Dabei ist Real nicht nur in der Liga souveräner Tabellenführer, zudem gelang auch in der Champions League als Gruppensieger der Einzug ins Achtelfinale, wo Paris Saint-Germain wartet. Auf nationaler Ebene schaffte Alaba in diesem Jahr mit dem ÖFB-Team den historischen Einzug ins EM-Achtelfinale, wo erst nach Verlängerung gegen den späteren Titelträger Italien Endstation war. Derzeit muss der Innenverteidiger wegen einer bereits zweiten positiven Corona-Infektion pausieren.

Angesichts einer solchen Leistungsbilanz verwundert es wenig, dass sich der Real-Profi in der von der Austria-Presse-Agentur unter den Bundesliga-Trainern durchgeführten Wahl mit 44 Punkten vor Karim Adeyemi (Red Bull Salzburg/25) sowie Christoph Baumgartner (Hoffenheim/8) durchsetzen konnte. Als einer der ersten Gratulanten stellte sich Teamchef Franco Foda ein. Alabas Wahl sei "mehr als verdient" gewesen, sagte der Deutsche. "Wir können alle darauf stolz sein, so einen Spieler zu haben." Alaba selbst sprach gegenüber der APA von einer "unglaublich schönen Auszeichnung. Mein Dank geht an alle, die mich gewählt haben, aber auch an meine Mitspieler und Trainer, die dazu beigetragen haben, dass ich diese Auszeichnung entgegennehmen darf." Den Bibelkreis nannte der Kicker nicht. Dort dürfte man ohnehin wissen, wie es dazu kam. Wie sagte schon Jesus: "Wer hat, dem wird gegeben."(rel/apa)