Feiern, das können sie in Hamburg, am Kiez und vor allem am Millerntor, dort, wo der FC Pauli, einer der buntesten Vereine im deutschen Profi-Fußball, beheimatet ist. Und Grund dazu gab es dazu zuletzt allemal, Zeit dafür eher weniger. Denn nachdem es die Hamburger mit ihrem Achtelfinal-Gegner im DFB-Pokal, niemand Geringerem als dem Titelverteidiger Borussia Dortmund, beim 2:1 im wahrsten Sinne des Wortes auch bunt getrieben haben, wartet nun schon die nächste Aufgabe. Am Freitag (18.30 Uhr) bekommt man es in der 20. Runde der zweiten deutschen Bundesliga im Derby mit dem HSV zu tun.

Dieser steht nach einem Sieg im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Köln ebenfalls im Viertelfinale, wobei ÖFB-Legionär Florian Kainz im Dress der Kölner beim letzten Elfmeter eine unglückliche Figur machte, weil er sich selbst an den Fuß schoss. Für St. Pauli geht es in diesem Duell jedenfalls um einen weiteren Schritt in Richtung Aufstieg.

"Für uns ist es nicht normal, die erste Runde zu überstehen. Jetzt sind wir im Viertelfinale und spielen um das Halbfinale. Das ist fantastisch", sagte Trainer Timo Schultz, richtete den Fokus aber gleich auf das Derby. "Da wollen wir eine mindestens so gute Leistung bieten. Da müssen wir auch wieder voll da sein, denn auch der Stadtrivale ist gut drauf."

Tatsächlich ist es bemerkenswert, dass erstmals seit 1997 beide Hamburger Profiklubs unter den besten Acht im Pokal vertreten sind - und das, obwohl beide nur in der zweiten Liga spielen; St. Pauli seit 2011, der HSV seit 2018. Während es für Letzteren der erstmalige Abstieg aus der ersten Liga war, haben die Kiezkicker, die Anfang des Jahrtausends nur mit enormer Kraftanstrengung vor dem Konkurs hatten gerettet werden können, dorthin in ihrer bewegten Geschichte ohnehin nur Abstecher unternommen.

"Wollten mitspielen und eklig sein"

Nun aber, konsolidiert von den finanziellen Problemen und im zweiten Jahr unter der Hauptverantwortung von Vereins-Ikone Schultz als Trainer, könnte es tatsächlich wieder etwas werden mit dem Aufstieg ins Oberhaus. Vor der 20. Runde hat St. Pauli auf den ersten Verfolger Darmstadt einen Punkt Vorsprung, der HSV liegt - ebenso wie Schalke, ein weiterer Traditionsverein - fünf weitere Punkte dahinter.

Davon sprechen will freilich bei den Hamburgern niemand, allzu oft waren große Träume schon geplatzt. Zudem mag es einigen Anhängern ein mulmiges Gefühl bereiten, gegen finanziell besser ausstaffierte und sogenannte "neureiche" Klubs antreten zu müssen. Dass man sich aber mit ein bisschen Spielglück mit den Großen messen kann, hat nicht zuletzt das Match gegen den Titelverteidiger gezeigt.

St. Pauli startete ambitioniert und verpasste den Dortmundern schon in der vierten Minute durch den Treffer von Etienne Amenyido eine kalte Dusche, nach einem Eigentor von Axel Witsel - nach Vorarbeit von ÖFB-Legionär Guido Burgstaller - (40.) standen die Zeichen schon vor der Pause auf die nächste Überraschung, nachdem der FC Bayern München schon eine Runde davor aus dem Bewerb geflogen war.

Jubel bei St. Pauli nach dem 2:1 über den BVB. - © afp / F. Bimmer
Jubel bei St. Pauli nach dem 2:1 über den BVB. - © afp / F. Bimmer

Ein Elfmeter von BVB-Star Erling Haaland in der zweiten Hälfte war nur noch Ergebniskosmetik. "Wir sind ins Spiel reingegangen, dass wir von Anfang an mitspielen, Fußball spielen und eklig sein wollen", sagte Burgstaller. "Gegen so einen Gegner brauchst du auch ein bisschen Spielglück, das hatten wir von Anfang an", räumte er ein.

Doch es war das Glück des Tüchtigen, das den Sieg für Schultz "nicht unverdient" machte - und die Fans auf weitere Glanztaten am Millerntor hoffen lässt. Dann könnte zumindest nach der Saison tatsächlich ordentlich gefeiert werden.