Ein Finale kann auch nicht prominenter besetzt sein: Denn mit Titelverteidiger Chelsea und Rekordsieger Real Madrid treffen zwei Giganten des europäischen Klubfußballs am Mittwochabend (21 Uhr/Sky, Dazn) in der Champions League aufeinander - allerdings schon im Viertelfinale. Während die Londoner in der vergangenen Dekade zwei Mal den Henkelpokal erobern konnten, gelang dies dem 13-fachen Champion aus der spanischen Kapitale nicht weniger als vier Mal. Und da die Blues im Vorjahr (im Halbfinale) die Hürde aus Madrid meisterten, ist das Gipfeltreffen heuer umso brisanter, denn David Alaba und Co. schicken sich an, den Spieß wieder umzudrehen.

Der Londoner Kultklub empfängt die Madrilenen freilich in turbulenten Zeiten: Während das weiße Ballett in LaLiga ungeachtet der herben Niederlage im Clasico Richtung Titel marschiert, kassierten die Engländer nach unruhigen Wochen wegen der Sanktionen gegen Besitzer Roman Abramowitsch auch sportlich einen empfindlichen Rückschlag. Nach dem 1:4 gegen Brentford am Wochenende hat Chelsea den Anschluss an Manchester City und Liverpool hinsichtlich Meistertitel endgültig verloren. Als neues Saisonziel baut sich darob die Titelverteidigung in der Champions League auf.

Coach Thomas Tuchel weiß jedenfalls, wie es ginge: "Es ist eine große Aufgabe, aber es gibt auch eine Vorfreude. Wir wissen, was auf uns zukommt", sagte der Deutsche. 1:1 und 2:0 lauteten im Vorjahr die Ergebnisse im Halbfinale gegen den 13-fachen Bewerbsieger. Der Deutsche ist zudem der einzige Trainer der Welt, der mit seinen Mannschaften gegen Real sechsmal in der Champions League angetreten ist - und dabei kein Spiel (zwei Siege, vier Remis) verloren hat.

Treibende Kraft bei Chelseas Königsklassen-Coup war im Vorjahr N’Golo Kante. Der französische Mittelfeldmotor wird auch am Mittwoch versuchen, insbesondere die Kreise von Evergreen Luka Modric zu stören. Bei Real ist wiederum ein anderer Franzose der Schlüsselspieler: Karim Benzema agiert seit Monaten in Hochform und schoss sein Team zuletzt vom Elferpunkt zum knappen 2:1-Sieg bei Celta. 24 Tore in der Liga und 8 in der Champions League hat der 34-Jährige bisher erzielt. Alleine drei davon im furiosen Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain. Benzema sah die Ausgangslage komplett offen. "Es gibt keinen Favoriten. Wie bei PSG gegen Real: Wir waren vor dem Hinspiel vielleicht Favorit, sie waren vor dem Rückspiel ein Ultra-Favorit. Das heißt also gar nichts", sagte der Stürmer gegenüber der "L’Equipe".

Madrids Trainer Carlo Ancelotti arbeitete von 2009 bis 2011 für Chelsea und holte dabei einmal die Meisterschaft (2010). Ob oder wann der Italiener nach seiner Corona-Infektion die Reise nach London antritt, war allerdings offen. Am Dienstag saß er einmal nicht im Flieger, es wurde spekuliert, dass Ancelotti eventuell am Matchtag anreisen könnte. In Vigo wurde er von seinem Sohn Davide vertreten. Da der 32-Jährige nicht die nötige Lizenz besitzt, fungierte Analyst Abian Perdomo offiziell als Cheftrainer.

Bayern wollen gelbes Schifferl versenken

Im zweiten Hinspiel tritt der FC Bayern am Mittwochabend (21Uhr/Servus-TV) bei Villarreal an. Beim deutschen Rekordmeister heißt die personifizierte Torgarantie Robert Lewandowski. Der Weltfußballer führte die Trefferliste vor den Viertelfinalspielen mit zwölf Toren an - und soll auch in Spanien wieder zuschlagen. Die Favoritenrolle gegen Villarreal nahm der deutsche Serienmeister an: Den Gegner gelte es zwar erst einmal zu knacken, betonte Julian Nagelsmann. "Trotzdem bin ich guter Dinge, dass wir uns durchsetzen", meinte Bayerns Trainer. "Es ist kein Problem für uns, der Favorit zu sein, wir sind gut vorbereitet." Nachdem der rote Bulle (Salzburg) im Achtelfinale gezähmt wurde, soll nun quasi das gelbe Schifferl von den Bayern versenkt werden. Das "Submarino Amarillo" (gelbe U-Boot), wie der Klub aus der Kleinstadt nahe Valencia genannt wird, spielt aber nur zu gern gegen große Namen. Im Vorjahr besiegte das Team von Trainer Unai Emery im Finale der Europa League Manchester United und holte so den ersten großen Titel der 99-jährigen Vereinsgeschichte.

Der Lauf setzte sich nahtlos in der Königsklasse fort: Nachdem die Spanier in der Gruppe Atalanta Bergamo und Young Boys Bern hinter sich gelassen hatten, war im Achtelfinale Juventus Turin dran - die Italiener wurden nach einem 1:1 in Villarreal mit dem 3:0 in Turin aus dem Bewerb gefegt. Spaniens Teamstürmer Gerard Moreno hofft, dass man gegen die Bayern "wieder Geschichte schreiben" wird: "Wir wissen natürlich, dass uns ein Favorit zugelost wurde, eine der besten Mannschaften der Welt. Aber gegen Juve dachten auch alle, wir würden untergehen." Doch das gelbe U-Boot schwamm weiter obenauf.(may/apa)