Wie sich ballestrische Kracher binnen kürzester Zeit in politische verwandeln können, haben die vergangenen 24 Stunden gezeigt. Bei den Champions-League-Achtelfinalspielen zwischen Chelsea und Lille sowie Villareal und Juventus dominierte am Dienstagabend nicht nur der sportliche Aspekt, sondern auch das Thema Ukraine und die Sanktionen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gegen Russland. Angesichts der vom Kreml autorisierten Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete waren Forderungen nach einer Verlegung des Champions-League-Finales aus der russischen Großstadt St. Petersburg laut geworden. Wie die Uefa am Dienstag mitteilte, hege man "keine Pläne, den Austragungsort zu ändern", allerdings werde die Situation genau beobachtet. Eine definitive Entscheidung stand bei Drucklegung dieser Ausgabe noch aus. Die britische Tageszeitung "The Sun" brachte bereits vorsorglich das Wembley-Stadion als Ersatzschauplatz für das Finale ins Gespräch.

Nun ist die Entscheidung über die Finalaustragung am 28. Mai in St. Petersburg, immerhin die Heimatstadt von Präsident Putin, nicht die einzige Baustelle, welche die Uefa beschäftigt. So ist der Verband laut eigenen Angaben auch mit Blick auf internationale Spiele des russischen Meisters Zenit St. Petersburg in engem Kontakt mit den betroffenen nationalen Verbänden und Vereinen. "Derzeit ist vorgesehen, dass alle Spiele wie geplant stattfinden", hieß es. Zenit trifft am Donnerstagabend im Europa-League-Rückspiel in Spanien auf Betis Sevilla. Ungeklärt ist auch die Frage, wie die Uefa mit Sponsor Gazprom umgehen wird. Das russische Energieunternehmen ist seit einigen Jahren enger Partner des Fußballverbandes und bei Events wie der Champions League oder Europameisterschaften in den Stadien platziert.

Gerüchte um United-Star Ronaldo

Ganz andere Sorgen quälen indessen Manchester United. Hier ist die Euphorie über das Comeback von Cristiano Ronaldo der Ernüchterung gewichen. Zwar ist der Kicker der erfolgreichste Torschütze, sein "Motor" stotterte zuletzt aber gehörig. Vor dem Achtelfinal-Hinspiel bei Atletico Madrid am Mittwoch (21/Sky und Dazn) brodelt es im Umfeld des englischen Fußball-Rekordmeisters. Auch wegen Ronaldo, der jüngst in Leeds an keinem Tor beteiligt war. Coach Ralf Rangnick weist solche Gerüchte zurück. "Wir stehen zusammen", schrieb Ronaldo nach dem 4:2-Sieg seines Teams bei Leeds United auf Twitter und Instagram, wo er fast eine halbe Million Follower hat. "Ein sehr wichtiger Premier-League-Sieg, bevor wir unseren Fokus auf die Champions League legen und uns auf den Weg nach Madrid machen."

Bei Atletico war Ronaldo jedenfalls einst gefürchtet. Im Dress von Stadtrivale Real erzielte er 25 Treffer gegen die Colchoneros, darunter beim Champions-League-Finalsieg 2014 und im Elferschießen des Triumphs 2016 in der Königsklasse. Demgegenüber steht die Heimstärke Atleticos, das seit 1997 in 14 K.o.-Spielen zuhause bei neun Siegen keine Niederlage kassiert hat.

Im zweiten Mittwoch-Duell (21 Uhr) treffen Benfica und Ajax Amsterdam aufeinander - und damit zwei ehemalige Champions. ÖFB-Teamspieler Valentino Lazaro dürfte dabei wie zuletzt immer unter Neo-Coach Nelson Verissimo als Rechtsverteidiger in der Viererkette aufgeboten werden. Ajax von Coach Erik ten Hag stellt auf dem Weg zum zweiten Viertelfinale nach 2019 eine harte Nuss dar: In der Gruppenphase feierte man gegen Besiktas, Borussia Dortmund und Benficas Stadtrivale Sporting sechs Siege in sechs Partien. Stürmer Sebastien Haller ist mit zehn Treffern aktueller Führender in der Torschützenliste.(apa/rel)