Es waren einige herzliche Umarmungen dabei - vor allem für seine Spieler. Und dann auch einige verbale Watschen Richtung seiner Kritiker: Franco Foda hat sich am Dienstagabend mit der Überzeugung vom österreichischen Nationalteam verabschiedet, in seinen viereinhalb Jahren als Teamchef vieles richtig gemacht zu haben. Seinem bis Ende April bestellenden Nachfolger wollte der Deutsche keine Tipps mit auf den Weg geben. Stattdessen betonte er sein Vertrauen in den ÖFB, bei der Teamchef-Suche die richtige Wahl zu treffen.

"Ich habe viel gelernt, auch menschlich", sagte Foda nach dem 2:2 in seinem Abschiedsspiel gegen Schottland. "Es waren tolle viereinhalb Jahre." Dass sie zu Ende gehen, hatte er am Montag schon kurz vor dem Vertragsende mit 31. März verkündet, nachdem eine Vertragsverlängerung nach dem WM-Play-off-Aus ohnedies unwahrscheinlich war. "Es war eine Entscheidung von mir, das war spontan", betonte Foda.

Nachfolgekandidaten gibt es einige - allen voran Peter Stöger, zumal dieser als einziger Österreicher internationale Erfolge vorweisen kann und aktuell ohne Ablöseforderungen zu haben wäre. Zuletzt habe der ÖFB bei der Teamchef-Wahl die richtigen Entscheidungen getroffen, so Foda: "Bei Marcel Koller, weil man sich das erste Mal für eine EM qualifiziert hat. Sie haben auch bei Franco Foda richtig entschieden, weil er bei der EM war und das erste Mal im Achtelfinale. Er hat auch die Nations-League-Gruppe gewonnen. Wir haben es aber beide nicht zur WM geschafft, deswegen gibt es eine Neuausrichtung. So ist der Fußball."

Seinem Nachfolger steht Anfang Juni gleich die Feuertaufe in der obersten Kategorie der Nations League bevor - mit Duellen gegen den Welt- (Frankreich) und Vizeweltmeister (Kroatien). Vorher gelte es die Zeit zu nutzen, meint der 55-jährige Deutsche. "Jetzt ist auch wichtig, dass man den ÖFB in Ruhe arbeiten lässt. Nicht dass jemand eine Bühne bekommt, um seinen Senf dazuzugeben", giftete Foda in Richtung diverser als TV-Experten tätiger Ex-Internationaler. Nach jener von Marc Janko stieß sich der langjährige Sturm-Coach explizit an der Kritik von Florian Klein und Roman Mählich.

Dieser Rundumschlag passte freilich nicht ganz ins Bild eines Abgangs als Gentleman, es dürfte aber einiges an aufgestautem Frust in Foda gebrodelt haben, der schließlich in der Emotion rausmusste. Insbesondere gegenüber ORF-Mann Mählich, der schon mehrmals die Spielanlage kritisiert hatte, wurde Foda untergriffig. "Das ist der Unterschied von einem Trainer, der schon etwas erreicht hat, gegenüber Roman Mählich, der weniger erreicht hat. Ich bin kein Ratgeber für meinen Nachfolger. Mein Nachfolger hat die Qualität, um eigene Entscheidungen zu treffen." Ob er selber als (künftiger?) TV-Experte "keine Trainer kritisieren" würde, wird sich freilich erst weisen. Um die Zukunft des Teams macht sich Foda die allerwenigsten Sorgen, weil genug nachkomme und der Stamm intakt sei. "Es sind viele junge Spieler, die werden sich weiterentwickeln." Allerdings würden die Gegner ihr Spiel gegen Österreich mittlerweile noch defensiver anlegen. "Da musst du Lösungen finden. Das ist so der nächste Step."

"Absurde Märchen & Mythen"

Dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer immer intakt gewesen sei - entgegen anderslautenden Medienberichten - wurde am Tag von Fodas Abschied auch mehrfach betont. "Wenn man vor dem Spiel in der Kabine war, würden sich einige Märchen und Mythen der letzten Jahre ad absurdum führen. Nach dem Spiel war minutenlanger Applaus, es waren gerührte Menschen. Das sollten die Leute auch wissen, die permanent behauptet haben, es gibt Probleme zwischen Mannschaft und Teamchef", berichtete Sportdirektor Peter Schöttel, der in den kommenden Wochen dem ÖFB-Präsidium mehrere Teamchef-Kandidaten vorschlagen will.

Und Aleksandar Dragovic, der bei seinem 100. Länderspiel die Kapitänsschleife tragen durfte, hätte Foda gerne ein Abschiedsgeschenk bereitet: "Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen für den Trainer, der die meiste Kritik einstecken hat müssen."