Man kann ein Entscheidungsspiel wie jenes in alle Einzelteile zerhacken und analysieren - aufseiten der Verliermannschaft sind ohnedies acht Millionen Teamchefs eifrig am Werken. Vielleicht lässt sich das Ach und Weh um die erneut verpasste WM-Endrunde aber auch nur an einem Fallbeispiel als pars pro toto festmachen. Während der walisische Kapitän Gareth Bale aus zwei Gelegenheiten kraft seiner (Noch-)Weltklasse die zwei entscheidenden Treffer scort (Freistoß/Eckball), versagt sein rot-weiß-rotes Pendant David Alaba - bei Real im Gegensatz zu Bale hochgelobt (Ausnahme: Clasico) - genau bei diesen Standards kläglich. Während Bale seinen Freistoß herrlich ins Kreuzeck schlenzt (25.), landet jener Alabas, schwach und schlecht geschossen, in der Mauer; während der Waliser eine Corner-Variante mit etwas Glück zum 2:0 (51.) abschließt, sind die Eckstoß-Versuche von Alaba, wiewohl schusstechnisch hoch veranlagt, an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, respektive eröffnen dem Gegner sogar gefährliche Konter.

Daher ist nach dem enttäuschenden 1:2 des ÖFB-Nationalteams am Donnerstagabend in Cardiff der Katzenjammer wieder einmal gewaltig groß. Auch wenn es unfair ist, die Niederlage am nach Titeln größten Fußballer Österreichs festzumachen - solche K.o.-Matches auf gleichem Niveau werden meist von Einzelkönnern und durch Kleinigkeiten entschieden. Zentimeter waren es schließlich auch, die zur frühen rot-weiß-roten Führung durch Christoph Baumgartner fehlten, die - nach einhelliger Meinung - den Spielverlauf verändert und Österreich wahrscheinlich auf die Siegerstraße geführt hätte.

Auch wenn es eine ballestrische No-Na-Net-Plattheit ist - so einfach sollte man es sich nicht machen. Faktum ist, dass diese Elf voll großartiger Legionäre es nicht geschafft hat, eine biedere walisische Elf, die im Finish einzugehen schien, mit kreativen Offensivlösungen ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. In der EM-Form - insbesondere jener beim 1:0-Sieg über ähnlich starke Ukrainer - wäre der Aufstieg ins Play-off-Finale leicht möglich gewesen; diese Form, diese Eingespieltheit hat die ÖFB-Auswahl aber derzeit nicht. Und da kann Coach Franco Foda auch gar nicht viel dafür. Denn seine Einsergarnitur hat seit Juni nicht mehr zusammengespielt, die nachfolgenden Blamagen in der WM-Qualifikation sorgten für Verunsicherung, und mit ein, zwei echten Trainings vor dem Wales-Abflug kann kaum Essentielles eingeübt werden.

Erfolg gab Foda lange recht

Foda, dessen Vertrag mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem Test gegen Schottland am Dienstag ausläuft, kann und muss man aber sehrwohl vorhalten, dass er es schlicht nicht geschafft hat, seine auf dosierte Offensiv- und Pressinginitiative ausgerichtete Spielidee nicht der Mannschaft - bestehend aus vielen Einzelkönnern - erfolgreich vermittelt zu haben. Am Ende zählt nämlich nur das Ergebnis. Lange Zeit gab Foda der Erfolg (EM-Qualifikation plus Achtelfinalaufstieg, Nations-League-Gruppensieg) recht, nun ist es der Misserfolg, der Taten schafft. Den großen Bruch kann und wird es mit einem neuen Teamchef aber nicht geben - und wenn Marko Arnautovic an die EM-Chance 2024 denkt, wird auch er seine ÖFB-Karriere verlängern. Doch es wird die größte Herausforderung des Neuen werden, wie man mit den bestehenden Spielern endlich jenen Druck erzeugt, der für mehr Torchancen und mehr Tore nötig ist. Die hochbegabte "Generation Alaba" im ÖFB-Dress kann die besten Jahre noch vor sich haben.