Während am Freitagabend die Gruppen für die Fußball-WM in Katar ausgelost werden, nutzten Gegner der umstrittenen Winter-WM im Wüstenemirat diesen Anlass, um ihre Kritik noch einmal zu verstärken. So sorgte am Freitag der Künstler Volker-Johannes Trieb in Zürich für Aufsehen, indem er vor der Fifa-Zentrale 6.500 mit Sand gefüllte Fußbälle ablud. Bedruckt waren die Bälle mit dem Zitat "Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande". Es seien noch weitere Aktionen geplant, hieß es in einer Mitteilung. Gesammelt werden auch Spenden, "die den Menschen in den Ländern der Getöteten zu Gute kommen".

Der WM-Gastgeber steht praktisch seit der Vergabe Ende 2010 wegen der Menschenrechtslage und der Bedingungen für ausländische Arbeiter in der Kritik. Im Mittelpunkt stand und steht das sogenannte Kafala-System, das Arbeitnehmern aus dem Ausland praktisch alle Rechte nimmt. Laut der Zeitung "Guardian" sind seit der Vergabe mehr als 6.500 Arbeiter aus Südostasien gestorben.

Tags zuvor beim Fifa-Kongress in Doha hatte sich die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness ein Herz gefasst und die Zustände in der Fifa wie in Katar coram publico angeprangert. "Die Fifa muss als Vorbild agieren", forderte sie. Die WM 2022 sei im Jahr 2010 unter "inakzeptablen Umständen und mit inakzeptablen Konsequenzen" vergeben worden, sagte Klaveness und stellt damit durchaus infrage, ob der Weltverband aktuell überhaupt als Vorbild agiere.

An Infantino perlte die interne Kritik ab - er verwies auf OK-Chef Hassan Al-Thawadi und die angeblich großen Menschenrechts-Fortschritte. "Frau Präsidentin kommt in unser Land und hat nicht versucht, uns zu kontaktieren und hat nicht versucht, einen Dialog zu starten", konterte Al-Thawadi zudem Richtung Norwegen. Das wollte Klaveness so nicht stehen lassen: "Es ist nicht richtig. Wir hatten vorher mehrere Gespräche mit dem Supreme Committee (OK, Anm.), wir haben alles dazu gelesen", sagte sie und verwies auf verbündete Länder, "die unsere ethischen Standpunkte teilen". Die sich allerdings auf der großen Bühne nicht ebenso aus der Deckung wagten, wie die Ex-Internationale.

Der WM-Zug Richtung Katar ist ohnedies längst abgefahren. Und die Propagandamaschine des Weltfußballverbandes läuft schon auf Hochtouren. Infantino, der 2023 zur Wiederwahl antreten will und die Stimmen aus Asien benötigt, meinte in Doha allen Ernstes: Die im November beginnende WM werde "die beste Weltmeisterschaft der Geschichte, die größte Show der Welt".