Wer vor der Saison geglaubt hat, diesmal wäre die extrem junge, unerfahrene und mit der Champions-League-Teilnahme ge- und überforderte Salzburger Elf in der Meisterschaft fällig, der wird spätestens an diesem Sonntag eines Besseren belehrt. Denn statt - wie insbesondere die Konkurrenz aus Graz und Wien gehofft hatte - einmal ein Durchhänger-Jahr zu erleben, ist (wieder einmal) das genaue Gegenteil eingetreten. Der am Sonntag griffbereite, neunte Meisterteller in Serie brächte sogar neue Maßstäbe im heimischen Liga-Kick. Erst ein Mal, nämlich als in der Saison 2013/14 der Erfolgslauf der Bullen-Truppe begann, stand der Meister schon in Runde 28 fest; noch nie jedoch seit der Liga-Reform (2018) mit Punkteteilung und Trennung in oberes (Meistergruppe) und unteres Play-off (Qualifikationsgruppe).

Auch wenn sich die Saisonen nur bedingt vergleichen lassen (damals gab es in der Zehnerliga ja 36 Runden, nunmehr 32) - nach Verlustzählern ist die Elf von Matthias Jaissle aktuell auf Rekordkurs: Denn bisher gab es für die Salzburger erst eine Niederlage (in Klagenfurt) und lediglich vier Remis.

Am Sonntag (14.30 Uhr/Sky) gegen die Wiener Austria möchte der Serienchampion gewiss nichts anbrennen lassen und sich vor Heimpublikum endgültig den begehrten Teller sichern - zumal die Partie ausverkauft ist (was bei Bundesliga-Matches selten der Fall ist). "Wir sind hoch motiviert und wollen uns am Sonntag vor den eigenen Fans krönen", stellte Coach Jaissle unmissverständlich klar.

Statistisch gesehen kann auch nichts schiefgehen, denn in bisher 33 Heimspielen gegen die Austria gab es seit 2005/06 lediglich drei Niederlagen; Andreas Ulmer und Co. sind zudem gegen die Violetten seit elf Spielen ungeschlagen - und das bei zehn vollen Erfolgen. Der April-Titel ist dann fix, wenn Sturm (um 17 Uhr zu Gast in Hütteldorf) am Sonntag nicht mehr Punkte holt als die Salzburger.

Karim Adeyemi zum BVB

Wie gewohnt mahnte Jaissle seine Truppe aber zu vollster Konzentration. "Dass es kein Selbstläufer wird, das hat man im letzten Spiel gesehen", meinte er im Rückblick auf den dank Joker Luka Sucic (78.) relativ spät fixierten 2:1-Sieg am vergangenen Sonntag in Favoriten. "Die Austria ist nicht zu unterschätzen. Hut ab, sie machen es sehr gut mit ihren Mitteln", befand der 34-jährige Deutsche, der am Sonntag auch seinen ersten Titel als Trainer einfahren könnte.

Auch für den Verein sei noch kein Sättigungsgefühl zu bemerken. "Die Wertigkeit ist extrem hoch, das wird immer wieder unterschätzt", sagte Jaissle, dessen Truppe heuer mit dem Champions-League-Achtelfinale einen Meilenstein im österreichischen Fußball gesetzt hatte. "Es ist der ehrlichste Titel, auch mit der Punktehalbierung. Die Motivation und die Wertschätzung gegenüber dem Titel ist extrem hoch."

Für Austria-Coach Manfred Schmid ist vor dem schweren Gang nach Wals-Siezenheim eines klar: "Salzburg steht zu Recht kurz vor dem Titel", sagte der Wiener, wollte aber nicht "für die Meisterfeier Spalier" stehen."

Doch so sicher, wie Ulmer und Co. am Ende die Trophäe stemmen, so sicher wird die Salzburger Elf zum Beginn der neuen Saison eine gänzlich andere sein. Mit Jerome Onguene (Frankfurt) und Zlatko Junuzovic (Vertrag nicht verlängert) stehen zwei fixe Abgänge bereits fest. Auch Mohamed Camara und Rasmus Kristensen stehen bei ausländischen Top-Klubs hoch im Kurs. Das Salzburger Juwel schlechthin ist freilich Stürmer Karim Adeyemi, der laut Sport 1 bereits mit Borussia Dortmund einig sein soll - als Nachfolger von Erling Haaland. Die kolportierte Ablösesumme für den DFB-Teamspieler soll bei rund 40 Millionen Euro liegen. Auch das wäre Rekord für den österreichischen Fußball.(may)