Eine rauschende Europacup-Saison, in der erstmals der Einzug in die K.o.-Phase der Königsklasse gelang, hat für die junge Salzburger Truppe ein ernüchterndes Ende genommen: Die nach dem Hinspiel-1:1 mit Aufstiegsambitionen nach München gereiste Bullen-Truppe wurde in der Allianz-Arena vom deutschen Serienmeister förmlich in ihre Einzelteile zerlegt. "Heute waren wir schlecht auf allen elf Positionen", stellte Verteidiger Rasmus Kristensen nach dem 1:7-Debakel im Champions-League-Achtelfinale fest. Nachsatz: "Das war heute ein Gegner auf einem anderen Niveau."

Die höchste Europacup-Niederlage der Salzburger Vereinshistorie war schmerzhaft - das Lehrspiel von Robert Lewandowski und Co. brachte für den erfolgsverwöhnten Trainer Matthias Jaissle aber auch eine neue Erfahrung. "Ein sehr, sehr bitterer Abend. Die Enttäuschung ist riesig. Wir haben es leider nicht geschafft, ans Hinspiel anzuknüpfen, und konnten unser Leistungsniveau nicht abrufen." Anders als beim Hinspiel in Salzburg respektive den Auftritten in der Gruppenphase - mit Siegen gegen Sevilla, OSC Lille und VfL Wolfsburg - funktionierte diesmal so gar nichts am Salzburger Offensivspiel; und spätestens nach dem Elfer-Doppelschlag durch Lewandowski war auch die Abwehr waidwund geschossen. "Es ist alles daneben gegangen, in die Hose gegangen", fasste Sportdirektor Christoph Freund zusammen.

Hattrick-Rekord durch Lewa

Dabei hatten Nicolas Capaldo (2.) und Nicolas Seiwald (15.) durchaus die Möglichkeit, der Partie einen ganz anderen Charakter zu verleihen. Sie ließen ihre Topchancen aber ungenützt - ganz im Gegenteil zu Lewandowski, der mit dem schnellsten Hattrick der Königsklassen-Historie (12., 21., 23.) nicht nur seine blasse Vorstellung vom Hinspiel eindrucksvoll konterkarierte, sondern auch früh für klare Verhältnisse sorgte.

Dass Innenverteidiger Maximilian Wöber vom zweifachen Weltfußballer sowohl vor dem 0:1 als auch 0:2 mit einer perfekten Ballannahme samt Drehung düpiert wurde und sich nur noch mit einem Elferfoul behelfen konnte, machte es nicht leichter. "Das macht dann etwas mit der Mannschaft, für die jungen Spieler das ist eine ganz andere Situation", beschrieb Routinier und Kapitän Andreas Ulmer das weitere Geschehen. Jaissle hat dann in der Halbzeit "vor allem an die Haltung" seiner Kicker appelliert - bei 0:4 Halbzeitstand durchaus verständlich. Geholfen hat es wenig, weil die zuletzt gescholtenen Bayern nicht nachließen und unbedingt ein Schützenfest abfeiern wollten. Immerhin gelang noch das sehenswerte Ehrentor durch Joker Maurits Kjaergaard (71.).

So bitter die Enttäuschung auch ist - die Champions-League-Sternstunde überstrahlt das Debakel dennoch: "Es bleibt der Stolz auf das Geleistete. Das war etwas Historisches für den Klub. Das wird den Jungs keiner nehmen", stellte Jaissle klar.