Nach der vierten 1:1-Punkteteilung im vierten Derby der Saison sind die Positionen im Wiener Zweikampf um Platz drei in der Bundesliga unverändert. Zwei Runden vor Saisonende liegt Rapid weiter zwei Zähler vor der in Lauerstellung verharrenden Austria. Das neuerliche Remis am Sonntag ließ beide Seiten etwas verärgert über eine verpasste Chance zurück. Da allerdings Meister Salzburg und Vize Sturm ihre Partien gewannen, vergrößerte sich der Vorsprung der beiden Wiener Klubs auf die Kärntner Konkurrenz.

Die Hütteldorfer hätten freilich nach den Pleiten des WAC und Klagenfurt de facto schon alles klarmachen können hinsichtlich Rang drei und damit der fixen Europacup-Gruppenphase. Bernhard Zimmermann nutzte in einer intensiven, jedoch spielerisch mauen Partie einen schweren Patzer der Austria auch zur grünweißen Führung. Dass der 20-Jährige seinen ersten Derby-Treffer dann provokativ vor dem Austria-Anhang feierte, sollte Folgen haben. Zimmermann sah Gelb, die zweite Verwarnung nach einer knappen Stunde bedeutete das unfreiwillige Aus für den Angreifer. Die Austria hatte fortan deutlich Überhand. "Zu unerfahren, das hätte ich nicht machen dürfen", sagte Zimmermann über sein "zu emotional" gefeiertes Tor. Sein Trainer wollte ihm keinen Vorwurf machen, es klang jedoch durch, dass die Szene Rapid alles andere als half. "Bernie weiß, welchen Blödsinn er gemacht hat. So etwas wurde aber schon vor unseren Fans fabriziert - und da hatte es keine Folgen", sagte Rapid-Coach Ferdinand Feldhofer. "Dennoch macht man das nicht, weil es unsportlich ist", hielt der Ex-Profi schlussendlich fest.

Manfred Schmid konnte Zimmermanns erste Gelbe ohne TV-Bilder schwer einordnen. "Wenn er die Fans provoziert, ist es vielleicht gerechtfertigt", meinte der Austria-Trainer - scherzte aber auch: "Vor den gegnerischen Fans zu jubeln - dann hätte Andi Ogris nie 90 Minuten überstanden."

Zimmermann wird Rapid nun eine Partie fehlen. Kommenden Sonntag geht es daheim gegen den schon feststehenden Meister, der allerdings im Saisonfinish noch nie nachgelassen hat. Feldhofer hoffte gegen Salzburg auf ein Comeback des derzeit verletzten Ferdy Druijf - ansonsten sind die Kandidaten im Angriff überschaubar. Feldhofer sieht ein grundlegendes Problem: Rapid agiert in der Offensive oft harmlos, gute Möglichkeiten auf das 2:0 durch den weit von seiner Herbst-Form entfernten Marco Grüll sowie den unscheinbaren Christoph Knasmüllner wurden ausgelassen. "Es ist kein Geheimnis, dass wir die zwei Topscorer verkauft haben. Dass dann nicht alles eitel Wonne ist, ist klar", betonte Feldhofer mit Verweis auf die Winter-Abgänge Taxiarchis Fountas und Ercan Kara. Yusuf Demir saß im Derby 94 Minuten auf der Bank. Feldhofer sah auch körperliche Probleme seiner Elf im Finish der Partie. Die Optionen für Wechsel seien aber begrenzt gewesen.

Die Austria wiederum beklagte mit Marco Djuricin - der nach einem Zusammenstoß mit Rapid-Keeper Paul Gartler nur kurz weitermachen konnte - einen verletzten Stürmer. Djuricin klagte über Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. "Er weiß nichts mehr", berichtete Markus Suttner. Ersatzmann Noah Ohio schoss zwar den späten Ausgleich (81.), der junge Angreifer agierte aber wie so oft in dieser Saison unberechenbar für Gegner wie auch Mitspieler.

"Wir hatten unsere Chancen, aber die muss man auch machen. Der Abschluss ist dann eine Qualitätsfrage, das haben wir heute vermissen lassen", ärgerte sich Schmid. Das Powerplay seiner Elf brachte am Ende nur den einen Zähler. Die Violetten bleiben immerhin auf Schlagdistanz zum Erzrivalen. Am Sonntag ist die Austria beim Namensvetter in Klagenfurt zu Gast. "Wir haben eine gute Ausgangsposition, müssen aber auf uns schauen und unsere Spiele gewinnen", betonte Schmid. Die Austria empfängt zum Saisonabschluss in zwei Wochen dann Sturm Graz, Rapid gastiert zum Abschluss in Wolfsberg, das noch nicht aus dem Rennen um Rang drei ist.

Braunöders Wunderheilung

Extralob von Schmid gab es nach dem Remis für einen, der im Austria-Mittelfeld wieder den Motor gab. Matthias Braunöder galt eigentlich als Fixausfall, von seiner vor einer Woche in Wolfsberg erlittenen Knöchelverletzung war aber wenig zu sehen. Dabei war die Prognose eigentlich so, dass die Saison für den 20-Jährigen zu Ende ist. Braunöder ging in der vergangenen Woche auf Krücken, um den Fuß nicht zu belasten. "Ich habe gesagt, wenn er das Gefühl hat, dass Gefahr für seine Gesundheit herrscht, wird er nicht spielen. Aber er hat signalisiert, dass es geht", so Schmid. Braunöder verzichtete auch auf Schmerzmittel. "Ich dachte schon, dass diese Generation von Spielern ausgestorben ist. Da kann man nur gratulieren."