Es wäre die Krönung seiner Karriere: Marko Arnautovic weiß um die Chance, spät in seinem Fußballer-Leben noch ein erstes Mal zu einer WM-Endrunde zu fahren. Es wird heuer wahrscheinlich seine letzte sein. "Ich werde im April 33, die WM ist alle vier Jahre. Jetzt ist die Zeit, dorthin zu gehen", sagte Österreichs Nationalstürmer am Dienstag, zwei Tage vor dem Play-off-Halbfinale am Donnerstagabend (20.45 Uhr/ORF1) in Wales. "Ich will da unbedingt dabei sein." Das habe er auch seinen Mitspielern, die seit Sonntagabend in Wien trainieren, vermittelt.

Wie lange er über eine mögliche WM hinaus noch für das Nationalteam spielen werde, konnte Arnautovic nicht beantworten. "Ich muss natürlich auch auf den Körper schauen, wie das alles mitspielt", meinte der 96-fache Internationale, der in den vergangenen Jahren nicht frei von Verletzungen blieb. Für Bologna hält er nach 27 Pflichtspielen bei 10 Toren. Nach seinem China-Solo-Abenteuer schätzt er das familiäre Umfeld nun umso mehr.

Die Motivation sei vor dem Wales-Spiel möglicherweise noch ein paar Prozent höher als sonst. Er und seine ÖFB-Kollegen würden die K.o.-Partie in dieselbe Kategorie wie das EM-Achtelfinale im Sommer gegen Italien (1:2 n.V.) einordnen. "Ich denke, dass wir da ein wirklich gutes Spiel absolviert haben", so Arnautovic. "Da war natürlich Euphorie, aber das ist noch einen Schritt drüber. Das ist die Weltmeisterschaft Leute, das ist das Maximum."

Bis zum Turnier in Katar (21. November bis 18. Dezember) hätte Arnautovic wohl den ÖFB-Rekordinternationalen Andreas Herzog (103 Länderspiele) abgelöst. "Für mich ist jedes Spiel wichtig, aber das jetzt hat natürlich einen anderen Wert", erklärte der Wiener am Tag vor dem Abflug nach Cardiff. "Man weiß: Wenn wir das Spiel gewinnen, haben wir einen Schritt nach vorne gemacht - dorthin, wo wir hinwollen." Die Entscheidung im Kampf um ein WM-Ticket würde bei einem Sieg im Juni in Wien gegen Schottland oder die Ukraine fallen.

Seine vor zwei Wochen durchgemachte Corona-Infektion bereitet Arnautovic indes keine Probleme mehr - auch wenn sich seine Stimme noch belegt anhört. "Alles gut, nur verkühlt", versicherte der Routinier. "Ich fühle, dass ich jeder Mannschaft noch helfen kann - ob das jetzt Bologna ist oder das Nationalteam. Ich will nach Wales, und ich will einfach dieses Spiel gewinnen." Von den Walisern erwartet er viele lange Bälle. "Wir wissen auch, dass die ihre Qualitäten haben", sagte der 32-Jährige. "Die werden laufen, kämpfen und alles dafür tun. Wir spielen auswärts, wissen, wie dort die Stadionlage ist." Die Heimfans werden ordentlich Stimmung machen, dennoch werde das ÖFB-Team versuchen, das eigene Spiel durchzuziehen. "Wir müssen unsere Stärken ausspielen, das Spielerische", meinte Arnautovic. "Wir haben gerne den Ball zwischen unseren Füßen."

In Katar nur in Topf 4

Fix ist indes, dass Österreich im Falle einer erfolgreichen Qualifikation bei der Gruppen-Auslosung aus dem vierten und letzten Topf gezogen würde. Ausschlaggebend dafür ist der Krieg in der Ukraine und die Verschiebung des Play-off-Finales auf Juni; die Auslosung erfolgt allerdings schon am 1. April in Doha - wenn erst 29 der 32 Starter feststehen (auch die Sieger der Interkontinental-Play-offs sind noch nicht ermittelt). Daher gibt es laut Fifa für die drei Nachzügler-Team Platzhalter-Lose im schwächsten Topf - und damit für diese starke Vorrundengegner.(may/apa)