Erst vor einem Monat hat der FC Chelsea seinen letzten großen Titel eingefahren mit dem Gewinn der Klub-WM. Es war der 23. Titel in der Ära von Roman Abramowitsch, der 2003 den Verein übernommen hatte. Und es wird sein letzter mit Chelsea sein, so viel ist sicher. Am Samstag ist Abramowitsch von der Leitung des Klubs ausgeschlossen worden. Nach der Verhängung von Sanktionen durch die britische Regierung verbietet der Vorstand der englischen Premier League dem 55-Jährigen, als Direktor des Clubs tätig zu sein.

Chelsea war in gewisser Weise Vorreiter einer Entwicklung, die erst den englischen Fußball betraf, mittlerweile aber auch in anderen internationalen Ligen zu beobachten ist. Ausländische Oligarchen, Staatsfonds und Investoren, aus der USA über die Golf-Staaten bis hin eben zu Russland, entdeckten den Fußball für ihre – durchaus unterschiedlichen – Zwecke und Interessen. Hinter Manchester United steckt die US-amerikanische Glazer-Familie, Manchester City gehört mehrheitlich einem Fonds aus Abu Dhabi, Arsenal dem Sportinvestor Stan Kroenke, dem in den USA auch große Teams im der NFL, der NBA und der NHL gehören und sogar Watford gehört dem italienischen Geschäftsmann Gino Pozzo, der zuvor den spanischen Klub Granada hielt, den er dann an den chinesischen Investor Jiang Lizhang veräußerte. In gewisser Weise begann alles mit Abramowitsch.

Keine Transfers, keine Eintrittskarten


Wie die Liga am Samstag mitteilte, hat der Beschluss des Ausschlusses des Eigentümers keine Auswirkungen auf den Trainings- und Spielbetrieb der Mannschaft. Am Sonntag spielt Chelsea gegen Newcastle United, in der Tabelle liegt der Klub aus London hinter Manchester City und Liverpool auf Rang drei. Doch indirekt haben die Entwicklungen große Auswirkungen auf Chelsea. Der Champions-League-Sieger darf aufgrund der Sanktionen gegen Abramowitsch keine Spielertransfers mehr tätigen, keine Eintrittskarten mehr für Spiele verkaufen und muss sämtliche Fanshops schließen.

Der Milliardär hatte zwar schon vor Wochen angekündigt, Chelsea verkaufen zu wollen. Doch es ist unklar, ob das überhaupt möglich ist, da Abramowitsch aufgrund seiner mutmaßlichen Nähe zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin Geschäftstätigkeiten verboten wurden. Nach Informationen britischer Medien könnte ein Verkauf aber unter strengen Auflagen möglich sein, wenn Abramowitsch an der Transaktion nichts verdient.

Gut möglich ist außerdem, dass die "Blues" einige Leistungsträger verlieren. So laufen etwa die Verträge von Antonio Rüdiger und Andreas Christensen im Sommer aus. Angesichts der Sanktionen ist es fraglich, ob neue Verträge ausgehandelt werden dürfen. Obendrein könnte Chelsea keinen Ersatz für das Defensivduo verpflichten.

Ermittlungen in Portugal


Wie die britische Regierung bekanntgab, wurde Abramowitschs Vermögen eingefroren. Er darf keine Geschäfte mit britischen Privatpersonen und Unternehmen machen und wurde außerdem mit einem Reise- und Transportverbot belegt. "Es darf keine sicheren Häfen geben für die, die Putins bösartigen Angriff auf die Ukraine unterstützt haben", wurde Premierminister Boris Johnson zitiert. Abramowitsch bestreitet aber eine Nähe zu Kreml-Chef Putin.

Abramowitsch hat seinen Reichtum vor allem mit Ölgeschäften in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre aufgebaut. In den 2000er-Jahren verkaufte er dann wesentliche Teile seiner Beteiligungen, vorrangig an den russischen Staat. Er verfügt auch über einen Wohnsitz in Tel Aviv und die israelische Staatsbürgerschaft, zuletzt wurde er auch in Portugal eingebürgert. Dies hat nun wiederum in Portugal Ermittlungen ausgelöst. Der Oberrabbiner von Porto ist in diesem Zusammenhang am Donnerstag festgenommen worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Lusa berichtete. Der Verdächtige habe vorgehabt, Portugal zu verlassen und nach Israel zu fliegen, hieß es. Der Rabbiner hatte unter anderem im Vorjahr die Einbürgerung von Abramowitsch und anderen Juden gebilligt, wobei er mutmaßlich Nachweise, dass es sich um Nachfahren von vertriebenen Juden handelt, illegal ausgestellt habe. In dem Verfahren geht es um Bestechung, Korruption, Geldwäsche und Urkundenfälschung. (sir)