Noch vor wenigen Tagen schien es so, als laufe es auf ein Duell Schweiz gegen Österreich hinaus: Die Entscheidung über den neuen ÖFB-Teamchef habe sich auf den 65-fachen ÖFB-Teamspieler und Austria-Legende Peter Stöger und Vladimir Petkovice, den ehemaligen Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, zugespitzt. Doch kurz vor der Zielgeraden tauchte erneut ein Name auf, der schon einmal die Runde machte: Am Donnerstagabend meldete der "Kurier", der Deutsche Ralf Rangnick könne das Rennen machen. Wie auch immer: Am Freitag ist auf der ÖFB-Präsidiumssitzung in einem Wiener Hotel Lostag. Sportdirektor Peter Schöttel wird dem ÖFB-Präsidenten Gerhard Milletich seinen Wunschkandidaten vorschlagen, um sich anschließend (hoffentlich) den Segen der Landespräsidenten abzuholen.

Was spricht nun für beziehungsweise gegen die Anwärter?

Ralf Rangnick. 63, arbeitet noch bis Saisonende als Interimscoach von Manchester United, seine Nachfolge tritt im Sommer der Niederländer Erik ten Hag an. Davor war er unter anderem bei Stuttgart, Hannover, Schalke, Hoffenheim und RB Leipzig tätig. Im Sommer 2012 wurde er Sportdirektor bei Red Bull Salzburg und legte in den darauffolgenden drei Jahren den Grundstein für den sogenannten "Red-Bull-Fußball", der sich unter anderem stark über Pressing definiert.

Der Deutsche gilt als richtungseisender Trainer, der seinen Teams eine klare Struktur udn Ausrichtung vorgibt. Das hat lediglich bei seiner jüngsten Station bei Manchester United nicht funktioniert, dafür umso besser in Hoffenheim und Leipzig - und damit auch in Salzburg.

Peter Stöger: Der 56-Jährige ist die klare Nummer eins der österreichischen Trainer. Wäre der damalige Erfolgscoach beim 1. FC Köln nicht gebunden gewesen, hätte er sich schon vor fünf Jahren durchgesetzt, zumal ihn damals jeder im ÖFB-Präsidium mit Handkuss genommen hätte. Sein Vorteil gegenüber Andreas Herzog ist, dass er auf dem internationalen Parkett schon glänzen konnte - sei es in der Domstadt (Bundesliga-Aufstieg, Europacup-Ehren), sei es in Dortmund (Erreichen der Champions League). Und auch finanziell ist eine Einigung mit ihm eine eher leichtere Aufgabe: Nach seinem vorzeitigen Aus bei Ferencvaros ist der Wiener, der einst sowohl bei der Austria, als auch Rapid gekickt hat, ablösefrei zu haben; und da ihn der Teamchefposten logischerweise auch reizen würde, ist das monatliche Salär wohl auch für beide Seiten keine große Hürde.

Stögers größter Nachteil ist wohl - vor allem im Vergleich zu Petkovic -, dass er noch nie eine Nationalauswahl trainieren durfte. In Zeiten, wo Teamspieler bei immer kürzerer Vorbereitungszeit immer mehr Pflichtspiele zu absolvieren haben, ist Erfahrung in dieser Hinsicht von absolut großer Bedeutung.

Vladimir Petkovic: Zu Zeiten siens Engagements als Schweizer Nationalcoach (2014 bis 2021) stand der 58-Jährige für Erfolg, aber nicht für spektakulären Offensivfußball. Von ihm erhofft sich der ÖFB wohl, dass er aus einem kleinen Fußballland (Österreich) einen Dauergast bei End- und K.o-Runden machen kann - so wie das bei den Eidgenossen gelungen ist: Bei der EM 2016 kam die Schweiz (Aus gegen Polen) ebenso ins Achtelfinale wie bei der WM 2018 (Aus gegen Schweden). Die große Sensation glückte dann bei der EM 2021, als in der ersten K.o.-Runde Weltmeister Frankreich im Elfmeterschießen bezwungen wurde, ehe im Viertelfinale Spanien im Penaltyschießen mehr Glück hatte.

Bei Petkovic könnte es sich freilich auch am Geld spießen: Einerseits dürfte er deutlich teurer als Stöger kommen, andererseits ist er laut Medienberichten noch in ein Gerichtsverfahren um Zahlungen seines früheren Arbeitgebers Bordeaux verstrickt.