Franco Foda wusste als Kenner des österreichischen Fußballs ganz genau, worauf er sich da einlässt, als er im Herbst 2017 den Teamchefposten antrat: Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt - so geht es eben zu in einem Land, das einmal (nicht nur im Fußball) groß war und ständig davon träumt, es irgendwann wieder zu sein. Eben noch EM-Held, schon WM-Loser - nach dem bitteren 1:2 gegen Wales im WM-Play für Katar 2022 ist der 55-jährige Deutsche nach rasanter Abwärtsfahrt in der Talsohle angekommen. Und nachdem er von besserwisserischen und wenig faktenorientierten Schreiberlingen gnadenlos niedergemacht wurde, auch persönlich am Ende mit dem Kapitel ÖFB. Sein 48. Länderspiel in Rot-Weiß-Rot wird auch sein letztes, der freundschaftliche Test gegen Schottland am Dienstagabend (20.45 Uhr/ORF 1) seine Abschiedsvorstellung sein. Denn der Mainzer ging am Montag in die Offensive und verkündete, keine Ambitionen auf eine Vertragsverlängerung zu haben. Selbst wenn diese Option ohnedies äußerst vage erschien.

Damit endet die Ära eines der erfolgreichsten Nationaltrainer, jedenfalls des erfolgreichsten in diesem Jahrtausend: Geschaffte EM-Qualifikation, erstmaliger Einzug in die K.o.-Runde, Gruppensieg und Aufstieg in der Nations League, Einzug ins WM-Play-off - das kann sich schon sehen lassen. Hinzu kommt der Prestigeerfolg über Deutschland beim Minimundus-Cordoba am Wörthersee (2:1/2018). In absoluten Zahlen hat Foda 27 seiner 47 Spiele als Teamchef gewonnen. Nur "Wunderteam"-Trainer Hugo Meisl hat mehr Siege eingefahren, nämlich 71. Beim Punkteschnitt - hochgerechnet auf die aktuell gültige Dreipunkteregel - liegt Foda mit Meisl sogar gleichauf auf Platz zwei im ÖFB-Ranking. Auf einen besseren Schnitt als die 1,83 Zähler pro Partie kam bisher nur der von 1978 bis 1981 amtierende Karl Stotz mit 1,88.

Demgegenüber steht das ziemlich desaströse Scheitern in der WM-Qualifikation mit Gruppenrang vier, zwei Qualifikations-Debakeln in Israel und ganz generell ein wenig erbaulicher Spielstil, der es seinen Kritikern im Abgang leicht macht, nachzutreten. Tatsache ist, dass Foda es nicht geschafft hat, das vorhandene Potenzial der Legionärs-Elf vollständig zu heben und er mit seinen taktischen Vorgaben nicht immer die ganze Mannschaft erreicht haben dürfte. Ob das alte Lied von den Pressing-Wünschen à la Red-Bull-Schule und vom Team-Aufstand vor der EM nun stimmt oder nicht, ist eigentlich sekundär - wenn der Chef seine Spieler nicht mehr vollends erreicht und begeistern kann, ist es Zeit, Servus zu sagen. Und das tut Foda nun von sich aus. "Wir haben uns nicht für die WM qualifiziert. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung", betonte Foda beim ÖFB-Pressetermin, nachdem er zuvor die Mannschaft über seinen Entschluss instruiert hatte. "Ich war mit großer Ehre und voller Stolz Nationaltrainer."

Keine Schuld bei anderen

Foda bedankte sich bei seinen Spielern für die vergangenen viereinhalb Jahre. "Die waren wunderbar." Unterm Strich gebe es "eine positive Statistik", betonte der ehemalige Sturm-Graz-Coach. "Wir waren teilweise sehr erfolgreich, leider aber mit einem nicht so guten Ende, weil wir unser großes Ziel, die WM in Katar, nicht erreicht haben." Anders als so mancher gescheiterte Vorgänger übte er durchaus auch Selbstkritik: "Ich bin schon immer jemand gewesen im Leben, als Spieler und als Trainer, der Verantwortung übernommen hat. Von mir gibt es keine Schuldzuweisungen." Mit seiner Entscheidung hoffe er, dass nun Ruhe einkehre. "Es war von meiner Seite sehr emotional", berichtete Foda vom Gespräch mit den Spielern. "Es war für mich eine große Ehre, hier als Deutsch-Österreicher, als der ich mich bezeichnen würde, mal als Nationaltrainer tätig zu sein - in dem Land, ich dem ich mich sehr wohlfühle."

Stürmer-Routinier Marko Arnautovic sprach von einem Schock. "Wir sind geschockt, es war keine Besprechung ausgemacht heute", schilderte der 32-Jährige das von Foda verkündete Aus. "Wir müssen die Entscheidung respektieren - vom ÖFB und vom Trainer." Er habe ein sehr gutes Verhältnis zu Foda. "Die Zeit war für mich persönlich überragend. Wir haben immer sprechen können, es ist nicht immer nur um Fußball gegangen. Es zeichnet ihn aus, dass er immer Charakter gezeigt hat."

Der Rahmen für Fodas Abschiedsgala passt freilich nicht: Bei knapp 5.000 abgesetzten Karten droht ein Länderspiel-Minusrekord für Wien; die Latte liegt bei 6.200 Fans (1987/Rumänien). Die eben überwunden geglaubte Geisterspiel-Ära kehrt also mit einem Mal zurück.