Eine Blamage ist eine Blamage ist eine Blamage. Nach dem bitteren Ausscheiden des FC Bayern im Viertelfinale der Champions League gegen den besseren spanischen Durchschnittsklub FC Villarreal wird von den Gazetten am Weißwurstäquator wieder das B-Wort bemüht - zumal es schon nach der 0:1-Auswärtspleite wie ein Damoklesschwert über der Elf von Julian Nagelsmann hing. Nach dem 1:1 vom Dienstagabend in München ist die Blamage in Rot-Weiß-Blau nun also perfekt. Und damit der Lack des neuen, jungen Startrainers beim deutschen Serienmeister ab. Denn statt die Titelfestspiele unter Hansi Flick fortzusetzen, gibt es heuer maximal ein Mal etwas zu feiern - die deutsche Meisterschaft -; eindeutig zu wenig für die hohen Ansprüche an der Säbener Straße. "Ich glaube nicht, dass das für Bayern ausreichend ist", stellte auch Nagelsmann nüchtern fest.

Auf den 34-Jährigen, der im Sommer aus Leipzig gekommen war, wartet nun eine eher ungemütliche Zeit mit vielen medial ausgetragenen Diskussionen. Und will Nagelsmann nicht das Schicksal von Niko Kovac ereilen, wird er kommende Saison rasch liefern und vor allem konstant erfolgreichen Fußball bieten müssen. "Er muss sich auf den rauen Wind beim FC Bayern einstellen", prophezeite bereits Bayern-Legende Lothar Matthäus im Sky-TV-Studio. Bei seiner 25. Champions-League-Teilnahme scheiterte der FC Bayern zum achten Mal im Viertelfinale. Und das schon zum zweiten Mal nacheinander. Anders als im Vorjahr lautete der Gegner aber nicht PSG, das mit Unsummen an Petrodollars eine Starelf zusammengekauft hat; der Gesamtmarktwert des amtierenden Europa-League-Siegers Villarreal beträgt etwa nur die Hälfte jenes von Bayern. "Villarreal ist halt vom Namen her eigentlich nicht der Gegner, wo man ausscheiden darf", urteilte Matthäus.

Doch das "gelbe U-Boot" verteidigte über weite Strecken geschickt und brachte die Bayern-Offensive zur Verzweiflung; und nutzte dann im Finish (88.) durch Samuel Chukwueze einen der wenigen Konter zum Ausgleich. Damit wurden die Saisonziele der Bayern klar verfehlt: "Wir sind im Cup ausgeschieden, in der Champions League ausgeschieden. Das Semifinale war immer ein bisschen das Minimalziel, und das haben wir nicht geschafft", bilanzierte Nagelsmann. Vorstandschef Oliver Kahn nahm aber die Spieler in Schutz. "Mehr Einsatz und Wille, als die Mannschaft gezeigt hat, geht kaum", befand der frühere Welttorhüter, der schon in die nächste Königsklassen-Saison blickte. "Wir werden deswegen nicht in Tränen ausbrechen."

Die große Frage ist, was im Sommer in Sachen Transfers in München passiert. Die Verträge der Topspieler Thomas Müller, Robert Lewandowski, Manuel Neuer und Serge Gnabry laufen aus. Einige, wie Lewandowski eventuell Richtung Barcelona, wollen den Klub verlassen. Ob ÖFB-Spieler Marcel Sabitzer, der kaum zu Einsätzen kommt, bleibt, ist offen.

Alaba mit Real im Semifinale

David Alaba muss sich mit derlei Sorgen nicht mehr rumschlagen: Der langjährige Bayern-Verteidiger erlebte vielmehr mit Real Madrid eine Fußball-Sternstunde. Trotz einer 2:3-Niederlage nach Verlängerung im Retourspiel gegen Chelsea zog der Königsklassen-Rekordsieger ins Halbfinale ein. "Der Fußball schreibt oft kranke Geschichten. Und heute war es wieder einmal so eine", kommentierte der ÖFB-Teamspieler die turbulente Partie auf Weltklasse-Niveau. Nach 0:3-Rückstand gegen die Londoner brachte Rodrygo (80.) die Königlichen in die Extra-Time, ehe dort der überragende Karim Benzema per Kopf (96.) den Aufstieg fixierte.(may)