Für den österreichischen Trainer Oliver Glasner ist es "das größte Spiel meiner Karriere". Vor Eintracht Frankfurt baut sich am Donnerstag im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League (21 Uhr/Servus-TV) nämlich der FC Barcelona auf. ÖFB-Abwehrrecke Martin Hinteregger darf sich gegen Pierre-Emerick Aubameyang, Ferran Torres und den erstarkten Ousmane Dembele beweisen. Von den nach miserablem Saisonstart in der Meisterschaft zurückliegenden Katalanen ist jedenfalls keine Schonung zu erwarten, haben diese doch bereits klargemacht, dass sie eine ansonsten titellose Saison mit dem Gewinn der Europa League retten möchten.

Die Eintracht will sich wie vor drei Jahren für das Halbfinale des zweithöchsten europäischen Klub-Bewerbs qualifizieren. Den Lauf von damals, als die Frankfurter unter Adi Hütter unter anderem Benfica Lissabon und Inter Mailand besiegten, will Glasner nun nicht groß thematisieren. Die Hürde Barcelona sah der Oberösterreicher als hoch, aber machbar an: "Wir spielen bisher eine hervorragende Saison in der Europa League, sind ungeschlagen. Wir hoffen, dass es noch nicht zu Ende ist." Womit das "größte Match" der Karriere für Glasner womöglich erst bevorsteht.

Übrigens sieht sich der ehemalige LASK- und Wolfsburg-Coach auch nicht bereit für den ÖFB-Teamchefposten. Einerseits fühle er sich noch zu jung, andererseits habe er in der Main-Metropole einen aufrechten Vertrag zu erfüllen, beteuerte er gegenüber Servus-TV. Die Krönung der Trainer-Karriere mit dem rot-weiß-roten Teamchef-Sessel werde also fix anderen zuteil, so Glasner.

Das Match am Donnerstag elektrisiert jedenfalls die Fanmassen: Für das Heimspiel hat der Klub 300.000 Ticketanfragen erhalten. Viele Anhänger wollen unbedingt auch zum Rückspiel am 14. April ins Camp Nou, die Eintracht rechnet für die Partie am Gründonnerstag mit bis zu 25.000 Mitreisenden - bei offiziell 5.000 im Stadion zugelassenen Auswärtsfans. Die Euphorie ist gewaltig. "Da gilt es auch kühlen Kopf zu bewahren", warnte Kapitän Sebastian Rode vor zu viel Übermut auf dem Rasen.

"Werden viel laufen müssen"

Glasner hielt bei all den Fragen zur Strahlkraft des Gegners eines fest: Die Eintracht will nicht nur defensiv agieren. "Wir wollen nicht nur auf den letzten 30 Metern verteidigen, sondern unsere Stärken einsetzen, die wir haben", betonte der 47-Jährige. Eines sei aber klar: "Wir werden sicher viel laufen müssen." Nicht mitwirken wird Stefan Ilsanker, der zweite österreichische Internationale bei Frankfurt wurde im Frühjahr nicht für die Europa League genannt. Ilsankers Vertrag bei den Hessen läuft im Sommer aus.

Die unter Trainer Xavi und nach millionenschweren Investitionen im Winter wiedererstarkten Katalanen wollen nach dem schier uneinholbaren Rückstand auf Real in der heimischen Liga zumindest auf der zweithöchsten Europacup-Bühne glänzen. Den Uefa-Cup gewann Barcelona zudem nie, mit einem Sieg im Nachfolger-Bewerb wäre das historische Triple nach Titelgewinnen in der Champions League (Meistercup) und im nicht mehr ausgespielten Cup der Cupsieger perfekt. Gegen Frankfurt vertraut Xavi auch wieder auf einen Starspieler, der im Winter noch als Persona non grata in Katalonien galt. Ousmane Dembele erhält wieder Applaus im Camp Nou und untermauerte zuletzt seinen Wert in der Offensive. Auch eine Vertragsverlängerung mit dem Franzosen über den Sommer hinaus scheint wieder vorstellbar.(may/apa)