Mit höchster Energie und viel Selbstvertrauen geht Fußball-Serienmeister Salzburg am Mittwoch (21 Uhr/live ServusTV, Sky, Dazn) ins historische Champions-League-Heimduell mit Bayern München. Der klare Außenseiter macht sich im Achtelfinalhinspiel Hoffnungen auf den Coup gegen den sechsfachen Champions-League-Sieger, der in der deutschen Liga zuletzt strauchelte. "Wir können ein Klotz an ihrem Bein sein", sagt Stürmerstar Karim Adeyemi.

Der erste Auftritt einer österreichischen Mannschaft in der K.o.-Phase der Königsklasse sollte für die Salzburg-Kicker vor vollem Haus (29.520) Motivation genug sein. "Wir haben Historisches erreicht, deswegen sollen sich die Spieler freuen. Wir wollen unsere Art von Fußball auf den Platz bringen, aber in erster Linie sollen Freude und Spaß stehen", betont Trainer Matthias Jaissle, der mit seiner extrem jungen Truppe (Startelf-Durchschnittsalter in der Champions League 23,03 Jahre) weiter für Furore sorgen möchte.

In der Gruppenphase ließen Adeyemi und Co. als Zweiter hinter OSC Lille sowohl den FC Sevilla als auch den VfL Wolfsburg hinter sich. Verstecken muss sich Österreichs Serienmeister gegen "die vielleicht beste Mannschaft der Welt" (Jaissle) sicher nicht. "Dieses Selbstvertrauen haben wir uns erarbeitet", stellt Jaissle, der sich in seiner ersten Saison als Proficoach befindet, klar. Adeyemi lässt am Ziel keine Zweifel: "Wir wollen dieses Spiel gewinnen", sagt der 20-jährige DFB-Teamspieler, der mit einem Wechsel zu Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wird.

"Bin ein Münchner Junge"

Adeyemi soll im Sturm an der Seite von Noah Okafor wirbeln, einst kickte er im Nachwuchs der Bayern. "Natürlich bedeutet mir das Spiel sehr viel. Ich bin ein Münchner Junge. Es ist eine Ehre, gegen Bayern zu spielen, keine Rivalität", erklärt er. Die veränderte Rolle im Vergleich zur heimischen Liga, die man quasi nach Belieben dominiert, sei kein Problem: "Es ist ein bisschen ungewohnt, aber da machen wir uns keinen Druck. Den Druck haben die Bayern."

Dieser Druck ist seit Samstag nicht kleiner geworden. Die 2:4-Blamage der vollbesetzten Münchner bei Aufsteiger Bochum will Jaissle aber nicht überbewertet wissen. "Das bedeutet nicht viel. Es kommt alle Jubeljahre einmal vor, dass Bayern auswärts verliert. Es birgt eher die Gefahr, dass sie das schnellstmöglich mit einer anderen Art und Weise von Fußball wiedergutmachen wollen", meint der 33-Jährige über den Kontrahenten, der mit sechs Siegen (Torverhältnis 22:3) durch die Champions-League-Gruppe mit Benfica Lissabon, FC Barcelona und Dynamo Kiew rauschte.

Bei den bisher einzigen Vergleichen mit Deutschlands Rekordmeister im Herbst 2020 ebenfalls in der Champions League war Jaissle noch U18-Coach. Unter Jesse Marsch musste man sich damals zuhause mit 2:6 und auswärts mit 1:3 geschlagen geben.

Glaubt man Sportdirektor Christoph Freund, kann das so nicht mehr passieren. "Die Balance zwischen Defensive und Angriff hat damals nicht gepasst. In den letzten Jahren haben wir uns aber verbessert. Wir haben sowohl international als auch in der Liga deutlich weniger Tore bekommen", sagte Freund am Montag auf ServusTV. "Wir sind vorbereitet auf die Wucht, die uns erwartet", verspricht Jaissle.

Neben der guten Salzburger Formkurve (fünf Pflichtspielsiege in Folge, Torverhältnis 13:3) ist auch die Personalsituation bei den Bayern ein kleines Plus für die Hausherren. Kapitän und Goalie Manuel Neuer, Mittelfeldmotor Leon Goretzka (beide Knie), der schnelle Linksverteidiger Alphonso Davies (Herzmuskel) sowie Jamal Musiala (Corona) fallen allesamt aus. Dennoch muss ÖFB-Teamkicker Marcel Sabitzer wohl wieder auf der Bank Platz nehmen. Die Absenz Neuers, der von Sven Ulreich vertreten wird, ist für Jaissle relativ egal: "Er ist der beste Tormann der Welt, das tut jedem Team weh. Aber Ulreich ist ein klasse Keeper, den ich schon aus dem Nachwuchs des VfB Stuttgart kenne."

Im Gegensatz zu Julian Nagelsmann fehlen Jaissle kaum Stammkräfte, selbst Mittelfeldmann Nicolas Seiwald ist nach seiner Meniskus-OP und überraschend schnellen "Wiederauferstehung" als Joker gegen Rapid einsatzbereit. "Er ist noch nicht bei 100 Prozent", gibt Jaissle zu bedenken, für ihn ist der Aufsteiger der Saison aber "sicherlich eine Alternative von Beginn an."

Fix fehlen nur Bernardo, Sekou Koita, Bryan Okoh (alle Knie), Mamady Diambou (Oberschenkel) und Luka Sucic (Trainingsrückstand). Benjamin Sesko (Oberschenkel) ist fraglich. Das gilt auch für Zlatko Junuzovic, der mit einer Fersenblessur seit August kein Spiel mehr bestritt, zuletzt aber ins Mannschaftstraining zurückkehrte. "Wenn überhaupt, dann kommt er nur für ein paar Minuten infrage", sagt Jaissle.