Am Ende hilft nur noch Cortison. Auf ein Medikament ähnlichen Ranges ist neuerdings die Wiener Austria angewiesen, nur mit dem Unterschied, dass das hier Erleichterung schaffende "Steroidhormon" ein Mann und der alles entscheidende Wirkstoff Geld ist. Sein Name: Jürgen Werner. Seine Mission: als Teil einer 17-köpfigen Investorengruppe die Austria in bessere violette Zeiten führen. Tatsächlich ist der 60-Jährige aber nicht bloß Geldgeber, sondern will auch als sportlicher Wegweiser am Verteilerkreis fungieren. Immerhin winkt der Posten als Sport-Vorstand.

Allein der Patient scheint noch nicht bereit für die gesamte Dosis, weswegen Werner aktuell nur im Hintergrund und zunächst nur als "Berater" fungiert. "Ich hoffe, das ich einen positiven Bescheid bekomme und dann kann das Abenteuer beginnen", sagte er am späten Montagabend an der Seite der Klubspitze. In einer außerordentlichen Generalversammlung hatte der ehemalige Vize-Präsident des Linzer ASK zuvor den Mitgliedern des Vereins seine Pläne skizziert. Tatsächlich befindet er sich noch im Disput mit der Liga, nachdem er im Juni 2021 wegen Verstößen gegen Liga-Bestimmungen mit einer 18-monatigen Funktionssperre belegt worden war. Eine offizielle Rolle darf daher der ehemalige, langjährige Spielervermittler noch nicht einnehmen.

Dabei hat Werner mit der Austria einiges vor. "Wir wollen versuchen, eine Kultur zu schaffen, die die DNA der Austria wiedergibt, die man auf und außerhalb des Spielfelds sehen soll", erklärte der Oberösterreicher. Er wolle seine internationalen Kontakte nutzen. Offenbar war Werner bei der Verlängerung von Sturm-Juwel Muharem Huskovic im Hintergrund involviert gewesen.

Nicht "Obergscheitl" spielen

Mit Blick auf den neben ihm sitzenden Manuel Ortlechner merkte Werner aber dezidiert an, dass er nicht den "sportlichen Obergscheitl" spielen wolle. Die Chemie mit Austrias Sportdirektor dürfte ohnehin stimmen. Ortlechner war als Spieler einer der Klienten von Werner. Man besitze "in 99 Prozent der Punkte dieselbe Schnittmenge". Mit dem Einstieg der Viola Investment GmbH - Freunde der Austria habe man "die Austria aus dem Koma erweckt. Aber sie ist immer noch Intensivpatient", sagte Werner, einen anderen medizinischen Vergleich ziehend.

Um den Patienten auf die Normalstation zu hieven, sind bis Ende 2023 rund 13,5 Millionen Euro nötig. Zehn davon sind durch den Verkauf von 40 Prozent der Aktienanteile an die Viola GmbH gedeckt. Weitere 2,5 Millionen Euro sollen die 9,9 Prozent bringen, die bis zur maximal zulässigen Grenze von 49,9 Prozent noch zu haben sind. Die noch fehlende Million muss dann anderwärtig aufgetrieben werden.

Sportlich ist Werner bei den Violetten freilich kein Unbekannter. Zwei Mal habe ihn der legendäre Klubchef Joschi Walter zu den Violetten lotsen wollen, verriet Werner. Ihm sei die Konkurrenz mit Herbert Prohaska und Co. aber zu groß gewesen. Auch wenn der Ex- Nationalteamspieler und Manager aufgrund seiner jüngsten Schlagzeilen von manchen Mitgliedern kritisch beäugt wird, so ist seine Expertise evident. Von allein werde es jedoch nicht gehen, betonte er: "Ein Jürgen Werner kann nicht die Hand auflegen und dann ist die Austria wieder die, die sie einmal war." Und die Nebenwirkungen? Wird man sehen.(rel/apa)