Als das Viertelfinal-Los der Bayern auf den FC Villarreal fiel, lachte man sich an der Säbener Straße noch (heimlich) ins Fäustchen. Schließlich hätte der Gegner in der Runde der besten Acht Europas auch Real Madrid, Liverpool oder Manchester City heißen können; und schließlich stand die Glücksfee schon bei der Achtelfinal-Ziehung mit Red Bull Salzburg Pate, das nach einem mühevollen 1:1 in Österreich daheim mit 7:1 aus der Allianz-Arena gefegt wurde. Dass nach einem schwachen Champions-League-Auftritt auswärts am Dienstag (21 Uhr/Sky, Dazn) neuerlich ein furioser Fußballabend folgt und dabei das gelbe U-Boot aus Spanien versenkt wird - das ist zumindest die große Hoffnung der Bayern. Wenn nicht, ist die Blamage für den sechsfachen Champion dieses Europacupbewerbs jedenfalls perfekt. Denn spanischer Spitzenklub hin, amtierender Europa-League-Sieger her - gegen Villarreal auszuscheiden, ist im Mia-san-Mia-Reich gewissermaßen denkunmöglich.

Doch es wäre für den deutschen Serienmeister schon zum zweiten in Folge, dass im Viertelfinale Schluss ist. Im Vorjahr war für den damaligen Titelverteidiger die Startruppe von PSG eine Nummer zu groß. Diesmal gilt es, ein schmeichelhaftes 0:1 aus Castellon aufzuholen. "Das sind Spiele, die uns reizen", betonte Bayern-Goalie Manuel Neuer. "Wir haben viele Fehler gemacht im Hinspiel. Sie haben einen gemacht, dass sie uns am Leben gelassen haben - und das sollten wir bestrafen", ergänzte Coach Julian Nagelsmann. Eine entscheidende Rolle soll auch das Publikum in der mit 70.000 Zuschauer ausverkauften Allianz-Arena spielen. "Wir spielen zu Hause, sind ein bisschen angespornt, wollen das nutzen", sagte der 36-jährige Neuer, der zuversichtlich ist, dass man wenige Tage nach der 1:0-Plagerei in der Bundesliga gegen Augsburg in das angestrebte Halbfinale einziehen werde.

Villarreal hat da naturgemäß einiges dagegen. "Es wird ein ganz anderes Spiel als das Hinspiel", sagte Trainer Unai Emery, der darauf baut, dass sein Team den nächsten Entwicklungsschritt erfolgreich umsetzen kann. Es gehe um "Gelassenheit" und darum, mit Widerständen klarzukommen. "Um eine Chance zu haben, zu gewinnen, muss man sich diesen Schwierigkeiten widersetzen", bekräftigte Emery, dessen Team in Europa zuletzt drei Auswärtssiege en suite landete - unter anderem im Achtelfinale gegen Juventus (3:0). Der erste Aufstieg ins Champions-League-Halbfinale seit 2005/06 soll als Außenseiter fixiert werden. "Bayern ist immer noch Favorit. Wir haben es mit Gegnern zu tun, die zu den Besten der Welt zählen", betonte Stürmer Gerard Moreno.

Chelsea mit Funken Hoffnung

Im zweiten Viertelfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und Chelsea steht der Titelverteidiger schon mit dem Rücken zur Wand, zumal man ein 1:3 aus London aufholen muss. "Wir haben nicht gerade die besten Chancen, wenn man das Hinspiel-Ergebnis betrachtet, den Wettbewerb, unseren Gegner und das Stadion", sagte Chelsea-Trainer Thomas Tuchel. "Aber unser Einsatz richtet sich nicht danach, wie die Chancen auf ein Ergebnis sind." Nachsatz: "Es ist unwahrscheinlich, aber es ist es wert, es zu versuchen."

Doch die Königlichen um Goalgetter Karim Benzema, die in Spanien souverän den Titel vor Augen haben, müssten schon einen rabenschwarzen Tag erwischen. Real-Coach Carlo Ancelotti forderte von David Alaba und Co. jedenfalls vollste Konzentration ein. "Chelsea wird alles geben, denn große Klubs geben nie auf."(may)