In Jahr eins nach Messi hat der FC Barcelona über Monate Schauderhaftes gezeigt. Chancenlos in der Champions League, nur im Mittelfeld der spanischen Liga, ein einziges Trauerspiel. Aber dann kam Xavi. Seit Dezember ist der stolze wie erfolgsverwöhnte Klub wie verwandelt, das Clásico gegen Real wurde sogar 4:0 gewonnen und die Europa League schien nach Aufstiegen gegen Napoli und Galatasaray in dieser Saison mehr als nur ein Trostpreis. Aber dann kam Frankfurt. Im Viertelfinale gewann die Eintracht das Rückspiel im Camp Nou mit 3:2 und steht im Halbfinale. 

Für den österreichischen Trainer Oliver Glasner, für den es nach seinem Wechsel von Wolfsburg nur so mittelprächtig läuft, ist der Erfolg in Barcelona der größte Erfolg seiner Laufbahn. Und er war so verdient wie er aufgrund der zuletzt gezeigten Form der Katalanen auch überraschend war. Doch auch beim 1:1 im Hinspiel hatte Frankfurt etliche Chancen herausgespielt, war aber nicht sehr effektiv im Abschluss. Das war in Barcelona anders und ein entscheidender Faktor. Auch das frühe 1:0 durch Filip Kostic per Elfer nach einer schlampigen Abwehraktion half.

Traumtor zum 2:0


Barcelona dominierte mit dem Ball wie gewohnt, aber die von ÖFB-Teamspieler Martin Hinteregger dirigierte Frankfurter Abwehr blieb konzentriert, nach Ballgewinnen war die Eintracht selbst auch immer wieder gefährlich. Nach dem Elfergeschenk war das 2:0 dann ein Tor, wie es entweder nur im Training oder an ganz besonderen Abenden gelingt. Der Kolumbianer Rafael Santos Borré traf mit einem Strich aus 25 Metern zum Schock Barcelonas.

Den dritten Treffer besorgte wieder der starke Kostic nach einem Konter mit einem Flachschuss. Davor hatte Barcelona ein wenig Pech, als bei einem vermeintlichen Handspiel im Strafraum der VAR-Monitor ausfiel. Der Schiedsrichter gab keinen Elfer, unklar war, ob sich der Videoreferee eingeschaltet hatte. Nach dem 3:0 stürmte Barcelona wie wild, aber auch irgendwie. Sergio Busquets traf zwar zum 1:3 in der (sehr langen) Nachspielzeit und Memphis Depay zu 2:3 in der 101. Minute (kein Fehler!), am Aus für Barcelona änderte das nichts.

Auch Leipzig im Halbfinale


Statt Barcelona hat nun Eintracht die große Chance auf den europäischen Coup. Im Halbfinale wartet nun West Ham United, der letzte verbliebene englische Klub. Frankfurt hat einmal, 1980, den Uefa-Cup gewonnen, West Ham reüssierte im Cup der Cupsieger im Jahr 1965. Ebenfalls im Halbfinale steht RB Leipzig, das sich gegen Atalanta Bergamo behauptete (2:0), wobei Konrad Laimer den ersten Treffer vorbereitete. Im Halbfinale trifft Leipzig auf die Glasgow Rangers (2:1 gegen Braga).

In der erstmals ausgetragenen Conference League lauten die Halbfinali Feyenoord gegen Marseille und Leicester City gegen AS Roma, das die überraschende Niederlage gegen Bodö/Glimt aus Norwegen spektakulär korrigierte und 4:0 gewann. (sir)